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Medizin

Studie: Grippeimpfung senkt Sterblichkeit von Hypertonikern

Mittwoch, 4. September 2019

/dpa

Kopenhagen – Eine Grippeimpfung kann bei Patienten mit einer arteriellen Hypertonie das Sterberisiko während der Grippesaison senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine bevöl­kerungsbasierte Kohortenstudie, die auf dem Jahreskongress der European Society of Cardiology in Paris vorgestellt wurde.

Eine schwere Grippe belastet Herz und Kreislauf. Bei kardiovaskulären Vorerkrankungen kann es schnell zu einer lebensgefährlichen Krise kommen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät deshalb auch jüngeren Erwachsenen mit Herz- oder Kreislaufkrankheiten zur jährlichen Grippeimpfung, die sonst erst ab dem 60. Lebensjahr empfohlen wird. Menschen mit einer arteriellen Hypertonie ohne Endorganschäden gelten nicht als gefährdet.

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Dieser Ansicht widerspricht jetzt eine Analyse von 608.452 erwachsenen Dänen, die Daniel Modin von der Universität Kopenhagen anhand der Verordnung von Betablockern, Diuretika, Kalziumantagonisten oder Inhibitoren des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems als Hypertoniker identifiziert hat. Patienten mit schweren chronischen Erkrankungen wurden von der Analyse ausgeschlossen.

Modin verglich während der Grippesaison (1. Dezember bis 1. April) die Sterblichkeit von Hypertonikern, die an der Grippeimpfung teilgenommen hatten, mit der Sterblichkeit von Hypertonikern, die nicht geimpft wurden.

Ergebnis: Während median 5 Grippesaisons starben 21.571 Patienten (3,5 %), davon 12.270 Patienten an kardiovaskulären Ursachen (2,0 %) und 3.846 Patienten an Herzinfarkt oder Schlaganfall (0,6 %).

Für die geimpften Hypertoniker ermittelt Modin ein um 18 % vermindertes Sterberisiko. Die Hazard Ratio von 0,82 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,79 bis 0,85 signifikant. Das kardiovaskuläre Sterberisiko war um 16 % vermindert (Hazard Ratio 0,84; 0,80 bis 0,89). Die Sterblichkeit an Herzinfarkt oder Schlaganfall könnte durch die Impfung um 10 % gesenkt worden sein (Hazard Ratio 0,90; 0,82 bis 0,98).

Modin hat bei der Analyse einige Begleitfaktoren berücksichtigen können, die die Impf­bereitschaft beeinflussen. Es lässt sich in epidemiologischen Studien jedoch niemals ausschließen, dass andere Faktoren für die erhöhte Sterblichkeit von nicht geimpften Personen verantwortlich sind. So könnten Menschen mit einem besseren Gesundheits­zustand eher zum jährlichen Impftermin beim Arzt erscheinen als gebrechliche Patienten. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Freitag, 6. September 2019, 15:44

@ "bwpsychiater": Wer lesen kann...

ist klar im Vorteil! Und sollte den Gesamtzusammenhang darstellen können.

"Results: A total of 608,452 Patients were followed for a median of 5 seasons (interquartile-range: 2-8 seasons), with total follow-up time of 975,902 person-years. The vaccine coverage during study seasons ranged from 26% to 36%. During follow-up, 21,571 patients died of all-causes (3.5%), 12,270 patients died of cardiovascular causes (2.0%) and 3,846 patients died of AMI/stroke (0.6%). Vaccination was associated with older age, Diabetes Mellitus, atrial fibrillation, lower educational level, lower income and higher medication use. In unadjusted analysis considering all seasons, vaccination was significantly associated with increased risk of all-cause death, cardiovascular death and death from AMI/stroke. However, following adjustment for season, age, sex, comorbidities, medications, income, education, and more, vaccination was significantly associated with reduced risks of all-cause death, cardiovascular death and death from AMI/stroke..."
bedeutet nach Analyse der Rohdaten, dass die Influenza-Impfungen mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit verbunden waren.

