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Studie: Diabetesmedikamente könnten vor Glaukom schützen

Dienstag, 5. Oktober 2021

/Africa Studio, stock.adobe.com

Philadelphia – Patienten mit Typ-2-Diabetes, denen zur Senkung des Blutzuckers ein GLP-1-Agonist verschrieben wurde, erkrankten in einer Studie im British Journal of Ophthalmology (2021; DOI: 10.1136/bjophthalmol-2021-319232) seltener an einem Glaukom. Die Forscher führen dies auf eine antientzündliche Wirkung des Blutzuckersenkers in der Retina zurück.

Das Glaukom, das weltweit zu den häufigsten Ursachen für eine Erblindung gehört, ist gekennzeichnet durch den Tod von retinalen Ganglienzellen. Als Ursache wird häufig ein erhöhter Augeninnendruck (IOD) vermutet. Viele Patienten haben jedoch einen normalen IOD und die Senkung des IOD kann den Untergang der Ganglienzellen häufig nicht verhindern. Ophthalmologen vermuten, dass eine entzünd­liche Reaktion an der Pathogenese des Glaukoms beteiligt ist.

Im Zentrum stehen nach einer Hypothese Astrozyten, die zum Immunsystem des Gehirns gehören. In einer früheren Studie hatten Jacob Sterling vom Scheie Eye Institute in Philadelphia an Mäusen zeigen können, dass die Behandlung mit einem GLP-1-Agonisten die Entzündungsreaktion in der Retina und das Absterben der Ganglienzellen verhindern kann (Cell Reports 2020; DOI: 10.1016/j.celrep.2020.108271).

Es lag deshalb nahe, nach einer protektiven Wirkung von GLP-1-Rezeptoragonisten beim Menschen zu suchen. Einen ersten Hinweis auf eine Wirkung liefert jetzt die Analyse von Versichertendaten.

Sterling stellt 1.961 Diabetiker, denen ein GLP-1-Agonist verordnet wurde, 4.371 Patienten gegenüber, die ihren Blutzucker mit anderen Medikamenten senkten. Während einer Nachbeobachtungszeit von 150 Tagen war bei 10 Patienten, die GLP-1-Rezeptoragonisten anwendeten, ein Glaukom diagnostiziert worden (0,5 %). In der Kontrollgruppe erkrankten 58 Patienten (1,3 %). Die Behandlung mit den GLP-1-Rezeptoragonisten könnte demnach das Risiko der Diabetiker, an einem Glaukom zu erkranken, um mehr als die Hälfte gesenkt haben.

Eine retrospektive Analyse von Versichertendaten kann die Wirksamkeit eines Medikamentes natürlich nicht beweisen. Da mehrere GLP-1-Agonisten zugelassen sind, dürfte klinischen Studien zur Prävention des Glaukoms nichts im Wege stehen. GLP-1-Agonisten haben in Tiermodellen auch eine protektive Wirkung gegen Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson erzielt. Ihre mögliche Wirkung bei neurodege­nerativen Erkrankungen wird derzeit in klinischen Studien untersucht. © rme/aerzteblatt.de

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