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Medizin

Resistente Erreger können durch Waschmaschine verbreitet werden

Montag, 30. September 2019

Hand mit rosa Gummihandschuh stellt die Waschmaschine auf 95 Grad Celsius/picture alliance
/picture alliance

Bonn – Antibiotikaresistente Erreger können über Waschmaschinen verbreitet werden. Das zeigen die Analysen von Hygienikern der Universität Bonn, die im Applied and Environmental Microbiology publiziert wurden (2019; doi: 10.1128/AEM.01435-19).

Anlass der Untersuchung waren Übertragungen des Bakteriums vom Typ Klebsiella oxytoca auf 13 Neugeborene und ein Kind in einer Kinderklinik in Deutschland im Zeitraum von April 2012 bis Mai 2013. Sie wurden bei routinemäßigen Hygienescreenings festgestellt. Quelle war eine handelsübliche Waschmaschine, in der Kleidungsstücke der Neugeborenen gewaschen wurden.

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Das Bakterium kann zu Magen-Darm- und Atemwegsinfektionen sowie im schlimmsten Fall zur tödlichen Sepsis führen. Zu einer gefährlichen Infektion kam es laut der Forscher aber nicht.

In diesem besonderen Fall konnten gängige Antibiotika gegen diesen Erreger nur einge­schränkt oder überhaupt nicht mehr eingesetzt werden. Nachdem der Keim wiederholt auf Neugeborene übertragen worden war und Hygieneinterventionen erfolglos blieben, zog das Krankenhaus das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit (IHPH) des Universitätsklinikums Bonn hinzu.

„Dieser Klebsiella-oxytoca-Typ war so einzigartig, dass er bisher in dieser Form noch nicht in der Datenbank des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) für Gramnegative Krankenhauserreger erfasst war“, erläuterte die Leiterin des One Health-Fachbereichs am IHPH, Ricarda Schmithausen. Diese Besonderheit war den Angaben zufolge ein Vorteil, weil sich dadurch der Verbreitungsweg eindeutig nachvollziehen ließ. Weder Eltern noch das Pflegepersonal hatten die Bakterien übertragen.

„Der Klebsiella-oxytoca-Typ war eindeutig im Spülfach und am Türgummi einer Waschmaschine im Keller nachzuweisen, mit der die handgestrickten Söckchen und Mützchen der Babys auf der Station gewaschen wurden“, berichtete der Direktor des IHPH der Universitätskliniken Bonn, Martin Exner. Über die Kleidung wurden die Keime auf die Neugeborenen übertragen.

Wir haben jedoch erstmals nachgewiesen, dass es durch eine Waschmaschine auch zur Übertragung von antibiotikaresistenten Keimen auf den Menschen kommen kann. Martin Exner, Direktor des IHPH der Universitätskliniken Bonn

Normalerweise sind in Krankenhäusern spezielle Waschmaschinen und Waschverfahren im Einsatz, die bei hohen Temperaturen und mit Desinfektionsmitteln waschen – oder ausgewiesene Wäschereien bereiten die Wäsche extern auf. Auf der Frühgeborenenstation handelte es sich bei dem länger zurückliegenden Fall dagegen um eine handelsübliche Waschmaschine, wie die Bonner Universität weiter berichtete.

In Studien wurde bereits beschrieben, dass sich antibiotikaresistente Bakterien in Waschmaschinen einnisten können. „Wir haben jedoch erstmals nachgewiesen, dass es durch eine Waschmaschine auch zur Übertragung von antibiotikaresistenten Keimen auf den Menschen kommen kann“, berichtete Exner.

Übertragung auch in Haushalten mit zu pflegenden Menschen denkbar

Dieses Resultat habe Konsequenzen. Denn aus Umweltschutzgründen gehe bei üblichen Haushaltsmaschinen der Trend zu niedrigeren Temperaturen deutlich unter 60 Grad Celsius. Dies sei im Prinzip eine sehr positive Entwicklung, weil dadurch Energie eingespart und das Klima geschont werde, erklärten die Forscher.

Sofern jedoch pflegebedürftige, ältere Menschen mit offenen Wunden oder Blasenkathetern oder auch jüngere Menschen mit eiternden Verletzungen oder Infektionen im Haushalt lebten, sollte die Wäsche bei höheren Temperaturen – zum Beispiel 60 Grad – gewaschen werden, um die Übertragung von gefährlichen Keimen zu vermeiden.

