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Politik

Bund zurrt Verträge für Coronaimpfstoff aus Deutschland fest

Dienstag, 15. September 2020

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn, (M), Wissenschafts- und Bildungsministerin Anja Karliczek (r, beide CDU) und Klaus Cichutek, (l), Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, bei einer Pressekonferenz über ein deutsches Programm zur Unterstützung der Entwicklung eines COVID-19-Impfstoffs. /picture alliance, AP POOL, Markus Schreiber

Berlin – Die 750 Millionen Euro, die der Bund zur Förderung der Coronaimpfstoff­forschung bereitstellt, gehen an das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac, die Mainzer Firma BioNTech und voraussichtlich die Firma IDT Biologika aus Dessau-Roßlau.

Mit Ersteren seien die Verhandlungen über die Förderung nun abgeschlossen, sagte Bun­des­for­schungs­minis­terin Anja Karliczek (CDU) heute in Berlin. Mit der Firma IDT Biologika liefen die Fördergespräche noch, allerdings gehe es hier nur noch um technische Fragen.

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Karliczek informierte heute in Berlin zusammen mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) über den Fortschritt der Impfstoffentwicklung in Deutschland. An der Pressekonferenz nahm auch der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek, teil.

Das Bun­des­for­schungs­minis­terium (BMBF) hatte das Sonderförderungsprogramm über 750 Millionen Euro aufgelegt, um die Impfstoffentwicklung zu beschleunigen und den Ausbau an Produktionskapazitäten zu ermöglichen. Im Gegenzug für die Förderung garantieren die Unternehmen einen Anteil an Impfstoffdosen für Deutschland. Im Fall von CureVac sind dies zum Beispiel 40 Millionen Dosen.

Bei den Impfstoffkandidaten der beiden Biotech-Unternehmen CureVac und BioNTech handelt es sich um Konstrukte auf mRNS-Basis. Während CureVac 252 Millionen Euro aus dem Fördertopf des Bundes erhalten wird, sind es bei BioNTech 375 Millionen Euro. Der Dessauer Mittelständler IDT wird einen vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) entwickelten Vektorimpfstoff produzieren.

Karliczek geht davon aus, dass es erst im kommenden Jahr einen Coronaimpfstoff für große Teile der Bevölkerung geben wird. Absolute Priorität habe die Sicherheit. Ein Impfstoff könne nur zur Anwendung kommen, wenn der Nutzen höher sei als die Risiken, sagte sie.

„Wir nehmen keine riskanten Abkürzungen“

Die Förderung durch die Bundesregierung diene nicht nur der Beschleunigung der Impfstoffentwicklung, sondern soll auch die Durchführung klinischer Studien bis zum Abschluss der Phase III ermöglichen. „Wir nehmen keine riskanten Abkürzungen. Von dieser Linie werden wir in Deutschland und Europa nicht abweichen, betonte die Ministerin.

Mit Hinweis auf Russland betonte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn, dass abgeschlos­sene Phase-III-Studien – und das sei auch Konsens in der europäischen Union – Voraussetzung für die Zulassung eines Coronaimpfstoffes seien.

„Dieser Impfstoff wird voraussichtlich so häufig verimpft werden wie noch nie ein Impfstoff zuvor“, begründete er. „Wir wollen einen sicheren Impfstoff, und nicht die Ersten sein.“

Auch PEI-Präsident Cichutek versicherte, dass die Beschleunigung der Impfstoffentwick­lung nicht mit einem Verlust an Sorgfalt einhergehen werde, und das gelte nicht nur für die Entwicklung, sondern auch für den Zulassungsprozess.

Keine Coronaimpfpflicht geplant

Spahn betonte, dass keine Impfpflicht gegen das Coronavirus eingeführt werden soll. „Es wird eine freiwillige Impfung sein“, sagte Spahn. Um eine Herdenimmunität zu erreichen, müssten sich in Deutschland 55 bis 65 Prozent der Bürger impfen lassen. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das Ziel einer ausreichend hohen Impfquote freiwillig erreichen.“

Nach der Zulassung eines Impfstoffs sei es das Ziel, ihn „innerhalb weniger Tage oder maximal sehr weniger Wochen“ verfügbar zu machen“, sagte Spahn. Wie genau das Impfprogramm gegen Corona dann aussehen wird, steht noch nicht fest, aber „damit beschäftigen wir uns gerade sehr“, versicherte der Minister.

Geklärt werden müssten unter anderem die Frage nach dem Impfort – beim Arzt oder in Impfzentren –, wer die Kosten übernimmt – der Staat oder die Krankenklassen – und wer zuerst geimpft werde.

Dass am Anfang eine Priorisierung nötig sein wird, ist für den Ge­sund­heits­mi­nis­ter bereits heute klar. Es sei davon auszugehen, dass zuerst Risikogruppen und bestimmte Berufs­gruppen wie Ärzte und Pflegepersonal geimpft würden. PEI-Präsident Cichutek kündigte eine aktive Pharmakovigilanz nach der Zulassung an.

Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Bärbel Bas, begrüßte den Beitrag des Bundes zur Impfstoffentwicklung und zum Aufbau von ausreichenden Produktionskapazitäten.

Wichtig sei, dass ein kommender SARS-CoV-2-Impfstoff breit getestet wurde und sicher ist. „Die Sicherheit steht an erster Stelle. Das steht außer Frage.“ © dpa/nec/aerzteblatt.de

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Avatar #593520
Eidetik1
am Dienstag, 15. September 2020, 22:49

Entsorgung

Hoffentlich sind die Entsorgungskosten schon einkalkuliert, wenn es ausgeht wie mit dem Impfstoff gegen die Schweinegrippe.
LNS

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