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Intensivmediziner in Bergamo: „Coronavirus ist das Ebolavirus der Reichen“

Montag, 23. März 2020

Der medizinische Direktor des Istituto Clinico Casalpalocco Covid 3 Krankenhauses, Antonio Marchesi, trägt einen Mundschutz, während er für die Medien eine Führung durch die Intensivstation gibt. /picture alliance, Mauro Scrobogna, LaPresse

Bergamo/Italien − Die Situation in Bergamo, einer 120.000-Einwohner-Stadt in der wohlhabenden Lombardei, ist in den letzten Tagen völlig außer Kontrolle geraten. Intensivmediziner einer größeren Klinik warnen in NEJM Catalyst (2020; DOI: 10.1056/CAT.20.0080), dass die Katastrophe jede andere Stadt in Europa und Amerika treffen könne. Die heutige patientenzentrierte Versorgung sei auf Pandemien wie COVID-19 einfach nicht vorbereitet.

In den Medien war in den letzten Tagen zu sehen, wie in den Abendstunden Särge aus Bergamo in andere Regionen zur Kremation gefahren wurden, da die Stadt nicht über die notwendigen Kapazitäten verfügt. Viele der abtransportierten Leichname dürften aus der städtischen Klinik „Papa Giovanni XXIII“ kommen. Dort sind derzeit 300 der 900 Betten mit COVID-19-Patienten belegt, 70 % der Intensivbetten sind für die schwerkranken COVID-19-Patienten reserviert.

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Dennoch könne von einer normalen Versorgung nicht mehr die Rede sein, schreiben Mirco Nacoti und Mitarbeiter. Die Intensivmediziner bezeichnen die Situation als „düster“, eine Krankenversorgung auf normalem Niveau sei derzeit nicht möglich. Es gebe stundenlange Wartezeiten für ein Intensivbett. Ältere Patienten könnten nicht wiederbelebt werden und müssten ohne angemessene Palliativversorgung allein sterben, während die Familie nur einen kurzen telefonischen Hinweis erhalte von einem Arzt, der am Rand seiner körperlichen und emotionalen Kräfte stehe.

Die Situation in der Umgebung ist nach Einschätzung von Nacoti noch schlimmer. Die meisten anderen Krankenhäuser seien überfüllt und stünden kurz vor dem Kollaps, während es an Medikamenten, Beatmungsgeräten, Sauerstoff und persönlichen Schutzausrüstungen fehle. Die Patienten müssten teilweise auf Bodenmatratzen gelagert werden. Das Gesundheitssystem habe Schwierigkeiten, grundlegende Dienstleistungen wie etwa die Geburtshilfe zu erbringen.

In den Krankenhäusern würden Ärzte und Pflegepersonal verzweifelt versuchen, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Außerhalb der Krankenhäuser würde die Gesundheits­vorsorge völlig vernachlässigt. Impfprogramme wurden gestoppt und in den Gefäng­nissen sei die Situation wegen der nicht möglichen „sozialen Distanz“ explosiv.

Nacoti und seine Kollegen unternehmen mitten in der Krise einen ersten Analyseversuch. Das Problem bestehe darin, dass die westlichen Gesundheitssysteme auf dem Konzept einer zentralisierten Patientenversorgung basierten, die auf Epidemien nicht vorbereitet sei. Im aktuellen Fall wurden alle Schwerkranken zunächst mit Rettungs­wagen in die Klinik transportiert, wo sie offenbar nicht strikt von den nicht-infizierten Patienten getrennt wurden.

In den Kliniken kam es dann schnell zur Übertragung der Infektion auf andere Patienten, schreibt Nacoti. Zu den Vektoren gehören auch die Rettungswagen und ihr Personal, das teilweise. asymptomatisch infiziert sei oder bei Krankheitszeichen nicht überwacht werde. Der Tod von Ärzten und Pflegepersonal, einschließlich junger Menschen, könnte dann den Stress derjenigen erhöhen, die an der Front tätig sind.

Man erfahre derzeit schmerzlich, dass es keine Experten für Public Health und für Epidemien gebe, die im Ernstfall die notwendigen Entscheidungen treffen. Notwendig sei ein Perspektivwechsel hin zu einem Konzept der gemeinschaftszentrierten Versorgung, schreibt Nacoti. Dazu sollte laut dem Intensivmediziner eine vermehrte häusliche Krankenversorgung und mobile Kliniken gehören. Dies würde unnötige Patiententransporte vermeiden und die Krankenhäuser entlasten.

