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Medizin

WHO beklagt fehlenden Rückgang von sexuell übertragbaren Erkrankungen

Freitag, 7. Juni 2019

Trichomonas vaginalis /dpa

Genf – Jeden Tag infizieren sich mehr als eine Million Menschen bei sexuellen Aktivitäten mit Trichomonas vaginalis, C. trachomatis, N. gonorrhoeae oder T. pallidum. Die 4 Erreger sind laut einer Publikation im Bulletin of the World Health Organization pro Jahr für mehr als 376 Millionen Neuerkrankungen an Trichomoniasis, Chlamydiose, Gonorrhö und Syphilis verantwortlich, den 4 häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen (STI).

Die häufigste der 4 Erkrankungen ist die Trichomoniasis. Die WHO schätzt die Gesamtzahl der jährlichen Neuerkrankungen auf 156 Millionen. Fast ebenso verbreitet ist die Chlamydiose mit 127 Millionen jährlichen Neuerkrankungen. Beide Erkrankungen verlaufen nur bei Frauen symptomatisch. Sie werden meist von Männern übertragen, denen ihre Infektion wegen fehlender Symptome in der Regel nicht bewusst ist. Die „klassischen Geschlechtskrankheiten“ Gonorrhö mit 87 Millionen und die Syphilis mit 6,3 Millionen sind deutlich seltener.

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Mit einer Trichomoniasis leben nach der WHO-Schätzung weltweit 5,3 % der Frauen und 0,6 % der Männer. Von einer Chlamydiose sind 3,8 % der Frauen und 2,7 % der Männer betroffen. Bei Gonorrhö und Syphilis sind es weniger als 1 %. In Afrika haben 11,7 % der Frauen eine Trichomoniasis. In der WHO-Region Europa – die auch die ehemaligen Republiken der UdSSR in Zentralasien umfasst – ist die Chlamydiose am weitesten verbreitet: bei 3,2 % der Frauen und 2,2 % der Männer.

Alle 4 STI sind heilbar. Die Behandlung wird allerdings durch Engpässe bei der Versorgung mit Benzathin-Penicillin erschwert, dem Standardmedikament zur Behandlung der Syphilis. Bei N. gonorrhoeae ist es in den letzten Jahren zu einer Zunahme von Resistenzen gekommen, die heute eine Kombinationsbehandlung mit 2 Antibiotika erforderlich machen.

Wenn die STI nicht behandelt werden, können sie schwerwiegende und chronische Folgen haben, zu denen neurologische und kardiovaskuläre Erkrankungen, Unfrucht­barkeit, Eileiterschwangerschaft, Totgeburten und ein erhöhtes HIV-Risiko gehören. Die Syphilis allein ist nach Schätzungen der WHO für jährlich 200.000 Totgeburten und Todesfälle von Neugeborenen verantwortlich. Sie ist hier weltweit die häufigste Todesursache.

Alle 4 Infektionen sind durch sichere sexuelle Praktiken, sprich der konsequenten Verwendung von Kondomen, vermeidbar. Die Syphilis kann auch in der Schwanger­schaft von der Mutter auf das Kind und beim intravenösen Drogenkonsum übertragen werden.

Dass die Zahl der STI seit der letzten Untersuchung der WHO aus dem Jahr 2012 nicht gesunken ist – es gab vielmehr einen Anstieg um 5 % – zeigt nach Ansicht der WHO, dass die Mitgliedsländer zu wenig unternehmen. Um die Zahl der Neuerkrankungen zu senken, muss aus Sicht der WHO das Screening forciert und alle Infizierten behandelt werden. Menschen, die sexuell aktiv sind, sollten ermutigt werden, sich auf STI untersuchen zu lassen. Die WHO empfiehlt außerdem, schwangere Frauen syste­matisch auf Syphilis zu untersuchen.

Die Publikation im WHO-Bulletin bildet die Grundlage für eine von der WHO 2016 vorgestellten Globalen Strategie zur Eindämmung sexuell übertragbarer Erkrankungen. Das ambitionierte Ziel der WHO ist, die Zahl der STI bis 2030 so weit zu senken, dass sie keine Bedrohung der öffentlichen Gesundheit („public health concern“) mehr darstellen. © rme/aerzteblatt.de

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