Der Grund dafür ist naheliegend: Patientinnen und Patienten mit Prämorbiditat und altersbedingt höherem Krankheitsrisiko lassen sich häufiger gegen Influenza impfen als ihre gesündere Vergleichs-Kohorte (Impfquote 26 bis 36%).

Deshalb mussten die Rohdaten adjustiert werden. Und erst dann kam eine protektive Wirkung der Influenza-Impfung heraus; mit den von mir beschriebenen Einschränkungen und Warnungen vor vorschnellen oder möglicherweise falschen Schlussfolgerungen.

Was Ihre letzten Fragen angeht, "bwpsychiater", sehe ich neben dem Unvermögen, den o.g. wissenschaftlichen Text vollständig zu rezipieren, auch eine gewisse illusionäre Verkennung: Wer, wenn nicht wir haus- und familienärztlich niedergelassenen Vertrags-Ärztinnen und -Ärzte, sollten derartige Studiendaten beurteilen können? Denn wir sind es schließlich, welche die Impfprävention aktiv betreiben und forcieren sollen und müssen.

Die mir unterstellte Impfgegnerschaft ist reine Konfabulation: Bei der Influenza sind es allein 200 bis 250 Impfungen pro Saison in unserer Hausarztpraxis.

Wie viele Impfungen haben Sie denn selbst bei ihren Patienten durchgeführt?

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund (z.Zt. Ramatuelle/F)
Avatar #669491
bwpsychiater
am Freitag, 6. September 2019, 13:16

Epidemiologische Krankenakten-Studie!

Achja… ein Hausarzt
Die Impfungsgruppe war sogar kränker:
Vaccination was associated with older age, Diabetes Mellitus, atrial fibrillation, lower educational level, lower income and higher medication use.

Spannend, daß ein Hausarzt sich anmaßt so über eine Studie zu urteilen. Sie empfehlen also keine Grippe-Impfung?
Avatar #669491
bwpsychiater
am Freitag, 6. September 2019, 13:12

Am Ende

kommt das wirklich Interessante: Was kann eine Grippe verhindern? Genau Vitamin-D....Innate Choice, A Division Of The Wellness Practice Global Self Health Corp.
Potz-Blitz
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 5. September 2019, 13:54

Grippeimpfung sinnvoll

Sorry, Maus ausgerutscht, hier kommt der entsprechende Link (sehr ausführliche Diskussion der entsprechenden ausführlichen Studien incl. Kritik):
https://childrenshealthdefense.org/wp-content/uploads/Exposing-the-Fraudulent-Data-Behind-the-Flu-Vaccination-Policy.pdf
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 5. September 2019, 13:52

Grippeimpfung sinnvoll?

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 4. September 2019, 22:19

Epidemiologische Krankenakten-Studie!

Epidemiologisch landesweite Krankenakten-Kohorten-Studien, wie mit "The flu vaccine and mortality in hypertension. A Danish nationwide cohort study" von Daniel Modin et al. publiziert, https://esc365.escardio.org/Congress/ESC-CONGRESS-2019/Young-Investigator-Award-Session-Population-sciences/195110-the-flu-vaccine-and-mortality-in-hypertension-a-danish-nationwide-cohort-study#abstract
können nur Trends erahnen und Hinweise geben.

Wenn es um Hypertonie-Patientinnen und -Patienten geht, die nach der Influenza-Impfung eine geringere allgemeine und spezifisch kardiovaskuläre Mortalität aufweisen, könnte das auch an besserer Achtsamkeit, Vigilanz und Präventiv-Bewusstheit gegenüber infektiologisch-kardivaskulären Risikofaktoren oder am zusätzlichen Schutz vor Entzündungs-Faktoren bzw. -Mediatoren liegen.

Eine schlichte bevölkerungs-epidemiologische Studie kann das nicht mal im Ansatz klären.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund ( z.Zt. Ramatuelle/F)
LNS