Eine Sauerstofftherapie und eine Überwachung mit Pulsoxymetrie sind laut Nacoti auch zuhause möglich. Die Patienten könnten telemedizinisch betreut werden. Sie sollten zuhause isoliert und dort mit Nahrungsmitteln versorgt werden, bis sie sich erholt haben. Die Kliniken könnten sich dann auf die Behandlung der schwersten Fälle konzentrieren. Das Ansteckungsrisiko anderer Patienten und des Personals werde vermindert und der Verbrauch an Schutzausrüstung minimiert.

Der Schutz des medizinischen Personals müsse Vorrang haben. Hier dürften keine Kompromisse eingegangen werden. Die nötige Ausrüstung müsse jederzeit verfügbar sein. Wichtig sei, dass Infektionen an den Kliniken und eine Kontamination der Fahrzeuge verhindert werden. In den Kliniken müssten spezielle Abteilungen geschaffen werden, in denen im Fall einer Pandemie Patienten räumlich und personell getrennt versorgt werden können.

Der derzeitige COVID-19-Ausbruch ist nach Ansicht von Nacoti nicht allein intensiv­medizinisch zu beherrschen. Sozialwissenschaftler, Epidemiologen, Logistikexperten, Psychologen und Sozialarbeiter müssten einbezogen werden, um im Fall einer Epidemie die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen. Diese bestehen in erster Linie in einer sozialen Distanz. Ein Lockdown sei die wichtigste Maßnahme. Dies habe in China die Übertragung um etwa 60 % reduziert. Die Maßnahmen dürften nicht zu früh gelockert werden, da es sonst zu einer weiteren Erkrankungswelle komme.

Notwendig sei ein langfristiger Plan für die nächste Pandemie. Das Coronavirus ist laut Nacoti das „Ebola der Reichen“. Es sei zwar nicht besonders tödlich, aber sehr ansteck­end. Je mehr die Gesellschaft medizinalisiert und zentralisiert sei, desto größer sei das Risiko, dass sich ein Virus ausbreite. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Donnerstag, 26. März 2020, 17:25

"Wie bitte"? Infektiologischer Aberglaube!

Wer meint, mit "Flu Vaccine Increases Coronavirus Risk 36% Says Military Study" By Benjamin Krause
https://www.disabledveterans.org/2020/03/11/flu-vaccine-increases-coronavirus-risk/
sei irgendetwas bewiesen, sollte der infektiologisch inkompetenten Sekundärliteratur keine Glauben schenken. Diese ist erst wichtigtuerisch im Nachhinein zum Zeitpunkt der jetzigen SARS-CoV-2 Infektionen und COVID-19-Erkrankungen veröffentlicht worden und ebenso wie Ebola-Infektionen (s.u.) grundsätzlich nicht vergleichbar.

Ein kurzer Blick in die Originalarbeit https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0264410X19313647?via%3Dihub
genügt:
"Influenza vaccination and respiratory virus interference among Department of Defense personnel during the 2017–2018 influenza Season" von Greg G. Wolff
https://doi.org/10.1016/j.vaccine.2019.10.005
bezieht sich mit 2017-2018 auf eine Zeit v o r SARS-CoV-2 Infektionen und COVID-19 Erkrankungen.
Die Zusammenfassung bringt es an den Tag:
"Highlights
•We examined virus interference in a Department of Defense dependent population.
•Vaccinated personnel did not have significant odds of respiratory illnesses.
•Vaccinated personnel were protected against influenza.
•Odds of virus interference by vaccination varied for individual respiratory viruses."
Die Schlussfolgerungen besagen:
"Conclusions - Receipt of influenza vaccination was not associated with virus interference among our population. Examining virus interference by specific respiratory viruses showed mixed results. Vaccine derived virus interference was significantly associated with coronavirus and human metapneumovirus; however, significant protection with vaccination was associated not only with most influenza viruses, but also parainfluenza, RSV, and non-influenza virus coinfections."
Keine Virusinterferenz mit der Influenza-Impfung. Im Gegenteil, signifikanter Schutz durch die Influenza-Impfung, vornehmlich bei Influenza-ähnlichen Virusinfekten.

