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Männer zeigen andere Symptome bei einer Depression

Freitag, 17. April 2015

Berlin – Psychische Erkrankungen bei Männern werden häufig nicht oder zu spät erkannt. Denn obwohl Männer eine nur halb so hohe Lebenszeitprävalenz beispielsweise für eine diagnostizierte Depression haben als Frauen (7,8 versus 15,4 Prozent), sind Suizide und Suchterkrankungen bei Männern deutlich häufiger. „Männer wählen zudem andere Wege des Suizids, dramatischere und öffentlichkeitswirksamere als Frauen“, betonte Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), beim 3. Männergesundheitskongress am 14. April in Berlin, der diesmal die psychische Gesundheit von Männern in den Blickpunkt rückte.

Männer ignorierten ihre psychischen, aber auch somatischen, Beschwerden häufiger oder kompensierten sie mit Alkohol, Zigaretten, illegalen Drogen und zunehmend auch mit Glückspiel. Rollenspezifische Faktoren spielten hier eine große Rolle. „Wir wollen deshalb die geschlechtssensible Prävention verstärkt in den Mittelpunkt rücken und haben spezielle Broschüren und ein Portal im Internet speziell zur Männergesundheit entwickelt“, sagte Thaiss. www.maennergesundheitsportal.de

Das Risiko für einen Suizid ist für Menschen mit depressiven Störungen besonders hoch: etwa drei bis vier Prozent und zu zwei Dritteln Männer versterben an einem Suizid. „Suizid ist vorwiegend männlich nach dem Motto: handeln nicht reden“, erklärte Harald Gündel, Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Ulm. Die von ihnen gewählten „harten“ Methoden führen zudem häufiger zum Tod als die eher „weichen“ Suizidmethoden von Frauen (Selbstvergiftungen mit Tabletten oder Drogen).

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Ein Grund für die höheren Suizidraten bei Männern sind also auch unerkannte und unbehandelte Depressionen. Dies liegt nach Meinung von Gündel unter anderem daran, dass die Symptome bei Männern häufig nicht dem klassischen Bild einer Depression mit Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Grübeln und Rückzugstendenzen entsprechen. Männer zeigten daneben auch Ärger, Aggressivität, Wut, Hyperaktivität, antisoziales Verhalten und Substanzabusus.

„Die psychiatrisch-psychotherapeutische Diagnostik erfasst diese depressiven Symptome häufig nicht“, ergänzt Anette Kersting, Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Leipzig und  Leiterin des Fachreferats für geschlechtsspezifische Fragen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Zudem versuchten viele Männer ihre psychischen Probleme immer noch eher zu verstecken und schilderten dem Arzt eher körperliche Symptome.

Männer gehen dem Männergesundheitsbericht zufolge zudem im Durchschnitt seltener zum Arzt als Frauen, weil das Zeigen von Schwäche und das Äußern von Beschwerden mit dem Rollenverständnis vieler Männer nicht vereinbar sind und sie einen Verlust von Ansehen, Autonomie und Männlichkeit befürchteten. Nach Auffassung der Referenten scheint sich das Rollenverständnis bei jüngeren Männern aber gerade zu verändern.

„Wir brauchen mehr Daten, die die Unterschiede zwischen Frauen und Männern erklären“, forderte schließlich Anne Starker vom Robert Koch Institut, die mit für den Männergesundheitsbericht verantwortlich ist. Die Einflussfaktoren seien wichtig zu erforschen, um wirkungsvolle Präventionsstrategien entwickeln zu können. © pb/aerzteblatt.de

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