NewsThemenInfektionen14 Menschen in den USA an Östlicher Pferde­enzephalomyelitis gestorben
Infektionen

Infektionen

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

14 Menschen in den USA an Östlicher Pferde­enzephalomyelitis gestorben

Montag, 25. November 2019

/picture-alliance, BSIP, CDC, MURPHY-WHITFIELD

Bethesda/Maryland – In den USA sind in diesem Jahr bereits 36 Menschen an der Östli­chen Pferdeenzephalomyelitis erkrankt, die bei 14 Patienten tödlich endete. Mitarbeiter der US-Gesundheitsbehörde CDC zeigen sich angesichts der Zunahme der Erkrankungs­zahlen besorgt. Im New England Journal of Medicine (2019; 381: 1989-1992) stellen sie die in Europa unbekannte Erkrankung vor.

Die „Eastern Equine Encephalitis“ oder EEE ist in Nordamerika vermutlich bereits seit Jahrhunderten verbreitet. Zwischen 1831 und 1959 wurden 12 Epidemien registriert. In den vergangenen 10 Jahren hat es mit Ausnahme von 2010 (10 Fälle) und 2012 (15 Fälle) in jedem Jahr weniger als 10 Erkrankungen gegeben: Der Anstieg auf 36 Erkrankungen in diesem Jahr ist deshalb bemerkenswert.

Anzeige

Das EEE-Virus gehört zur Gattung Alphavirus aus der Familie der Togaviridae. Es wird durch die Stechmücke Culiseta melanura übertragen. Das natürliche Reservoir sind Wald­vögel, die in Sumpfgebieten in den östlichen USA verbreitet sind. Nur gelegentlich wer­den Pferde und noch seltener Menschen infiziert. Eine Übertragung unter Pferden oder Menschen wurde bisher nicht beobachtet.

Nach dem Eintreten in den Körper infizieren die EEE-Viren die Langerhans-Zellen und die dendritischen Zellen. Diese Außenposten des Immunsystems transportieren die Viren in die Lymphknoten, wo sie sich vermehren. Es wird geschätzt, dass 96 % der Infektionen asymptomatisch bleiben.

Wenn es allerdings zu einer Erkrankung kommt, endet sie in mehr als einem Drittel der Fälle tödlich. Wie David Morens und Mitarbeiter vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda/Maryland berichten, beginnt die Erkrankung etwa 3 bis 10 Tage nach der Infektion mit Fieber, Abgeschlagenheit, starken Kopfschmerzen, Mus­kel­schmerzen, Übelkeit und Erbrechen. In diesem Stadium fallen die Antikörper-Tests noch negativ aus. Ein Nachweis der Viren im Blut oder im Liquor cerebrospinalis gelingt nur selten.

Innerhalb von 5 Tagen nach Beginn der Erkrankung kommt es zu neurologischen Symp­tomen. Sie sind zunächst unspezifisch, schreiten jedoch rasch fort. Eine spezifische Thera­pie gibt es bisher nicht. Laut Morens hat sich kein antivirales Medikament als wirksam erwiesen.

Die Behandlung mit EEE-spezifischen Antikörpern habe Tiere nur vor einer Erkrankung geschützt, wenn sie vor der Infektion erfolgte. Die Behandlung der Patienten sei rein symp­tomatisch. Die Patienten würden auf Intensivstation beatmet, bis es nach der Bil­dung von körpereigenen Antikörpern allmählich zur Erholung komme, die allerdings häu­fig unvollständig bleibe. Viele Patienten trügen bleibende Behinderungen davon.

Mehrere Impfstoffe befinden sich laut Morens in der Entwicklung. Es sei jedoch unklar, ob sie jemals beim Menschen angewendet werden. Für die Hersteller gebe es keine Anreize, einen Impfstoff für die seltene Erkrankung zu entwickeln, die nur sporadisch an nicht vorhersehbaren Orten auftrete. Es sei kaum eine Gruppe von Personen zu identifizieren, für die sich eine Impfung lohnen würde.

Ein möglicher Ansatz sei die Entwicklung von Impfstoffen, die nicht auf die Viren ziele, sondern Antikörper gegen Speichelproteine der Insekten erzeugen würde. Die dadurch ausgelöste Immunreaktion soll den Eintritt der Viren in die Abwehrzellen verhindern. Diese Impfstoffe hätten den Vorteil, dass sie gleich vor mehreren Virusinfektionen schüt­zen könnten.

Für Morens ist die steigende Zahl der EEE-Infektionen ein Symptom für die zunehmende Bedrohung durch Arboviren, die neben EEE auch für Dengue-Fieber, West-Nil-Fieber, Chi­kungunya-Fieber, Zika-Fieber und Powassan-Fieber verantwortlich sind. Das Powassan-Virus kann wie das EEE-Virus eine Enzephalitis auslösen. Es ist in den USA und in Sibirien verbreitet. Es gebe zwar derzeit keine Strategie, wie Erkrankungen durch Arboviren am besten bekämpft werden könnten, es wäre jedoch nach Ansicht von Morens unverant­wortlich, die (noch) seltenen Erkrankungen zu ignorieren und nicht zu handeln. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS