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Medizin

Schriftlicher Impfaufruf durch den Arzt kann Impfquote erhöhen

Freitag, 7. Juni 2019

/dpa

Köln – Ein schriftlicher Impfaufruf an chronisch nierenerkrankte Patienten durch den behandelnden Arzt ist wirksam und sorgt für eine Steigerung der Influenzaimpfquote. Diese Maßnahme erwies sich im Vergleich zu anderen Versuchen, für einen besseren Grippeschutz in dieser Risikogruppe zu sorgen, als effektiver. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in der aktuellen Ausgabe des Deutschen Ärzteblattes (Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 413–9).

Ausgangspunkt der Studie war die Feststellung, dass die Influenzaimpfquote bei Pa­tienten mit einer chronisch eingeschränkten Nierenfunktion zu niedrig war. Abrech­nungsdaten von Kassenärztlichen Vereinigungen zeigten, dass weniger als die Hälfte dieser Patienten im Beobachtungszeitraum 2012 bis 2017 eine Grippeschutzimpfung erhielt.

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Mit zwei randomisiert kontrollierten Interventionsstudien und einer prospektiven In­ter­ventionsstudie gingen die Autoren der Frage nach, welche Strategie für eine Verbes­se­rung der Impfquote am ehesten geeignet ist. Am besten schnitt dabei die schriftliche Impferinnerung durch den Arzt ab. Dessen an die Patienten gerichteter Impfaufruf führte im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einer um 8,3 Prozentpunkte höheren Impf­quote.

Weniger erfolgreich war ein Impfaufruf einer Kassenärztlichen Vereinigung an die ne­phrologischen Vertragsärzte. Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigte sich kein positiver Effekt auf die Impfquote der Patienten. Die schriftliche Impferinnerung durch eine Krankenkasse an ihre chronisch nierenerkrankten Mitglieder führte zu einer leichten Verbesserung der Impfquote; anhand der abgerechneten Impfungen wurde ein Inter­ventionseffekt von 3,2 Prozentpunkten bestimmt.

Für die bundesweite Umsetzung einer höheren Influenzaimpfquote sehen die Autoren aufgrund der Reichweite allerdings Vorteile bei Erinnerungssystemen in den Kranken­kassen; Voraussetzung wäre eine verbesserte Anpassung der Botschaften und Zeit­punkte an die Bedürfnisse der Zielgruppe. So könnte anstelle von Ansprache über die Massenmedien eine großflächig individualisierte Impfaufklärung erfolgen.

Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) reagierte auf die Ergebnisse der Untersuchung umgehend. Sie kündigte im Frühherbst ge­meinsam mit der Deutschen Nierenstiftung eine Grippeimpfkampagne an. Diese soll nierenkranke Pa­tienten um­fassend über die positiven Effekte der Impfung aufklären.

„Die Grippeimpfung ist wichtig, insbesondere, wenn man bedenkt, dass eine einge­schränkte Nierenfunktion grundsätzlich zu einer Schwächung des Immunsystems führt und zusätzlich viele Patienten, zum Beispiel Nierentransplantierte, Immunsuppressiva erhalten. Das sind Medikamente, die das Immunsystem schwächen“, sagte DGfN-Sprecher Jan Galle. Nierenkranke seien deshalb gegenüber Grippeviren besonders anfällig und schutzlos.

Galle bedauerte, dass die Bevölkerung „insgesamt sehr impfmüde geworden“ sei. „Auch wir Nephrologen erleben es immer wieder, dass nierenkranke Menschen Im­pfun­gen ablehnen“, so Galle. Lärmende Impfgegner in den Medien würden zur Verun­sicherung der Bevölkerung beitragen, die Ärzte müssten diese dann mit umfassenden Er­klä­rungen abbauen. „In der täglichen Routine bleibt aber oft nicht die Zeit, um argu­mentativ gegen die Vorbehalte der Patienten anzugehen“, erklärte Galle. Daher wolle man nun die Kampagne auf den Weg bringen.

DGfN-Präsident Andreas Kribben bezeichnete die Studie als wichtig. Sie habe ein „Informationsdefizit“ bei den Patienten aufdeckt, auch eine „mangelnde Aufklärung der Patienten durch die Ärzte gezeigt“. Die Studie habe ihnen „vor Augen gehalten“, wie niedrig die Impfrate der Patienten tatsächlich sei. „Wir sehen einen dringenden Hand­lungsbedarf und werden das Thema als Fachgesellschaft in unserer Öffentlichkeits­arbeit nun weiter intensivieren und den Patienten umfassendes Informationsmaterial an die Hand geben“, so Kribben. Er hoffe, die Grippeimpfrate bereits in der nächsten Saison deutlich anheben zu können.

© TG/may/aerzteblatt.de

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