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Politik

Coronakrise: „Da kommt eine Riesenwelle auf die Krankenhäuser zu“

Freitag, 20. März 2020

/dpa

Essen/Berlin – Der Leiter des Kompetenzbereichs „Gesundheit“ im RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung – erwartet für den April einen starken Anstieg der COVID-19-Patientenzahlen in den deutschen Krankenhäusern.

„Wir haben jetzt noch eine geringe Auslastung in den Kliniken. Das wird im März auch so bleiben“, sagte Augurzky gestern auf dem Virtuellen DRG-Forum. „Ab April wird aber eine Riesenwelle an COVID-19-Patienten auf die Krankenhäuser zukommen. Bis dahin müssen wir alle Reserven aktivieren.“

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Aus Augurzkys Sicht ist das deutsche Gesundheitssystem besser auf die Coronapandemie vorbereitet als die Systeme anderer Länder. „Aber richtig vorbereitet ist auf eine solche Pandemie niemand“, sagte er. Das sei auch gar nicht möglich. Denn medizinische Schutzausrüstung in der Größenordnung vorzuhalten, die jetzt benötigt wird, sei in einem Normalbetrieb nicht sinnvoll.

Anästhesisten werden für die Intensivpflege geschult

„Im Moment sind die Patientenzahlen noch sehr überschaubar“, sagt auch die Direktorin im Direktorat Pflegestrategie und Betreuungsmanagement an der Vivantes Netzwerk für Gesundheit GmbH in Berlin. „Wir haben elektiv heruntergefahren und sind jetzt in einer Phase, in der wir noch einmal ein bisschen durchatmen können. Denn jeder weiß, dass bald eine sehr erhöhte Patientenzahl bei uns ankommen wird.“

„Wir nutzen die Zeit, um unsere Mitarbeiter zu schulen, vor allem Pflegefachkräfte, die wir auf der Intensivstation einsetzen wollen, die aber lange nicht mehr dort gearbeitet haben“, erklärte Leffler. „Dazu gehören Anästhesisten, die wegen der zurückgegangenen Zahl an planbaren Operationen in der Intensivstation eingesetzt werden können, oder Mitarbeiter aus der Psychiatrie, die früher auf Intensivstationen gearbeitet haben.“

„Am meisten mangelt es an FFP3-Masken“

Zudem werde bei Vivantes zurzeit das Hygienemanagement verändert. „Wir müssen jetzt sparsamer mit unseren Ressourcen umgehen“, sagte Leffler. „Denn wir wissen nicht, wann wir wieder neue Schutzausrüstung erhalten.“

Es sei allerdings schwer zu vermitteln, „dass wir unsere Mitarbeiter jahrelang auf eine extreme Hygiene getrimmt haben und nun sagen, dass wir angesichts der Krise auch mit weniger auskommen können“.

Zum Beispiel sei früher nach jeder Behandlung der Mundschutz gewechselt worden. Es reiche jedoch aus, wenn der Mundschutz erst bei Durchfeuchtung gewechselt werde. „Handschuhe wechseln wir weiterhin nach jedem Patienten“, so Leffler. „Schutzbrillen kann man gut desinfizieren und dann wiederverwenden.“

„Natürlich ist alles mit unserem Krankenhaushygieniker abgesprochen“, sagte Leffler. Dennoch wirke es auf manche Mitarbeiter so, als seien sie nicht ausreichend geschützt. „Am meisten mangelt es an FFP3-Schutzmasken, durch die Coronaviren nicht dringen können“, so Leffler weiter.

„Deshalb können wir diese Masken nur dort einsetzen, wo sie wirklich gebraucht werden. Wir haben nun Mund-Nasen-Schutz-Masken nähen und zertifizieren lassen, mit denen wir die anderen Mitarbeiter ausstatten.“

„Wir mobilisieren alles, was geht“

„Leider sind wir auch sehr von Diebstahl betroffen“, berichtete Leffler. „Zum Beispiel wurden Spender mit Desinfektionsmitteln gestohlen. Heute werden die Lieferungen nur noch persönlich übergeben, die früher einfach vor die Türen gestellt wurden. Seit wir keinen Besucherverkehr mehr haben, ist das allerdings besser geworden.“

Bei Vivantes wurde zudem eine psychologische Betreuung eingerichtet, zum Beispiel für Mitarbeiter, die Patienten mit einem schweren Verlauf der Krankheit betreut haben. Darüber hinaus wurden die Dokumentationspflichten auf ein Minimum abgesenkt. „Wir behalten nur, was wir für die Patientensicherheit brauchen“, sagte Leffler.

Zurzeit werde bei Vivantes versucht, die Beatmungskapazitäten zu verdoppeln. Um das Fachpersonal dafür zu erhalten, seien zum Beispiel Rentner angeschrieben worden. Auch aus den Verwaltungsbereichen, in denen Pflegefachkräfte arbeiten, komme ein reges Interesse. Leffler: „Wir mobilisieren alles, was geht.“ © fos/aerzteblatt.de

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