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Medizin

Adipositas: MRT zeigt Hirnveränderungen bereits im Teenageralter

Dienstag, 26. November 2019

/romaset, stock.adobe.com

São Paulo – Die Entzündungsreaktion, die durch eine Adipositas ausgelöst wird, greift möglicherweise bereits im Jugendalter das Gehirn an. Radiologen aus Brasilien stellten dazu auf der Jahrestagung der Radiological Society of North America in Chicago Magnet­resonanztomografien (MRT) des Gehirns von adipösen Teenagern vor. Sie zeigen Verände­rungen unter anderem im Appetitzentrum an.

Die Adipositas von Kindern und Jugendlichen entwickelt sich immer mehr zu einem be­deu­tenden Public-Health-Problem. In den USA hat sich der Prozentsatz fettleibiger He­ran­­­­wachsender seit den 1970er-Jahren mehr als verdreifacht. Pädiater machen die Beo­bach­tung, dass sich die Gewichtsprobleme keinesfalls „auswachsen“. Den Patienten fällt es in der Regel schwer, Diäten einzuhalten und ihr Gewicht zu senken. Es besteht der Ver­dacht, dass sich die Gewichtsprobleme im Gehirn fest verankert haben.

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Diese Hypothese wird durch eine Studie an 120 Jugendlichen im Alter von 12 bis 16 Jah­ren gestützt, deren Ergebnisse ein Team um Pamela Bertolazzi von der Universität von São Paulo vorstellt. Bei den Probanden wurde mit einem 3-Tesla-Gerät eine diffusions­ge­wich­tete MRT durchgeführt.

Die Untersuchung misst die Diffusionsbewegung von Wasser­mole­külen im Körpergewebe. Im Gehirn wird die freie Beweglichkeit der Moleküle vor allem an den Membranen der Nervenzellen eingeschränkt. Ein Maßstab hierfür ist die fraktionale Anisotropie (FA). Eine Verminderung der FA in der weißen Hirnsubstanz deutet auf eine mögliche Schädigung der Nervenfasern hin.

Genau dies zeigen die Aufnahmen, die Bertolazzi vorstellt. Bei den adipösen Jugendli­chen war die FA vor allem im Corpus callosum vermindert, dem Nervenfaserbündel, das die linke und rechte Gehirnhälfte verbindet. Betroffen waren auch der mittlere orbito-fron­tale Gyrus. Er führt zu einer Gehirnregion, die mit der emotionalen Kontrolle und dem Belohnungs­system zusammenhängt. In keiner Region des Gehirns wurde bei den adipö­sen Patienten eine Zunahme der FA gefunden.

Die Befunde passen zu dem Kontrollverlust beim Appetit sowie zu den emotionalen und kognitiven Störungen, die bei der Adipositas von Jugendlichen beobachtet werden, findet Bertolazzi. Der Beweis, dass die Veränderungen tatsächlich Folge der Adipositas sind, lässt sich in einer Querschnittuntersuchung allerdings nicht erbringen.

Auffällig ist allerdings, dass die „Schadensmuster“ mit einigen Entzündungsmarkern kor­relierten, die die Forscher bei einer Blutuntersuchung bestimmt hatten. Kennzeichnend für die vermehrte Entzündungsreaktion bei der Adipositas ist ein Anstieg von Tumorne­krosefaktor beta und Interleukin 6.

Beide Blutparameter korrelierten negativ mit den FA-Werten im hinteren Ende (Splenium) des Corpus callosum. Interleukin 6 war auch mit verminderten FA-Werten im medialen Gyrus orbitalis und im Corpus callosum assoziiert: Je höher die Entzündungsparameter, desto größer die „Schadensmuster“ in den Nervenbahnen.

Bertolazzi vermutet, dass die entzündliche Schädigung des Gehirns dazu führt, dass das Sättigungshormon Leptin, das die Fettzellen bilden, aufgrund der Veränderungen im Gehirn den Appetit nicht mehr bremsen. Dies ist allerdings eine Vermutung, die die Forscherin nicht weiter belegen kann. © rme/aerzteblatt.de

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