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Medizin

Neuer Scharlacherreger in England und Wales entdeckt

Mittwoch, 11. September 2019

/gaetan, adobe.stock.com

London – Britische Forscher haben einen neuen Stamm von Streptococcus pyogenes ent­deckt, der deutlich mehr Exotoxin A produziert und vermutlich für den Anstieg von inva­si­ven Scharlacherkrankungen mitverantwortlich ist, zu dem es seit 2016 in England und Wales gekommen ist. Außerhalb des Landes ist M1UK, so die Bezeichnung des neuen Stamms, laut dem Bericht in Lancet Infectious Diseases (2019; doi: 10.1016/S1473-3099(19)30446-3) bisher kaum aufgetreten. Die Streptokokken sprechen weiterhin gut auf Antibiotika an.

Der Scharlach, an dem bis Anfang des 20. Jahrhunderts auch in westlichen Ländern viele Kinder starben, ist bereits vor der Entdeckung der Antibiotika deutlich seltener geworden (außer in ärmeren Ländern, wo jährlich schätzungsweise eine halbe Million Kinder daran sterben). Die Gründe für den Rückgang in den Ländern mit höherem Einkommen sind nicht bekannt. Forscher vermuten aber, dass weniger pathogene beta-hämolysierende Gruppe A-Streptokokken die früheren Stämme verdrängt haben.

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Derzeit verlaufen die Erkrankungen relativ milde. Meist kommt es nur zu einer Pharyngi­tis, die unter einer Antibiotikabehandlung schnell abheilt. In England und Wales ist es seit 2014 zu einem Anstieg von Scharlacherkrankungen gekommen, die in den ersten Jahren meist milde verliefen. Seit 2016 nehmen invasive Erkrankungen zu. Dies hat ein Team um Shiranee Sriskandan vom Imperial College London bewogen, die Erreger gene­tisch genauer zu untersuchen.

Zunächst fiel auf, dass der Anteil der emm1-Stämme von S. pyogenes, die in Rachen­ab­strichen gefunden wurden, von 5 % im Jahr 2014 auf 33 % in 2016 angestiegen ist. Bei den invasiven Erkrankungen nahm der Anteil von 31 % im Jahr 2015 auf 42 % im Jahr 2016 zu. Zuvor wurden die meisten Infektionen durch die Stämme emm3 und emm4 aus­gelöst. Die Klassifizierung der Bakterien erfolgt nach dem Gen emm, das den Bauplan für das M-Protein auf der Zellwand der A-Streptokokken enthält.

Die genaue Genom-Analyse ergab, dass sich der Stamm emm1 genetisch verändert hat. An 27 Stellen des Erbguts sind Punktmutationen (Einzelnukleotid-Polymorphismen, SNP) aufgetreten. Sie befinden sich laut Sriskandan in regulatorischen und metabolischen Ge­nen. 3 SNP wurden in dem Gen rofA entdeckt, das normalerweise die Produktion vom SpeA („streptococcal pyrogenic exotoxin A“) bremst.

SpeA ist das Toxin, das für den Hautausschlag verantwortlich ist. Die Mutationen in rofA dürften nach Einschätzung von Sriskandan verantwortlich sein für den Anstieg der SpeA-Produktion. Der neue Stamm, den die Forscher als M1UK bezeichnen, produziert 9-mal mehr SpeA als andere emm1-Stämme (190 ng/ml gegenüber 21 ng/ml).

In England und Wales könnte M1UK für den Anstieg der Scharlach-Erkrankungen (mit Aus­schlag) und für den Anstieg der invasiven Erkrankungen (etwa mit Sepsis) verantwort­lich sein. Der Anteil von M1UK an allen emm1-Isolaten lag zuletzt bei 84 %. Außerhalb der Insel scheint M1UK selten zu sein. Bei einer Analyse von 2.800 Genomen wurden nur in den USA und in Dänemark vereinzelte Fälle beobachtet.

Sriskandan weist darauf hin, dass der Stamm M1UK wie die übrigen Stämme von S. pyo­genes weiterhin gut auf Antibiotika anspricht. Auch bei invasiven Erkrankungen sind die Heilungschancen gut. Resistenzen würden bisher kaum beobachtet. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #104741
urgestein
am Freitag, 13. September 2019, 13:08

Hyperaktives Sprachdefizitsyndrom

"Neuer Scharlacherreger" - also wirklich, feilt mal an Eurer Sprachpräzision, wenn ein seit +ber 100 Jahren bekannter Erreger mit veränderter Virulenz auftritt. Oder wird das bald in deutsche Ärzte-"BILD" umgetauft?
LNS