Einzige Ausnahmen waren Infektionen mit den alt bekannten Coronaviren vom Typ HCoV-HKU1, HCoV-NL63, HCoV-OC43 und HCoV-229E, welche allerdings nur vergleichsweise geringfügige Erkältungs-Symptome verursachen und mit dem humanen Metapneumovirus. Die relative Risk-Ratio von 1,36 liegt auf der Hand, weil beide Virusgruppen überhaupt keine Ähnlichkeit mit Influenza-ähnlichen Viren mehr haben.

Greg G. Wolff betont die überragende Schutzwirkung der Influenza-Impfung schon deswegen, weil z. B. Coronaviren vom Typ HCoV-HKU1, HCoV-NL63, HCoV-OC43 und HCoV-229E nur für etwa 10 Prozent bei weit über 6.000 Probanden verantwortlich waren.

Wie gesagt, Lesen und Verstehen wissenschaftlicher Studien sind zwei wichtige Voraussetzungen. Denn es kommt nicht nur darauf an, sie zu interpretieren, sondern die dazugehörigen Fakten zu extrahieren.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

Avatar #772524
Julius Senegal
am Mittwoch, 25. März 2020, 23:19

warum können Impfgegner

wie chatzebusi nicht einfach die Schnauze halten?
Warum blubbern sie arglistig dummen Dreck von Verschwörungstheoretikern unkritisch nach und plappern was von Impfungen?

Ich meine, die Covoid-Krise zeigt doch eindrucksvoll, wie schlimm eine Welt ohne Impfungen wäre.

Ekelhaft.
Avatar #711280
P.Peschel
am Mittwoch, 25. März 2020, 18:20

FeuchtInhalation, Sauerstoff oder Heimbeatmung für zu Hause... kein Gedanke darüber aberwarum nur

Unverständlich aber scheinbar Wahr
Leider wird über häusliche Versorgungen mit o.a. Therapien mit eben Feuchtvernebler, O2, NIV (NON INVASIVE VENTILATION) von Corona Patienten wie bei z. B. COPD, ALS etc., überhaupt nicht nachgedacht und damit auch nicht durchgeführt.
Viele dieser benötigten Therapie Geräte sind bei den Leistungserbringern und Krankenkassen vorhanden eingelagert und könnten somit teilweise sofort eingesetzt werden.
Dieses ist dabei sogar ein praktikabler kostengünstiger Weg aber NEIN es wird nur im Sinne der Pharma gedacht, oder?
TCM Produkte und Hydrogen Sauerstoff haben offensichtlich eine therapeutische Wirkung…
Perspectives of the management of COVID-19 infection in China from European Respiratory Society (ERS) - ERSPlus 13-03-2020 Education : Video https://vimeo.com/395657458

Wenig oder gar nicht beachtete Therapie/Behandlungsbeobachtung aus dem Vortrag:
TCM Produkte und Hydrogen Sauerstoff haben offensichtlich eine therapeutische Wirkung… unter anderem durch entzündungshemmende, antioxidative wie auch antiviralen Eigenschaften.
Information: Erstellt mit dem weiteren Hinweis zur eben möglichen schnellen ambulanten/häuslichen Versorgung von Corona infizierten Patienten mit den entsprechenden Geräten zur Inhalation - Sauerstoffversorgung- Beatmung
Dieser Weg kann meiner Ansicht nach zu einer Entlastung von Kapazitäten wie Betten, Intensiv-Plätzen, Zubehör und Personal wie auch Kosten führen.
Deswegen könnte sich ein früher Einsatz von Physiotherapie sprich Sekretolyse, Atemtherapien und Inhalation z. b. Ambroxol (1) wie auch eine Sauerstoffgabe (2) nach meinem Verständnis aus diesem Vortrag als sehr hilfreich erweisen und stellt eine einfache und kostengünstige mögliche Alternative dar welche schon früh und auch schon im ambulanten/häuslichen Bereich angewandt und durch den behandelnden Arzt verordnet werden kann.
(1) https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-03/coronavirus-heilung-impfstoff-medikamente-symptome-virus-infektion
„Sollten auch erste sehr schwere Krankheitsverläufe in Deutschland auftreten, und davon ist rein statistisch gesehen irgendwann auszugehen, können Ärzte wie Martin Bommer derzeit nur eins tun: Patienten erst mal mit Sauerstoff versorgen und im schlimmsten Fall sogar künstlich beatmen. Tatsächlich ist laut Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) die Behandlung mit Sauerstoff eine zentrale Maßnahme bei einer schweren Covid-19-Infektion.“
(2) https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-382016/die-bedeutung-der-antiviralen-eigenschaften/
Avatar #770175
Wie bitte?
am Mittwoch, 25. März 2020, 16:27

