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Medizin

Frankreich: Todesfälle an COVID-19 deutlich höher als bei einer schweren Grippesaison

Freitag, 18. Dezember 2020

/peterschreiber.media, stock.adobe.com

Dijon – In Frankreich sind auf dem Höhepunkt der ersten Erkrankungswelle doppelt so viele Menschen an COVID-19 erkrankt wie während der schweren Grippewelle 2018/19, und 3-Mal so viele Menschen sind an der Erkrankung gestorben. Dies geht aus einer retrospektiven Analyse des nationalen Klinikre­gisters in Lancet Respiratory Medicine (2020; DOI: 10.1016/S2213-2600(20)30527-0) hervor.

In Frankreich wurden in den 3 Monaten zwischen Dezember 2018 und Februar 2019 insgesamt 45.819 Patienten wegen einer schweren Grippe im Krankenhaus behandelt, an der 2.640 verstarben, was einem Anteil von 5,8 % entspricht. Einen Lockdown oder irgendwelche Einschränkungen des öffentlichen Lebens gab es nicht, so dass die Zahlen den ungehinderten Verlauf einer Grippeepidemie widerspiegeln, die damals als die schlimmste seit mindesten 5 Jahren bezeichnet wurde.

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In den 2 Monaten zwischen dem 1. März und dem 30. April diesen Jahres behandelten die Kliniken 89.530 Patienten mit COVID-19, von denen 15.104 starben (16,9 %). Frankreich war seit Anfang März in einem zunehmenden Lockdown, ab dem 17. März galt eine partielle Ausgangssperre: Die Bewohner durften das Haus nur noch in schriftlich begründeten Fällen verlassen. Ohne diese Maßnahmen wären die Fallzahlen deutlich höher gewesen.

Der Lockdown war medizinisch notwendig, weil die Kliniken an die Grenzen ihrer Kapazitäten gerieten. Insgesamt wurden 14.585 Patienten mit COVID-19 (16,3 %) auf Intensivstation behandelt gegenüber 4.926 (10,8 %) bei der schweren Grippewelle 2018/19. Die Behandlungszeiten auf Intensivstation waren mit 15 gegenüber 8 Tagen fast doppelt so lang.

Ein Team um Catherine Quantin von der Universitätsklinik Dijon ermittelte für COVID-19 eine gegenüber der Grippe fast 3-fache Kliniksterberate (relatives Sterberisiko 2,9; 95-%-Konfidenzintervall 2,8 bis 3,0).

An COVID-19 erkranken nicht unbedingt die gleichen Menschen wie an einer Grippe. Der Altersschnitt war mit 65 gegenüber 59 Jahren bei der Grippe etwas höher und der Anteil der Männer mit 53,0 versus 48,3 % größer. Patienten mit COVID-19 waren öfter fettleibig (9,6 versus 5,4 %), sie hatten häufiger einen Diabetes (19,0 versus 16,0 %), eine Hypertonie (33,1 versus 28,2 %) oder eine Dyslipidämie (5,0 versus 4,5 %).

Grippepatienten litten häufiger unter Herzinsuffizienz (13,7 versus 8,0 %), peripheren Gefäßerkrankun­gen (3,5 versus 3,2 %), chronischen Atemwegserkrankungen (4,0 versus 1,6 %), Leberzirrhose (1,1 versus 0,8 %) oder einer Eisenmangelanämie (4,2 versus 3,9 %).

Der Anteil der Kinder unter 18 Jahren an den Erkrankten war bei COVID-19 deutlich geringer als bei der Grippe (1,4 versus 19,5 %). Unter den unter 5-Jährigen war der Anteil der Kinder, die auf einer Intensiv­station behandelt werden mussten, mit 2,3 versus 0,9 % jedoch höher als bei der Grippe. Auch die Sterb­lichkeit war mit 0,5 % gegenüber 0,2 % höher, auch wenn Todesfälle unter den kleinen Kindern selten waren. Laut der Statistik starben in Frankreich nur 3 Kinder unter 5 Jahren an COVID-19. © rme/aerzteblatt.de

Kommentare

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 18. Dezember 2020, 21:47

Alte und Neue Verschwörungstheorien?

Verehrte Kollegin Dr. Helen S. Maaß, ich möchte Sie keinesfalls in die Nähe von Neuen Verschwörungstheorien bringen, aber Ihre Aussage:

"Warum jeder Vergleich von Covid-19 und einer stinknormalen saisonalen Grippe einem Vergleich von Äpfel und Birnen gleicht, und deswegen auch die Sterblichkeit kein geeignetes Vergleichskriterium ist, dazu darf ich verweisen auch auf eine Studie von Yan Xie, Benjamin Bowe, Geetha Maddukur und Ziyad Al-Aly: Comparative evaluation of clinical manifestations and risk of death in patients admitted to hospital with covid-19 and seasonal influenza: cohort study, in BMJ 2020;371:m4677, http://dx.doi.org/10.1136/bmj.m4677."

Diese ihre Interpretation ist völlig abwegig und geht aus der von Ihnen zitierten BMJ-Publikation an keiner Stelle hervor.

Im Gegenteil, wenn Sie die Schlussfolgerungen lesen ["Conclusions - Among people admitted to hospital, compared with seasonal influenza, covid-19 was associated with increased risk of extrapulmonary organ dysfunction, death, and increased health resource use. The findings may inform the global discussion about the comparative risks of covid-19 and seasonal influenza and may help the ongoing effort to manage the covid-19 global pandemic."], werden Sie feststellen, dass die Autoren keineswegs Äpfel mit Birnen, sondern die seit Jahrzehnten impfpräventable Influenza im HxNx-System mit weitaus schwereren SARS-CoV-2/COVID-19 Manifestationen verglichen haben.

Mf+kG, Ihr Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #760388
Helen Maaß
am Freitag, 18. Dezember 2020, 19:08

Lassen sich Covid-19 und eine "normale Grippe" überhaupt vergleichen

Es ist ja ein beliebtes Argument vor allem der Verschwörungstheoretiker. Niemand habe sich um die vielen Grippetoten früherer Jahre geschert, warum jetzt die Einschränkungen mit SARS-CoV-2? Warum jeder Vergleich von Covid-19 und einer stinknormalen saisonalen Grippe einem Vergleich von Äpfel und Birnen gleicht, und deswegen auch die Sterblichkeit kein geeignetes Vergleichskriterium ist, dazu darf ich verweisen auch auf eine Studie von Yan Xie, Benjamin Bowe, Geetha Maddukur und Ziyad Al-Aly: Comparative evaluation of clinical manifestations and risk of death in patients admitted to hospital with covid-19 and seasonal influenza: cohort study, in BMJ 2020;371:m4677, http://dx.doi.org/10.1136/bmj.m4677. Dr. Helen S. Maaß
LNS

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