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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Antibiotikaresistenzen: Je ausgeprägter die Resistenz, desto höher die Übertragungsrate im Klinikum

Dtsch Arztebl 2019; 116(40): A-1785 / B-1476 / C-1448

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance/Cultura RF
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Weltweit und auch in Deutschland werden Carbapenem-resistente Enterobacteriaceae zum Problem, vor allem Infektionen mit Klebsiella pneumoniae. Die Zahl der Infektionen mit Carbapenem-resistenten Stämmen und der Todesfälle durch diese Erreger hat sich in Europa zwischen 2007 und 2015 versechsfacht (1). Wie sich die resistenten Bakterien in Europa verbreiten, beschreibt ein internationales Forscherteam um Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg (2).

An 244 Kliniken in 32 meist europäischen Ländern wurden Patienten mit K. pneumoniae-Infektion untersucht. In einer repräsentativen Stichprobe sequenzierten die Forscher das gesamte Genom von fast 2 000 K. pneumoniae-Isolaten. Die häufigste Ursache für die Carbapenem-Resistenz war die Produktion von Carbapenem-hydrolysierenden Enzymen. 69,9 % der Carbapenemase-produzierenden Klebsiellen gehörten zu 4 klonalen Linien.

Die genetischen Unterschiede zwischen extrem resistenten Isolaten nahmen zu, je größer die Entfernung zwischen den Kliniken war, von denen die resistenten Isolate kamen. Die meisten genetisch sehr ähnlichen Isolate stammten von Patienten, die im Beobachtungszeitraum von 6 Monaten im selben Krankenhaus behandelt wurden. „Extrem resistente Bakterien breiten sich vor allem innerhalb einzelner Krankenhäuser aus sowie bei der Verlegung von Patienten in nahe Kliniken“, so Prof. Dr. med. Hajo Grundmann, Leiter des Instituts für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene der Universitätsklinik Freiburg, Seniorautor der Studie. Die Fähigkeit der Erreger, sich in der Klinikumgebung anzusiedeln, steige mit dem Resistenzgrad. Über Länder geschehe dies sporadisch, dennoch habe es nach einzelnen internationalen Übertragungen landesweite Ausbrüche gegeben.

Fazit: „Es ist extrem wichtig, Patienten bei der Aufnahme nach früheren Klinikaufenthalten im In- und Ausland zu fragen“, betont Grundmann. Die Frage sei unabdingbarer Teil der klinisch guten Praxis, um Risikopatienten nötigenfalls zu isolieren und der Verbreitung der hoch resistenten Keime vorzubeugen.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Cassini A, et al.: Attributable deaths and disability-adjusted life-years caused by infections with antibiotic-resistant bacteria in the EU and the European Economic Area in 2015: a population-level modelling analysis. Lancet Infect Dis 2019; 19: 56–66.
  2. David S, et al.: Epidemic of carbapenem-resistant Klebsiella pneumoniae in Europe is driven by nosocomial spread. Nature Microbiology 2019; http://daebl.de/CB89.

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