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Politik

150 Millionen Euro für Nationales Netzwerk der Universitätsmedizin im Kampf gegen COVID-19

Donnerstag, 26. März 2020

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie, Charité-Universitätsmedizin Berlin (re.), Anja Karliczek (CDU, Mitte), Bundesministerin für Bildung und Forschung, Heyo Kroemer, Vorstandsvorsitzender der Charité-Universitätsmedizin Berlin. /picture alliance, Michael Kappeler

Berlin − Die deutsche Forschung zur Bekämpfung von SARS-CoV-2 soll besser organisiert werden. Dazu stellt Bun­des­for­schungs­minis­terin Anja Karliczek (CDU) 150 Millionen Euro für ein Netzwerk der Universitätsmedizin zur Verfügung, das die deutschen Universitäts­kliniken sowie auch außeruniversitäre Forschungseinrichtungen miteinander verbinden soll. Die Initiative ging von dem Charité-Vorstandsvorsitzenden Heyo K. Kroemer und dem Direktor der Charité-Virologie, Christian Drosten, aus.

Koordinieren will die Initiative auch die Charité – Universitätsmedizin Berlin. Um vonein­ander zu lernen und die wirksamsten Konzepte zu finden, werde ferner eine Nationale Taskforce aus Politik und Wissenschaft gegründet, an der neben ihrem Haus auch das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium beteiligt sein wird, erklärte Karliczek heute in Berlin. Sie diene der Steuerung und Abstimmung zwischen der Universitätsmedizin und der Politik. Es sollen aber auch andere wissenschaftliche Netzwerke einbezogen werden.

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Deutsches Forschungssystem zu einer Fragestellung vereinen

„Die deutschen Universitätskliniken stehen bei der Entwicklung dieser Ideen und Konzep­te an herausragender Stelle“, betonte Kroemer heute in Berlin. Diese Expertise wolle man noch stärker nutzen. Es könne gelingen, das deutsche Forschungssystem hinter einer Fra­gestellung zu vereinen, zeigte sich der Charité-Chef optimistisch. Alle nationalen Kräfte müssten gebündelt werden. Unikliniken hätten den Vorteil, dass bei ihnen die Versorgung von Patienten mit der Forschung zu Tests, Behandlungsmethoden und Impfstoffen Hand in Hand ginge.

Über die Initiative sollen die Maßnahmenpläne, Diagnostik- und Behandlungsstrategien möglichst aller deutschen Universitätskliniken zusammengeführt und ausgewertet wer­den. Im Ergebnis sollen Strukturen und Prozesse in den Kliniken geschaffen werden, die eine möglichst optimale Versorgung der COVID-19-Erkrankten sicherstellen.

Perspektivisch Daten aller Universitätskliniken zu COVID-19-Patienten erfassen

Die Daten der behandelten COVID-19-Patienten sollen perspektivisch an allen Uni­versitätskliniken systematisch erfasst und in einer Datenbank gebündelt werden, um so die Kran­kengeschichten und die Daten zur Konstitution der Erkrankten zusammenzuführen.
Nach Schätzung des Virologen der Berliner Charité, Christian Drosten, werden derzeit in Deutschland pro Woche rund 500.000 Tests auf eine Coronavirus-Infektion durchgeführt.

„Diese vielen Tests sind auch der Grund, weshalb wir in Deutschland im Moment so weni­ge Todesfälle gegenüber der Zahl der Infizierten haben“, sagte Drosten heute vor der Presse. Es werde extrem viel Labordiagnostik in Deutschland gemacht. „Die Labormedizin in Deutschland hat noch eine sehr große Nähe zum Handwerk“, lobte er. Deutsche Labor­mediziner könnten die Tests nach einem „Rezept“ selbst aufbauen.

Der fachliche Austausch macht den Unterschied

Die Unikliniken hätten bereits Ende Januar Corona-Tests durchführen können – und dabei in direktem fachlichem Austausch zu Ärzten und Erkrankten gestanden, berichtete Dros­ten. „Die niedergelassenen Labore in der Umgebung profitieren unmittelbar davon, dass da ein regionaler Leuchtturm ist, der einen Schritt voraus ist. Diese regionale Nähe macht den Unterschied.“

Demnächst könne auch mit der Testung ganzer Bevölkerungsgruppen gerechnet werden, meint Drosten. Dies müsse jedoch gut geplant werden. Zudem brauche es einige Wochen diese Kohorten-Tests aufzubauen. Es seien derzeit aber Antikörpertests in der Planung. „Erste Firmen können die produzieren und bereits anbieten“, sagte der Virologe.

Dem Forschungsbündnis sollen alle deutschen Universitätsklinika angehören und nicht nur in der aktuellen Corona-Pandemie, sondern auch in zukünftigen Krisen ihre Pläne und Strategien für Forschungsansätze und Therapien teilen.

„Die Universitätsmedizin spielt derzeit eine herausragende Rolle bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Das gilt sowohl für die Erforschung von COVID-19 als auch für die Ver­sorgung der erkrankten Patienten. Es ist gut und notwendig, dass diese Rolle auch poli­tisch anerkannt und finanziell unterstützt wird“, sagte Michael Albrecht, 1. Vorsitzender des Verbands der Universitätsklinika Deutschlands (VUD).

Auch der Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT), Matthias Frosch, steht hin­ter der Initiative: „Wir sind als Universitätsmedizin in der Lage, Erkenntnisse, die wir aus der Forschung und der Behandlung von COVID-19 gewinnen, zu erheben, zu analysieren und zu teilen, damit sie schnell zu einer flächendeckend bestmöglichen Behandlung führen“, betonte er. © ER/aerzteblatt.de

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Avatar #822318
Nostradamus
am Donnerstag, 26. März 2020, 20:22

Sinnvoll aber warum muss damit 2020 erst beginnen?

Lasst mich raten, Datenschutzverordnung und ärztliche Schweigepflicht ;-)
Aber vielleicht darf man ja wenigstens die leider Verstorbenen Posthum analysieren.
Ich hoffe das Vorhaben scheitert nicht an den genannten Einschränkungen. Die Daten und Befunde eines Patienten sollten doch auch mal auf der Gesundheitskarte gespeichert werden. Ist doch vermutlich auch aus solchen Gründen gescheitert oder?
LNS
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