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Medizin

Studie: Stress und niedriges Einkommen erhöhen Herz-Kreis­lauf-Risiko bei niedrigem Bildungsniveau

Mittwoch, 18. Dezember 2019

 Müde erschöpfter Umzugsunternehmer in Uniform, der Probleme im Laderaum hat. /pressmaster, stock.adobe.com
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Kopenhagen – Menschen mit niedrigem Bildungsniveau erkranken und sterben häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine bevölkerungsbasierte Studie im European Heart Journal (2019: doi: 10.1093/eurheartj/ehz870) führt dies teilweise auf schlecht bezahlte Jobs und einen erhöhten Stress am Arbeitsplatz zurück.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weltweit die häufigste Todesursache geblieben. Viele Erkrankungen und Todesfälle wären vermeidbar, wenn modifizierbare Risikofaktoren wie arterielle Hypertonie, Dyslipidämie, Diabetes und Adipositas mehr beachtet würden. Dies fällt Menschen mit niedriger Bildung häufig schwer, zumal sie oft Beschäftigungen nachgehen, in denen sie einem erhöhten Stress ausgesetzt sind. Stress ist dabei definiert als das Missverhältnis zwischen erhöhten psychologischen Anforderungen am Arbeitsplatz und einer fehlenden Kontrolle über die eigene Tätigkeit.

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Arbeitsmediziner des „Nationale Forskningscenter for Arbejdsmiljø“ in Kopenhagen haben das Ausmaß des Problems in einer bevölkerungsweiten Studie untersucht. Sie schloss alle 1.680.214 Dänen ein, die im Jahr 2000 im Alter von 30 bis 59 Jahren einer beruflichen Tätigkeit nachgingen. Darunter waren 41.944 Personen, die wegen kardiometabolischer Erkrankungen, sprich Typ 2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, in medizinischer Behandlung waren. In den folgenden 4 Jahren ist es zu 51.585 neuen Erkrankungsfällen gekommen. Betroffen waren überproportional häufig Personen mit niedrigem Bildungsniveau.

So erlitten 61 von 10.000 Männern mit geringer Schulbildung (maximaler Abschluss Sekundarstufe 1; ISCED-Level 0 bis 2) innerhalb von 12 Monaten ein Herz-Kreislauf-Ereignis. Bei Männern mit höherer Schuldbildung (Abitur plus Fachausbildung oder Universität, ISCED-Level 5 oder höher) kam es nur zu 34 Erkrankungen auf 10.000 Personenjahre. Elisabeth Framke und Mitarbeiter ermitteln unter Berücksichtigung von Alter, Migrationshintergrund, Familienstand und Kran­ken­ver­siche­rung eine Hazard Ratio von 1,62.

Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Männern und Frauen gleichermaßen

Nach weiterer Berücksichtigung von Einkommen und Stress am Arbeitsplatz verringerte sich die Hazard Ratio auf 1,46, also um relativ 25 %. Dieser Anteil ist laut Framke auf die Nachteile zurückzuführen, denen Männer mit geringer Schulbildung infolge ihres niedrigen Einkommens und dem Stress am Arbeitsplatz ausgesetzt sind.

Für Frauen mit niedrigem Bildungsniveau ist die Situation nicht besser. Framke ermittelt eine Hazard Ratio von 1,66, die sich nach Berücksichtigung von Einkommen und Arbeitsstress auf 1,53 verminderte. Das entspricht einem Anteil von 21 %, der durch ein niedriges Einkommen und den Stress am Arbeitsplatz bedingt sind.

Ein ähnliches Muster fanden die Forscher bei den Menschen, die zu Beginn der Studie bereits unter kardiometabolischen Erkrankungen litten. Die gesundheitlich angeschlagenen Männer und Frauen hatten dann ein erhöhtes kardiovaskuläres Sterberisiko. Framke ermittelt für Männer mit niedrigem Bildungsniveau eine Hazard Ratio von 1,52 die nach Berücksichtigung von Einkommen und Stress auf 1,24 sank, was einen Anteil der beiden Faktoren von 54 % ergibt.

Bei Frauen erhöhte ein niedriges Bildungsniveau das kardiovaskuläre Sterberisiko ebenfalls. Die Hazard Ratio von 2,18 verminderte sich nach Berücksichtigung von Einkommen und Stress auf 1,79. Der Anteil der beiden Faktoren betrug hier 33 %.

Weniger Stress am Arbeitsplatz könnte nach den Ergebnissen der Studie die kardiovaskuläre Morbidität und Mortalität senken – wobei zu fragen wäre, durch welche Maßnahmen konkret dies bewerkstelligt werden könnte. Ein höheres Einkommen könnte ebenfalls die Situation entspannen – wobei allerdings offen bleibt, ob Menschen mit niedrigem Bildungsniveau ihre zusätzlichen finanziellen Ressourcen tatsächlich in eine Verbesserung ihrer Gesundheit investieren würden. © rme/aerzteblatt.de

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