Grippe-Impfung erhöht Corona-Risiko um 36%

Übersetzt: Eine kürzlich durchgeführte militärische Studie zeigt, dass das evaluierte Militärpersonal, das den Grippeimpfstoff erhielt, ein um 36 Prozent erhöhtes Risiko für das Coronavirus hatte, mit unterschiedlichem Nutzen bei der Prävention einiger Grippestämme.
https://www.disabledveterans.org/2020/03/11/flu-vaccine-increases-coronavirus-risk/
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 25. März 2020, 13:22

Argumentationen zwecklos!

Jetzt kaut auch noch "chatzebusi" die völlig abwegigen, pseudo- und parawissenschaftlichen Konfabulationen bzw. literaturmäßig gar nicht belegbaren, immunologisch völlig inkompetenten "catch-the-day" Positionen nach. Beide haben offenkundig noch nie infektiologisch relevante Patienten ambulant und/oder klinisch je persönlich behandelt.

Die immerhin begründet vorgetragenen Meinungen und realen Erfahrungsberichte von M. Nacoti et al. sind da wenigstens eine Diskussionsgrundlage, auch wenn ich wesentliche Schlussfolgerungen nicht teilen kann.

https://youtu.be/0ATh1mefDCM
von
"s4oksama"
ist z.B. was Ibuprofen angeht "Schnee von Gestern": Denn selbst die WHO hat widerrufen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #33905
chatzebusi
am Mittwoch, 25. März 2020, 11:50

Impfungen und Elektrosmog können die Abwehr schwächen

Ich teile die Meinung von catch-the-day, die Impfungen gegen Grippe und Meningitis und der Elektrosmog in der Lombardei könnten die Abwehrkräfte gegen den Corona-Virus entscheidend geschwächt haben. Vielleicht sollten auch Schulmediziner wie Dr. Schätzler solche "abwegigen" Möglichkeiten mal ins Auge fassen und die Sachlage daraufhin untersuchen, wie von catch-the-day vorgeschlagen. Ignaz Semmelweis wurde zuerst auch von den Medizingrößen verspottet und verlacht, zuletzt mußten sie ihm recht geben. Mobilfunk kann erhebliche gesundheitliche Schäden zur Folge haben, was von der Mobilfunkindustrie natürlich vehement bestritten wird, aber bereits durch zahlreiche Studien bestätigt wurde. Italien ist ein Land mit hoher Mobilfunkverseuchung, vielleicht ist es auch deshalb so hart betroffen? Dass Impfungen die Abwehr erstmal schwächen, ist ebenfalls bekannt.
Avatar #730792
s4oksama
am Dienstag, 24. März 2020, 13:30

Selbstverschuldet?

Naja, wie medikalisch bereits publiziert hat, sind die grundlegenden Mechanismen schon ziemlich lange bekannt gewesen; inkl. der hohen Mortalität für Patienten mit kardiovaskulären Risikofaktoren:

https://youtu.be/0ATh1mefDCM
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 24. März 2020, 09:55

Zentrale Schlussfolgerungen von M. Nacoti fragwürdig

Die zentralen Schlussfolgerungen von Mirco Nacoti et al. sind und bleiben allerdings nicht nur m.E. völlig falsch: Ebolavirus-Erkrankungen sind mit SARS-CoV-2 Infektionen und COVID-19-Erkrankungen grundsätzlich nicht vergleichbar.

"Coronavirus is the Ebola of the rich and requires a coordinated transnational effort. It is not particularly lethal, but it is very contagious. The more medicalized and centralized the society, the more widespread the virus. This catastrophe unfolding in wealthy Lombardy could happen anywhere."

https://catalyst.nejm.org/doi/full/10.1056/CAT.20.0080

Über Medikalisierung und Zentralisierung in Krankheits- und Gesundheits-Versorgung bzw. Gesellschaften kann man sicherlich streiten, aber das hat mit infektionsbedingten Pandemien und deren Bewältigung weniger zu tun.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

P.S.: Völlig abwegige, pseudo- und parawissenschaftliche Konfabulationen des immunologisch völlig inkompetenten "catch-the-day" sind wesentlich schlimmer, als die immerhin begründet vorgetragenen Meinungen und realen Erfahrungsberichte von M. Nacoti et al.
Avatar #760232
penangexpag
am Dienstag, 24. März 2020, 08:29

Virus der Reichen oder der Armen ?

