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Politik

Coronakrise: NRW wappnet sich für Ansturm auf Intensivplätze

Mittwoch, 18. März 2020

/pressmaster, stock.adobe.com

Düsseldorf – Angesichts der steigenden Zahl der Corona-Infizierten bereitet sich Nordrhein-Westfalen auf einen möglichen Ansturm auf Intensivbetten und Beatmungsplätze vor.

Medizinische Rehakliniken sollten rund die Hälfte ihrer Kapazitäten freiräumen, sagte NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) heute in Düsseldorf. Auch diese Kliniken sollten dann für die Versorgung von Patienten zur Verfügung stehen. Er werde auch auf private Reha-Einrichtungen zugehen.

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Bund und Länder hatten sich auf einen Notfallplan verständigt. Ziel ist eine Verdopp­elung der Intensivkapazitäten. Dafür sollen gegebenenfalls auch an Standorten wie Hotels oder umgerüsteten Hallen zusätzliche Betten- und Behandlungskapazitäten aufgebaut werden.

In ganz Deutschland gibt es 28.000 Intensivbetten, davon nach Angaben der Kranken­hausgesellschaft NRW (KGNW) 6.136 im bevölkerungsreichsten Bundesland. Von diesen hätten wiederum gut 4.320 Betten eine Beatmungsmöglichkeit. Das Problem: Diese Betten sind laut KGNW zu 70 bis 80 Prozent belegt.

Im Moment gebe es noch ausreichend Kapazitäten für schwerkranke Corona-Patienten, sagte KGNW-Präsident Jochen Brink. Da planbare Operationen verschoben werden müssten – das sei jeder zweite Eingriff – könnten kurzfristig weitere Kapazitäten frei gemacht und 1.144 weitere Beatmungsplätze geschaffen werden. Außerdem würden zusätzliche Beatmungsgeräte angeschafft.

„Für die Krankenhäuser bedeutet das eine gewaltige Herausforderung“, sagte Brink. „Aktuell sind die Krankenhausleitungen überall in NRW damit beschäftigt, ihre Betriebsabläufe umzuorganisieren.“ Patienten mit schweren Erkrankungen wie Krebs, die auf eine schon terminierte Operation warten, müssen aber keine Verschiebung befürchten.

Ge­sund­heits­mi­nis­ter Laumann sagte, er werde „alles tun, was geht, um möglichst viele Beatmungsplätze in Krankenhäusern zu organisieren“. An den finanziellen Mitteln werde das nicht scheitern. Da aber niemand wisse, wie schnell das Virus um sich greife und auch Fachärzte nicht sagen könnten, wieviel Prozent der Infizierten dann Beatmung brauchten, „ist die Zahl einfach nicht zu prognostizieren“.

Die Kommunen entwickeln jetzt nach Angaben Laumanns mit den Krankenhäusern, Gesundheitsämtern und Krisenstäben vor Ort Konzepte. Bestehende Immobilien, die „krankenhausähnliche Strukturen“ hätten, würden aufgerüstet. Ob die Intensivplätze verdoppelt werden könnten, könne er aber nicht sagen, so Laumann.

Das Universitätsklinikum Bonn etwa verfügt über 120 Intensivbetten und will diese über die Reaktivierung alter Klinikgebäude und bislang nicht genutzter Stationskapazitäten aufstocken. Die Uniklinik Essen mit derzeit knapp 200 Intensivplätzen will generell erst einmal zusätzliche Betten schaffen. Denn nicht jeder Corona-Patient brauche Intensivmedizin.

In der Uniklinik Bochum gibt es derzeit noch keine Corona-Fälle. „Aber wir gehen davon aus, dass sich dieses sehr bald ändern wird“, sagte Geschäftsführer Hans-Peter Jochum. Man arbeite mit Hochdruck daran, die Intensivplätze auszuweiten.

Ein Sprecher des Uni-Klinkums Düsseldorf sagte, dass durch die Aussetzung planbarer Operationen personelle und räumliche Kapazitäten geschaffen würden. Auch die Organisation und Belegung von Stationen sei mit Blick auf wahrscheinlich mehr Patienten umgestellt worden.

Neben dem Mangel an Beatmungsplätzen fehlt es auch an Fachpersonal. Nicht jeder könne ein Beatmungsgerät bedienen, sagte Laumann. Er appellierte an die Kliniken, etwa OP-Personal umzuschulen. „Man kann im Grunde aus jedem OP-Saal mit der dort vorhandenen Technik auch ein Beatmungszentrum machen.“

Der Vorsitzende des Pflegerats NRW, Ludger Risse, sagte: „Wir haben ja in der Intensivmedizin schon vor der jetzigen Krise immer wieder Stationen gehabt, die aus Mangel an Fachpersonal Betten sperren mussten.“ Nun müsse man schnell Lösungen entwickeln, wie sich Mitarbeiter effektiv einsetzen ließen, die bislang andere Schwerpunkte hatten.

„Beatmungssteuerung und die Überwachung kann ich vielleicht nicht schnell lernen, aber wie man einen Intensivpatienten lagert oder wäscht, dagegen schon.“

Berlin will ebenfalls die Zahl der Betten auf den Intensivstationen der Krankenhäuser deutlich erhöhen. Die Zahl von zur Zeit 1.045 Intensivbetten mit Beatmungs­möglichkeiten solle nun verdoppelt werden, sagte Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) heute bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Landesregierungen von Berlin und Brandenburg.

Das sei zur Zeit die zentrale Herausforderung für die Krankenhäuser. „Das Ziel ist sehr ehrgeizig, aber wir sind dabei schon sehr weit gekommen“, sagte Kalayci.

Sie sprach von Fortschritten bei der Koordinierung zwischen den Berliner Krankenhäu­sern. Das Charité-Universitätsklinikum Charité steuere nach einem Stufensystem die Verteilung der Patienten auf die 38 Berliner Notfallkrankenhäuser.

Die schwersten Fälle würden in der Charité behandelt. „Wir haben eine klare Arbeits­teilung zwischen den Notfallkrankenhäusern verabredet“, sagte die Senatorin. In Berlin seien bislang 383 positive Coronavirus-Fälle gemeldet, 21 davon würden stationär behandelt. © dpa/aerzteblatt.de

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