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Politik

Influenza: Krankenkassen bezahlen ab Herbst Vierfachimpfstoff

Donnerstag, 5. April 2018

/dpa

Berlin – Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) hat in seiner heutigen Sitzung den Vierfachimpfstoff bei Influenza als künftige Kassenleistung beschlossen. Damit kann in der Grippesaison 2018/2019 die Grippeschutzimpfung mit dem entsprechenden Impfstoff erfolgen.

Bislang gab es keine Regelung, ob Krankenkassen den Dreifach- oder den Vierfach­impfstoff erstatten müssen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert-Koch-Institutes (RKI) hatte am 11. Januar 2018 den Vierfachimpfstoff mit den jeweils aktuellen Antigenkombinationen empfohlen.

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Angesichts der Intensität der diesjährigen Grippewelle war in den vergangenen Monaten eine Diskussion über die Entscheidungswege des G-BA zu Grippeimpfstoffen entstanden. So hatte der Bundestagsabgeordnete Andrew Ullmann (FDP) in einem Schreiben den G-BA als „behäbigen Klotz“ bezeichnet und die Verfahrensabläufe in dem Gremium als nicht „flexibel“ kritisiert.

Das Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung wies darauf hin, dass die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) am 22. Februar 2018 die Entscheidung zur diesjährigen Antigenkombination getroffen hat. Da die Produktion von Impfstoffen einige Zeit benötigt, tritt die WHO die Entscheidung über die Kombination der Antigene bereits deutlich vor der folgenden Grippezeit.

„Die heutige Entscheidung richtet sich – anders als vielfach auch öffentlich gemut­maßt – nicht auf die Impfsaison 2017/2018, sondern auf die kommende“, stellte Josef Hecken, unparteiischer G-BA-Vorsitzender, klar. Insgesamt kritisierte er die Debatte um die G-BA-Empfehlung. „Viele haben sich gemüßigt gefühlt, oft auch in völliger Rechts­unkenntnis, über den Sachverhalt zu urteilen. Wer sich da beteiligt hat, hat sich oft auch selbst diskreditiert“, sagte Hecken im G-BA-Plenum.

Man habe die Entscheidung auch nicht vor vier Wochen treffen können, da zu dem Zeitpunkt die „Rezeptur der WHO noch gar nicht da war“, so Hecken. Ihn ärgere, dass in diesem Jahr auf Wunsch der Pharmaunternehmen die STIKO-Empfehlung deutlich früher getroffen wurde, damit Unternehmen genügend Zeit zur Produktion erhalten.

Auch der G-BA habe in den vergangenen Jahren eher unbemerkt erst im Mai über den Impfstoff in der folgenden Saison entschieden. „Wir haben die Vorlaufzeit verlängert, dafür haben wir dann die Dresche bekommen.“ Er führt das auch auf die „närrische Zeit in der Politik“ zurück, „in der es keine Bundesregierung gab. Dies ist ja nun vorbei und die Welt wieder in Ordnung“, fügte er hinzu.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte für die Zukunft ein beschleunigtes Verfahren bei der Umsetzung von Impfempfehlungen. Zwar habe der G-BA gesetzlich gesehen drei Monate Zeit für die Umsetzung. „Die Grippevieren sind aber schneller“, so Vorstand Eugen Brysch.

Ein Dazulernen für die kommende Grippesaison forderte die Präsidentin der Lan­des­ärz­te­kam­mer Niedersachsen. „Ich begrüße ausdrücklich, dass sich ab der Impfsaison 2018/2019 auch die GKV-Versicherten regulär mit dem Vierfachimpfstoff vor einer Infektion schützen können“, sagte Martina Wenker.

Die Lungenfachärztin erklärte weiter: „Die Probleme dieses Winters dürfen sich nicht wiederholen.“ In Niedersachsen seien seit Oktober 2017 78 Menschen infolge einer Influenza verstorben, insgesamt seien 17.033 laborbeständige Influenzafälle registriert worden. Bundesweit sind bislang 971 Patienten durch Influenzaviren verstorben.

Das Robert-Koch-Institut hat die Wirksamkeit der Dreifachimpfungen für die diesjährige Saison mit 46 Prozent bewertet. Dies sei, berechnet an der üblichen Schwankungsbreite von 20 bis 60 Prozent, relativ gut, so das RKI. Die Entscheidung des G-BA wird nun noch vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium geprüft und tritt mit Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft. © bee/aerzteblatt.de

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Avatar #677257
rmstie
am Freitag, 6. April 2018, 07:50

... hat sich oft selbst diskreditiert

Komisch, dass Herr Hecken diejenigen diskreditiert, die für eine schnelle Entscheidung zur Impfstoffversorgung plädieren. Er macht sogar die Pharmaindustrie dafür verantwortlich, dass sie mehr Zeit zur Vorbereitung haben möchte.
Was hat denn eine zeitlich gute (und notwendige) Vorsorge damit zu tun, dass der G-BA "in die Puschen" kommt. Sich darüber zu ärgern, spricht nicht gerade für eine Unparteilichkeit und schon gar nicht für eine Fürsorglichkeit für die Patienten.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 5. April 2018, 19:50

G-BA verschweigt die Wahrheit!

Tatsache ist, dass die WHO bereits am 21.2.2013 neben dem 3-fach-Impfstoff unter anderem auch eine 4-fach-Vakzine empfohlen hat:

"Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2013-14 northern hemisphere influenza season
21 February 2013
It is recommended that trivalent vaccines for use in the 2013-14 influenza season (northern hemisphere winter) contain the following:
an A/California/7/2009 (H1N1)pdm09-like virusa;
an A(H3N2) virus antigenically like the cell-propagated prototype virus A/Victoria/361/2011b*;
a B/Massachusetts/2/2012-like virus.
It is recommended that quadrivalent vaccines containing two influenza B viruses contain the above three viruses and a B/Brisbane/60/2008-like virusc.
a A/Christchurch/16/2010 is an A/California/7/2009-like virus;
b A/Texas/50/2012 is an A(H3N2) virus antigenically like the cell-propagated prototype virus A/Victoria/361/2011;
c B/Brisbane/33/2008 is a B/Brisbane/60/2008-like virus."
http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2013_14_north/en/

Entsprechende Empfehlungen gab es für die Influenza-Saison 2014/2015
http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2014_15_north/en/
und für 2015/2016
http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2015_16_north/en/
bzw. für 2016/2017:
"Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the 2016-2017 northern hemisphere influenza season
25 February 2016
It is recommended that trivalent vaccines for use in the 2016-2017 influenza season (northern hemisphere winter) contain the following:
an A/California/7/2009 (H1N1)pdm09-like virus;
an A/Hong Kong/4801/2014 (H3N2)-like virus;
a B/Brisbane/60/2008-like virus.
It is recommended that quadrivalent vaccines containing two influenza B viruses contain the above three viruses and a B/Phuket/3073/2013-like virus."
http://www.who.int/influenza/vaccines/virus/recommendations/2016_17_north/en/

Aber von angemessener Selbstkritik keine Spur! Josef Hecken, nicht-medizinischer unparteiischer G-BA-Vorsitzender, kritisierte die Debatte um die G-BA-Empfehlungen: "Viele haben sich gemüßigt gefühlt, oft auch in völliger Rechts­unkenntnis, über den Sachverhalt zu urteilen. Wer sich da beteiligt hat, hat sich oft auch selbst diskreditiert".

Wer blamierte sich da wohl im G-BA-Plenum selbst?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

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