Das mag zunächst eine müßige Frage zu sein scheinen. Aber wenn man ein Meldung von CNN (24.3.2020) liest, dann stutzt man. Die Richtigkeit dieser Meldung vorausgesetzt stellt das einen unglaublichen Skandal dar - und wirft ein grelles Licht auf die Informationspolitik deutscher Medien :
Wenn das so ist, dann ist die Information durch deutsche Medien schlicht und einfach zensiert. Denn zwar ist Tirol/Österreich als hot spot nicht zu leugnen gewesen, aber DIESE Details sind ja unglaublich :
https://edition.cnn.com/2020/03/24/europe/austria-ski-resort-ischgl-coronavirus-intl/index.html

Ob Italien da mit drin hängt weiß ich nicht. Aber die Lombardei ist eines der Zentren der Industrie, also wohlhabend, also mit genügend solventen Personen - die womöglich an der Tiroler Party-Szene kräftig Teil hatten.
Die Isländische Information hatet mit Sicherheit auch die Bundesregierung erreicht. Vor diesem Hintergrund muß der Vorwurf der Zögerlichkeit mit voller Schärfe wiederholt werden.!
Avatar #785387
TiBu87
am Montag, 23. März 2020, 22:19

Fragwürdiger Vergleich!

Die Letalität der verschiedenen Ebola Varianten wird mit mindestens 25%, meist mit 50-70% angegeben und bei manchen Ausbrüchen lag diese um die 90%. Zudem fanden die Ausbrüche in Regionen mit den wohl mit rudimentärsten Infrastrukturen auf unseren Planeten und mit Ausnahme der Ausbrüche von 2014-2016 und 2018 in einer Ära vor Internet und PCRs statt bzw. diese Technologie waren in den betroffenen Gebieten kaum verfügbar. Was in Italien passiert ist absolut schrecklich, allerdings ist nüchtern betrachtet weder der Virus noch die strukturellen Voraussetzungen vergleichbar. Die Letalität von Sars CoV 2 erscheint aktuell ja irgendwo zwischen 1% und 0,2 %(Alters/Vorerkrankungsabhängig) zu liegen und stark von den Intensivkapazitäten/der Integrität des Gesundheitssystems abzuhängen. Und da muss es auch irgendwo in die Analyse gehen wie so eine Situation in einem vollindustrialisierten europäischen Start eintreten konnte. Dank der verfügbaren Technologien war ja im Januar klar um welchen Erreger es sich handelte ,asiatische Ländern hatten bereits Erfahrung mit einer Epidemie eines ähnlichen Erregers gemacht und es bestanden Erfahrung auf die man hätte zurück greifen müssen. Das haben wir Europäer weitestgehend verpennt. Das dieser Virus uns über die Reiseroute früher oder später trifft. Bspw. hätte unser deutsches Sentinel InfluenzaSystem schon vor dem 25.02 auf SarsCOV2 testen sollen. Das Covid Erkrankte nicht in den Notaufnahme hätte versorgt werden sollen hätte man vorher wissen können. bei uns scheint es auch besser gelaufen zu sein. Mir persönlich erscheint da der Ebolavergleich etwas fatalistisch und von einer schonungslosen Analyse, vielleicht noch zu früh, wegführend. Wäre ein Virus mit nur annähernd der Letalität von Ebola sagen wir mal 10% auf die italienischen Strukturen getroffen, hätten wir noch ganz andere Opfer zahlen zu beklagen.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 23. März 2020, 22:00

Coronavirus als AIDS-Virus des "kleinen Mannes"!

Was für ein hanebüchener Unfug und ein vollkommen verunglückter Vergleich zu behaupten, das "Coronavirus sei das Ebolavirus der Reichen“?

Das Coronavirus ist doch eher das AIDS-Virus des "kleinen Mannes". Denn SARS-CoV-2 ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Keine speziellen Sexual-Praktiken oder -Präferenzen erforderlich. Als Mutter auf einen überfüllten Spielplatz gehen, als Vater bei einem Banker-Treffen drängeln, als Hausarzt einen Patienten genau untersuchen, als Kranken- und (Gesundheits-?)Pfleger/-in seine Arbeit machen, als Kind Oma und Opa besuchen, mit/ohne Kondom Geschlechtsverkehr haben - Egal, die Coronavirus-Pandemie ist schon da.

