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Medizin

Dengue-Impfstoff bei Kindern und Jugendlichen (vorerst) sicher und effektiv

Freitag, 8. November 2019

/dpa

Singapur – Ein neuer Impfstoff gegen das Dengue-Virus, das sich in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch ausgebreitet hat und mittlerweile für jährlich 390 Millionen Erkrankungen verantwortlich sein soll, hat in einer randomisierten Studie die Zahl der Infektionen um 80 % vermindert, wie die im New England Journal of Medicine (2019; doi: 10.1056/NEJMoa1903869) vorgestellten Ergebnisse zeigen. Jetzt muss die langfristige Sicherheit geklärt werden.

Das Dengue-Virus tritt in 4 Serotypen (DENV-1 bis -4) auf, die keine Kreuzimmunität erzeugen. Menschen, die mit DENV-1 infiziert waren, können später noch an einer Infek­tion mit DENV-2, -3 oder -4 erkranken. Während die Erstinfektion oft nur zu einer leichten grippeartigen Erkrankung führt, kann es bei der Zweitinfektion mit einem anderen Sero­typen zu einem lebensgefährlichen hämorrhagischen Dengue-Fieber kommen.

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Wissenschaftler erklären dies mit infektionsverstärkenden Antikörpern („antibody depen­dent enhancement“, ADE). Nach dieser Hypothese erleichtern die Antikörper, die beispiels­weise nach einer Erstinfektion mit DENV-1 gebildet werden, bei einer späteren Infektion mit DENV-2 den Dengue-Viren den Eintritt in die Zellen.

Mit dieser Hypothese lassen sich die ungünstigen Erfahrungen erklären, die mit dem früheren Impfstoff Dengvaxia gemacht wurden. Der Impfstoff hatte einen insgesamt passablen Impfschutz von 56 bis 61 % erzielt, bei seronegativen Kindern, die vorher nicht an Dengue erkrankt waren, kam es dagegen zu 41 % häufiger zu schweren Erkrankungen.

Die ADE-Hypothese erklärt dies folgendermaßen: Die Impfung hatte bei den Impflingen die gleiche Wirkung wie eine leichte Erstinfektion. Sie führte zur Bildung von Antikör­pern, die bei einer späteren Infektion mit einem anderen Serotypen eine schwere Erkran­kung begünstigte. Die ADE-Hypothese ist nicht belegt. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse der TIDES-Studie zu dem neuen Impfstoff TAK-003 könnten sie bestätigen oder widerle­gen.

In der Studie waren mehr als 20.000 Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren an 26 Standor­ten in Asien und Lateinamerika im Verhältnis 2 zu 1 mit TAK-003 oder mit Placebo ge­impft worden. Jedes Kind erhielt 2 Impfdosen im Abstand von 3 Monaten.

Im ersten Jahr nach der Infektion sind von 13.380 geimpften Kindern 78 an Dengue er­krankt (0,5 pro 100 Personenjahre) gegenüber 199 von 6.687 Kindern (2,5 pro 100 Perso­nenjahre) in der Placebogruppe. Shibadas Biswal von Takeda Vaccines in Singapur und Mitarbeiter errechnen eine Schutzwirkung von 80,9 %, die mit einem 95-%-Konfidenz­intervall von 75,2 bis 85,3 signifikant ist. TAK-003 scheint demnach besser wirksam zu sein als Dengvaxia.

Da dem Hersteller die Erfahrungen des Konkurrenten bekannt sind, wurden in einer ex­plorativen Analyse die Ergebnisse der Kinder untersucht, die vor der Impfung noch keine Antikörper hatten. Die Schutzwirkung war hier mit 74,9 % etwas schwächer als in der Gesamtgruppe.

Schwere Erkrankungen sind laut Biswal und Mitarbeiter bisher nicht aufgetreten. Die Im­pfungen liegen allerdings erst 1 Jahr zurück. Bei Dengvaxia hatte es 3 Jahre gedau­ert, bis die Zahl der Komplikationen stark anstieg. Damals war der Impfstoff bereits auf den Philippinen im großen Maßstab eingesetzt worden. Die Impfkampagne musste abge­brochen werden. Heute wird die Impfung nur für Personen empfohlen, die bereits einmal an einer leichten Dengue-Infektion erkrankt waren.

Es ist deshalb möglich, dass der Anstieg von schweren Infektionen nach der Impfung mit TAK-003 noch bevorsteht. Die Voraussetzungen dafür sind durchaus gegeben. Denn die Schutzwirkung von TAK-003 variierte zwischen den 4 Serotypen. Gegen DENV-2 betrug die Schutzwirkung fast 98 %, gegen DENV-1 noch 74 %, gegen DENV-3 und -4 dagegen nur 63 %. Einige Kinder bleiben deshalb empfänglich für eine spätere Infektion mit DENV-2 -3 oder -4. Ob dies dann zu einer schwereren Erkrankung führt, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Die Studie soll deshalb noch weitere 3,5 Jahre fortgesetzt werden. © rme/aerzteblatt.de

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