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Medizin

USA: Tetanusbehandlung bei nicht geimpftem Kind kostete 800.000 US-Dollar

Dienstag, 12. März 2019

Tetanus-Erreger Clostridium tetani /dpa

Portland/Oregon – Dank der Impfung ist der Wundstarrkrampf sehr selten geworden. Über den Fall einer klassischen Tetanuserkrankung bei einem 6-jährigen Kind berichten US-Pädiater jetzt im Morbidity and Mortality Weekly Report (MMWR 2019: 68: 231-232). Eine 57-tägige stationäre Akutversorgung ihres Kindes und eine saftige Rechnung überzeugten die Eltern nicht von der Notwendigkeit einer Nachimpfung.

Die Erkrankung ereignete sich bereits im Jahr 2017 auf einer Farm im US-Staat Oregon. Ein 6-jähriger Junge hatte sich beim Spielen im Freien eine Stirnwunde zugezogen, die zu Hause gereinigt und genäht wurde. Eine Tetanusimpfung erfolgte nicht.

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6 Tage später begann das Kind zu weinen. Seine Kiefermuskeln waren angespannt und die Muskulatur der oberen Extremität verkrampft. Es kam zu dem für den Tetanus typischen Opisthotonus, bei dem Rücken und Extremitäten extrem überstreckt sind und der Körper zwischen Kopf und Füßen eine „Brücke“ bildet.

Die Eltern alarmierten den Rettungsdienst erst, als es infolge der extremen Muskel­spannung zur Atemnot gekommen war. Das Kind wurde mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik transportiert. Dort wurde die Diagnose Tetanus gestellt.

Bei der Ankunft hatte der Junge eine komplette Kiefersperre (Trismus): Er war wach und bat um Wasser, konnte jedoch den Mund nicht öffnen, berichten Judith Guzman-Cottrill von der Oregon Health & Science University in Portland und Mitarbeiter. Die Atemnot, verursacht durch einen Spasmus von Zwerchfell und Kehlkopf, machten eine Sedierung, eine endotracheale Intubation und eine mechanische Beatmung erforderlich.

Der Patient erhielt 3.000 Einheiten Tetanus-Immunglobulin sowie den DTaP-Impfstoff. Er wurde auf die pädiatrische Intensivstation verlegt, wo er in einem abgedunkelten Raum betreut und durch Ohrstöpsel vor Sinnesreizen abgeschirmt wurde. Jegliche Stimulation könne bei einem Tetanus die Krämpfe verstärken, schreibt Guzman-Cottrill. Der Patient wurde intravenös mit Metronidazol behandelt. Die Kopfhautverletzung wurde gespült und abgestorbenes Gewebe entfernt (Débridement).

Dennoch verschlechterte sich der Opisthotonus. Es kam zu einer autonomen Instabilität mit Bluthochdruck, Tachykardie und schwankenden Körpertemperaturen (36,1 bis 40,5 °C). Hypertonie, Schmerzen und Muskelkrämpfe wurden durch intravenöse Medikamente behandelt.

Am fünften Tag des Kranken­haus­auf­enthaltes wurde eine Tracheotomie durchgeführt, um die mechanische Beatmung zu erleichtern. Die Beatmung wurde bis zum 35. Tag fortgesetzt. Dann wurde die neuromuskuläre Blockade über 5 Tage langsam reduziert. Am Tag 44 konnte die mechanische Beatmung beendet werden. Der Junge nahm erstmals wieder Flüssigkeit über den Mund zu sich. Am Tag 47 konnte er von der Intensivstation auf eine Zwischenstation entlassen werden. 3 Tage später machte er mit Unterstützung die ersten eigenen Schritte. Am 54. Tag wurde seine Tracheotomie geschlossen und 3 Tage später wurde er für 17 Tage in ein Rehabilitationszentrum verlegt.

Für die 57-tägige stationäre Akutversorgung, davon 47 Tage auf der Intensivstation, stellte die Klinik 811.929 US-Dollar in Rechnung. Hinzu kommen noch Kosten für den Lufttransport, die stationäre Rehabilitation und die ambulanten Anschlussbetreuung.

Guzman-Cottrill lässt offen, ob die Eltern die Kosten selbst tragen müssen oder ob sie ausreichend versichert waren, was in den USA nicht unbedingt der Fall ist. Das Kind hat sich inzwischen vollkommen von dem Tetanus erholt. Einen Monat nach der stationären Rehabilitation konnte der Junge seine normalen Aktivitäten wieder aufnehmen, einschließlich Laufen und Radfahren. Trotz einer umfassenden Aufklärung über die Risiken und Vorteile einer Tetanusimpfung durch Ärzte lehnte die Familie die zweite DTaP-Dosis und andere empfohlene Impfungen ab. Diese Impfung wäre notwendig gewesen, da eine Erkrankung zu keiner dauerhaften Immunität führt.

Tetanuserkrankungen sind dank der Impfung selten geworden. In Deutschland kommt es pro Jahr zu etwa 15 Erkrankungsfällen, die überwiegend bei älteren Erwachsenen auftreten.

© rme/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 19. März 2019, 15:35

VOM NUTZEN DER BERÜHMTEN TETANUS-IMPFUNG

Sehr fundiert u. blendend recherchiert:
https://ehgartner.blogspot.com/2018/10/mythos-tetanus-vom-nutzen-der.html
LNS