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Medizin

RS-Virus: Impfstoff erzeugt protektive Antikörper in klinischer Studie

Montag, 5. August 2019

/Anton Gvozdikov, stockadobecom

Bethesda/Maryland – Ein Impfstoff gegen das Respiratorische Syncytial-Virus (RS-Virus) hat erstmals in einer klinischen Studie die Bildung von Antikörpern induziert, die vor einer Infektion mit dem weithin unterschätzten Erreger von Atemwegserkrankungen schützen könnte. Dies zeigen die jetzt in Science (2019; 365: 505-509) veröffentlichten Zwischenergebnisse einer Phase-1-Studie.

Das RS-Virus wurde erstmals 1956 als Ursache einer Lungenentzündung bei Kindern beschrieben. Es ist weltweit verbreitet und für zahllose akute Erkrankungen der oberen und unteren Atemwege verantwortlich, die in jedem Lebensalter auftreten können. In Mitteleuropa kommt es in den Wintermonaten regelmäßig zu einem Anstieg der Erkran­kungen mit einem Gipfel im Januar und Februar. Die Erkrankung ist klinisch kaum von einer leichteren Grippe zu unterscheiden.

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Die meisten überstehen die Infektion schadlos. Für Kleinkinder und Säuglinge kann sie jedoch tödlich sein. Bei Frühgeborenen beträgt die Letalität nach Informationen des Robert-Koch-Instituts 1,2 Prozent, bei Kindern mit bronchopulmonaler Dysplasie 4,2 Prozent und bei Kindern mit angeborenem Herzfehler 5,2 Prozent. Weltweit soll das RS-Virus für jährlich 118.000 Todesfälle verantwortlich sein.

In den vergangenen fünfzig Jahren hat es mehrere Versuche gegeben, einen effektiven Wirkstoff gegen das RS-Virus herzustellen. Sie sind alle gescheitert. Den Grund vermutet das Team um Barney Graham vom Vaccine Research Center in Bethesda/Maryland in einer Besonderheit des Fusions-Glykoproteins (F-Protein).

Das F-Protein befindet sich auf der Oberfläche der RS-Viren und ist deshalb ein möglicher Angriffspunkt für protektive Antikörper, zu deren Produktion ein Impfstoff das Immunsys­tem veranlassen soll. Doch das F-Protein ist ein „shape shifter“. Es hat vor dem Eindringen des Virus in die Zelle eine andere Form als danach. Damit ein Impfstoff eine Schutzwir­kung erzielt, muss er Antikörper gegen die erste Form erzeugen. Die bisher verwendeten Impfstoffe erzeugten laut Graham nur Antikörper gegen die zweite Form. Den Forscher ist es jetzt gelungen, einen Impfstoff zu entwickeln, der auch die erste Form erkennt.

Vor sechs Jahren hatten die Forscher erste Impfstoffkandidaten erfolgreich an Mäusen und Makaken getestet. Jetzt stellen sie erste Ergebnisse von klinischen Tests vor. Der Impfstoff „DS-Cav1“ wurde seit 2017 am Clinical Center der National Institutes of Health in Bethesda an 40 gesunden Erwachsenen getestet. Die Probanden wurden mit einer Dosis von 50 oder 150 Mikrogramm geimpft, wobei einige Impfstoffe mit einem Alaun-Adjuvans versehen waren, um die Wirkung zu verstärken.

Wie die Forscher berichten, hat sich vier Wochen nach der Impfung mit der 50 µg-Dosis (mit oder ohne Alaun) die Konzentration der neutralisierenden Antikörper um den Faktor 7 erhöht. Eine Dosis von 150 µg ohne Alaun erhöhte die neutralisierenden Antikörper­spiegel sogar um den Faktor 12, während ein Impfstoff mit Alaun-Adjuvans bei dieser Dosis zu einem 15-fachen Anstieg der neutralisierenden Antikörper führte.

Die durch den Impfstoff induzierten Antikörpertiter sind nach Angaben der Forscher drei­mal so hoch wie nach einer Infektion mit dem RS-Virus. Auch zwölf Wochen nach der Im­pfung sollen die neutralisierenden Antikörper in allen Impfstoff-Dosierungsgruppen fünf- bis zehnmal über dem Ausgangswert gelegen haben.

Das ist eine gute Ausgangssituation für weitere Studien zu dem Impfstoff, zumal offenbar keine ernsthaften Impfkomplikationen aufgetreten sind. Bei einer der früheren Impfstoff­studien sollen Antikörper erzeugt worden sein, die den Verlauf einer späteren RV-Infek­tion verstärkten. © rme/aerzteblatt.de

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