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Medizin

Gonorrhö: Genitale Infektionen können auch durch Gentamicin kuriert werden

Montag, 6. Mai 2019

Neisseria gonorrhoeae /dpa

Birmingham/England  Wegen der zunehmenden Resistenzen von Neisseria gonorrhoeae werden dringend Alternativen zu Ceftriaxon benötigt. In einer randomisierten Studie im Lancet (2019; doi: 10.1016/S0140-6736(18)32817-4) hat Gentamicin eine gleich gute Wirkung erzielt allerdings nur bei genitalen Infektionen.

N. gonorrhoeae ist seit Längerem resistent gegen Penicilline, auch Tetrazykline, Ciprofloxacin und die Cephalosporine der ersten und zweiten Generation sind häufig nicht mehr wirksam. Da es auch erste Resistenzen gegen Azithromycin gibt, besteht die Behandlung heute aus einer Kombination aus Ceftriaxon plus Azithromycin, die die nach den Chlamydien zweithäufigste sexuell übertragbare Erkrankung (STI) in der Regel mit einer Einmalgabe der Antibiotika kuriert. Sicher ist dies nicht mehr, seit erste Resistenzen gegen Ceftriaxon aufgetreten sind.

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Das britische National Institute for Health Research hat deshalb in einer randomisierten klinischen Studie prüfen lassen, ob Gentamicin als Alternative zu Ceftriaxon eingesetzt werden könnte. An 14 STI-Kliniken des Landes wurden 720 Patienten auf eine Behandlung mit Gentamicin (Einmaldosis 240 mg) oder Ceftriaxon (Einmaldosis 500 mg) randomisiert. In beiden Gruppen erhielten die Patienten zusätzlich eine Einmaldosis Azithromycin (1 g). Primärer Endpunkt war ein negativer Abstrich auf Gene von N. gonorrhoeae 2 Wochen nach der Behandlung.

Wie ein Team um Jonathan Ross von der Universitätsklinik Birmingham berichtet, wurde das Behandlungsziel bei 299 von 306 Teilnehmern (98 %) in der Ceftriaxongruppe erreicht gegenüber 267 der 292 Teilnehmer (91 %) der Gentamicingruppe. Die adjustierte Risikodifferenz von 6,4 Prozentpunkten war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 2,4 bis 10,4 Prozentpunkten statistisch signifikant. Die Ceftriaxongruppe erzielte damit ein etwas besseres Ergebnis.

Dieser Vorteil war allerdings auf Patienten mit rektaler und/oder pharyngealer Infektion beschränkt. Pharyngeale Infektionen wurden in der Gentamicingruppe nur zu 80 % kuriert gegenüber 96 % in der Ceftriaxongruppe (adjustierte Risikodifferenz 15,3 %; 6,5 bis 24,0 %). Rektale Infektionen wurden in der Gentamicingruppe zu 90 % beseitigt gegenüber 99 % in der Ceftriaxongruppe (adjustierte Risikodifferenz 7,8 %; 2,0 bis 13,6 %).

Bei den genitalen Infektionen waren dagegen beide Antibiotika gleichwertig. In der Gentamicingruppe heilte die Gonorrhö bei 94 % der Patienten aus, in der Ceftriaxongruppe waren es 98 % (adjustierte Risikodifferenz 4,4 %; 0 bis 8,7 %).

Trotz dieser Ergebnisse wird Ceftriaxon Mittel der Wahl bleiben. Das liegt nicht nur an den besseren Ergebnissen bei rektalen und pharyngealen Infektionen. Ceftriaxon erwies sich auch als besser verträglich. Die intramuskuläre Injektion war mit Gentamicin schmerzhafter als mit Ceftriaxon. Der wichtigste Nachteil von Gentamicin dürfte jedoch die irreversible Oto- und Nephrotoxizität sein. Zwar ist es in der Studie in keinem Fall zu Hörstörungen oder Nierenschäden gekommen und Ross schätzt das Risiko aufgrund der Einmalgabe der Antibiotika als gering ein. Sollte es aber zu permanenten Schäden kommen, wäre dies ein hoher Preis für eine in der Regel durch Safer Sex zu vermeidende Infektion. © rme/aerzteblatt.de

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