In einer weiteren Studie soll nun der Verbreitungsweg in Haushalten mit zu pflegenden Menschen genauer untersucht werden. © afp/gie/aerzteblatt.de

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Avatar #760232
penangexpag
am Dienstag, 1. Oktober 2019, 11:42

Waschmaschinen - Temperatur

sollte das Ergebnis der Studie belastbar sein - wovon ich ausgehe - dann sind die Empfehlungen, die in Medien verbreitet werden, ein Skandal. Dort wird wiederholt empfohlen, die Waschtemperatur auf 40°C , ja sogar 30°C zu senken, weil "die Waschmittelhersteller den Waschmitteln Agenzien zusetzen, die aus hygienischer Sicht diese Temperaturen ausreichen lassen". Sie wahrheit ist natürlich, daß die Zusammensetzung der Textilien gar keine keimtötenden Temperaturen erlauben. Es ist zu hinterfragen, ob die Zunahme der Geschlechtskrankheiten nicht auch darin begründet sein könnte.
Aufklärung tut not.
Avatar #687412
MeHans
am Dienstag, 1. Oktober 2019, 11:42

Waschtemperatur von Waschmaschinen

Genau, Stiftung Warentest hat ermittelt, dass eine Waschmaschine (Fabriken weiß ich nicht mehr, ist aber in entsprechender Publikation nachzulesen) statt der eingestellten 60°C nur 44°C erreicht hatte. Kommentar dazu: " Auch damit wird die Wäsche sauber." Sauber, ja, aber man wäscht doch nicht bei 60°C, wenn es nur um sauber geht! Wenn, dann soll es doch wohl auch möglichst keimfrei werden. Von daher verstehe ich nicht, dass die Tester das nicht abgewertet haben. Man kann den Leuten doch wohl heutzutage zutrauen, dass sie wissen, warum sie etwas machen. Und dann sollte man es nicht derart unterlaufen. Oder muss ich demnächst bei 75°C waschen, damit es garantiert 60°C sind?!? *kopfschüttel*
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 30. September 2019, 22:59

Nachtrag

In kritischen Bereichen wie einer Neonatologie sollte es regelmäßige Begehungen durch die Hygieneschwestern geben. Eine herrenlose Haushaltswaschmaschine (außerhalb des Prüfplans) würde in jedem Fall auffallen und zu einer Abweichung führen. Entweder es gibt diese Auditberichte, dann ist die Verantwortlichkeit aus dem Kontext der Berichte nachvollziehbar. Oder es gibt keine Auditberichte, dann ist es ein Organisationsversäumnis des Hygienikers.

In dem o.g. konkreten Fall wäre es interessant zu wissen, wie lange diese Haushaltswaschmaschine vorher in Betrieb war und ob vorher bereits jemand daran Anstoß genommen hat.
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Montag, 30. September 2019, 22:27

Was sagt der Krankenhaushygieniker?

Die Reinigungs- und Desinfektionsgeräte (RDG) gehören zum Verantwortungsbereich des Krankenhaushygienikers. Eine Neonatologie gehört zu den kritischen Bereichen im Krankenhaus. Es gibt Testverfahren, um mittels Testschmutz (versetzt mit Enterokokken) die Reinigungs- und Desinfektionswirkung zu testen. In einem Krankenhaus sollte dafür ein Prüfplan existieren.

Also welcher Idiot hat diese Haushaltswaschmaschine in einem kritischen Bereich für diesen Zweck freigegeben? Ohne eine Validierung ist dies ein grob fahrlässiges Verhalten.

Wer zu Hause Angehörige pflegt, sollte soviel gesunden Menschenverstand besitzen, um Bettwäsche und Handtücher gelegentlich mit einem Kochprogramm zu waschen. Dann geht es auch ohne zusätzliche Validierung.
Avatar #763881
Ruxandra1962
am Montag, 30. September 2019, 19:26

Hersteller tricksen bei Waschtemperatur

Wie die Stiftung Warentest schon vor Jahren festgestellt hat, werden die angegebenen Temperaturen bei weitem nicht erreicht. Aber das kümmerte keinen, wurde sogar mit Hinweis auf die Energieeinsparung für erträglich gehalten.
Avatar #735550
rp__bt
am Montag, 30. September 2019, 19:02

Wer die Wahl hat, hat die Qual...

Hygiene oder Klimaschutz?
LNS