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Medizin

Gesunde Nasenflora könnte Erkältungen bei Säuglingen verkürzen

Dienstag, 4. Dezember 2018

/Kaspars Grinvalds, stock.adobe.com
/Kaspars Grinvalds, stock.adobe.com

Basel – Wie schnell sich Säuglinge von der ersten Atemwegsinfektion ihres Lebens erholen, scheint weniger vom Erreger abzuhängen als von der Zusammensetzung der Nasenflora. Nach einer prospektiven Kohortenstudie in ERJ Open Research (2018; 4: 00066-2018) erholen sich Säuglinge mit einer geringen Artenvielfalt und dem Überwiegen bestimmter Bakterien langsamer.

Säuglinge und Kleinkinder leiden häufig unter Atemwegsinfektionen. Einige erholen sich relativ schnell von den fiebrigen Infekten, während andere über Wochen darunter leiden. Epidemiologische Studien sehen einen möglichen Zusammenhang mit späteren allergischen Erkrankungen und einem Asthma bronchiale.

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Da die Erreger bei allen Kindern die gleichen sind, vermutete ein Team um Urs Frey vom Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB), dass die Nasenflora den Verlauf der Erkrankung beeinflussen könnte. Eine Kohortenstudie, die die Klinik zusammen mit der Universität Bern betreibt, bot die Möglichkeit, den Zusammenhang zu untersuchen. Die „Basel Bern Infant Lung Development Cohort“ (BILD) begleitet derzeit eine Gruppe von gesunden Säuglingen.

Die Forscher baten die Eltern, sich mit ihnen in Verbindung zu setzen, sobald ihre Babys Symptome der ersten Atemwegsinfektion entwickelten. Am 2. Tag des Infekts wurde bei den Kindern ein Nasenabstrich entnommen und die Vielfalt der darin enthaltenden Bakterien und Viren bestimmt. Dies ist heute mit der Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) möglich, die die Erreger anhand der DNA ihrer Ribosomen unterscheiden kann. 3 Wochen nach dem ersten Abstrich wurde ein 2. untersucht.

Geringe Artenvielfalt geht mit längerer Krankheit einher

Bei allen Kindern veränderte sich die Nasenflora. Wurden bei der ersten Untersuchung noch 5 unterschiedliche Mischungen (Cluster) gefunden, so waren es bei der zweiten Untersuchung nur noch 3. Die Dauer der Infektionen beeinflusste, welcher der 3 Cluster am Ende beim Kind vorlag. Die Infektionen dauerten im Durchschnitt 2 Wochen. Bei den Kindern, die sich nach 3 Wochen noch nicht erholt hatten, wurden überwiegend die Cluster B1 und B3 gefunden. Diese beiden Cluster zeichneten sich durch eine verminderte Artenvielfalt aus und es überwogen bestimmte Bakterien wie Moraxellaceae (in B1) und Streptococcaceae (in B3). Bei Kindern, die sich rasch erholt hatten, überwogen Corynebacteriaceae und Staphylococcaceae. Viren, die in der Regel die Auslöser des Atemwegsinfekts sind, hatten keinen Einfluss auf die Dauer der Erkrankung.

Auf welche Weise die Bakterien der Nasenflora die Dauer der Erkrankung beeinflussen, wissen die Forscher noch nicht. Unklar ist auch, ob eine probiotische Behandlung, die bestimmte Bakterien in die Nasenflora einbringt, den Verlauf der Erkrankung beeinflussen könnte. Eine solche Therapie müsste erst in einer klinischen Studie untersucht werden. Dabei wäre sicherlich Vorsicht angebracht, da die „falschen“ Bakterien den Säuglingen Schaden zufügen könnten. Zunächst müsste ermittelt werden, welches genau die „idealen“ Bakterien wären.

© rme/aerzteblatt.de

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