Keine Viruserkrankung wird mehr wirtschaftlichen Schaden anrichten, mehr Existenzen vernichten und gesundheitspolitische Verwerfungen verursachen. Ja, unsere gesamten bio-psycho-sozialen Identitäten stehen auf dem Spiel, und wir werden unserer Fähigkeit zur kulturellen Reflexion beraubt. Unsere Zivilisation steht am Scheideweg: Denken, Fühlen, Wollen, Handeln, Glauben und tätiges Tun werden wir verlieren oder gewinnen.

Was die Erklärung für die extreme Häufigkeit von SARS-CoV-2-Virusinfektionen und COVID-19-Erkrankungen in Bergamo/I angeht, kann man den italienischen Kollegen nur Recht geben: "At the Epicenter of the Covid-19 Pandemic and Humanitarian Crises in Italy: Changing Perspectives on Preparation and Mitigation - In a Bergamo hospital deeply strained by the Covid-19 pandemic, exhausted clinicians reflect on how to prepare for the next outbreak. von Mirco Nacoti et al. beschreibt z.B.: "Im aktuellen Fall wurden alle Schwerkranken zunächst mit Rettungs­wagen in die Klinik transportiert, wo sie offenbar nicht strikt von den nicht-infizierten Patienten getrennt wurden. In den Kliniken kam es dann schnell zur Übertragung der Infektion auf andere Patienten. Zu den Vektoren gehören auch die Rettungswagen und ihr Personal, das teilweise asymptomatisch infiziert sei oder bei Krankheitszeichen nicht überwacht werde...Der Schutz des medizinischen Personals müsse Vorrang haben. Hier dürften keine Kompromisse eingegangen werden. Die nötige Ausrüstung müsse jederzeit verfügbar sein. Wichtig sei, dass Infektionen an den Kliniken und eine Kontamination der Fahrzeuge verhindert werden. In den Kliniken müssten spezielle Abteilungen geschaffen werden, in denen im Fall einer Pandemie Patienten räumlich und personell getrennt versorgt werden können" (Zitat Ende).

Doch das hat nichts mit dem Problem zu tun, "dass die westlichen Gesundheitssysteme auf dem Konzept einer patientenzentrierten Versorgung basieren". Dieses Versorgungsystem bereitet ebenso wie Konzepte der gemeinschaftszentrierten Versorgung mehr oder weniger gut auf die Bewältigung von Epidemien vor. Dafür benötigt man keine "Sozialwissenschaftler, Epidemiologen, Logistikexperten, Psychologen und Sozialarbeiter", sondern eine bessere und präventiv ausgerichtete Patienten zentrierte Versorgung. Wie bereits angemerkt: "Der Schutz des medizinischen Personals müsse Vorrang haben. Hier dürften keine Kompromisse eingegangen werden. Die nötige Ausrüstung müsse jederzeit verfügbar sein. Wichtig sei, dass Infektionen an den Kliniken und eine Kontamination der Fahrzeuge verhindert werden. In den Kliniken müssten spezielle Abteilungen geschaffen werden, in denen im Fall einer Pandemie Patienten räumlich und personell getrennt versorgt werden können."

Und die alles entscheidende Botschaft ist die der bio-psycho-sozialen, primärpräventiven Distanzierung im gesellschaftlichen Alltag, in der primärärztlichen Versorgung, in Praxis, Klinik, Forschung und Entwicklung, in Politik, Kultur und Veranstaltungen.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #771752
catch-the-day
am Montag, 23. März 2020, 21:11

Rahmenbedingungen?

Die Häufung der Intensiv- und Todesfälle in Brescia und Bergamo sind statistisch so offensichtlich, dass sich die Frage stellt welche besonderen Bedingungen es in diesen beiden Städten gegeben hat, das so viele Menschen mit so anfälligem Immunsystem dort Opfer des Virus wurden und werden. Bekannt sind mir nur die (wie überall in der Lombardie) schlechte Luftqualität und großflächige Impfungen gegen Meningitis im Januar und Grippe im Dezember.
Offensichtliche Fragen werden aber weder gestelt noch beantwortet, es wird nicht einmal versucht, neben den Vorerkrankungen weitere Gemeinsamkeiten der Schwererkrankten und Todesfälle herauszufinden, die da vor allem wären:
- Raucher oder Nichtraucher
- Impfhistorie
- Belastung durch Elektrosmog zu Hause und / oder am Arbeitsplatz
So wird hier eine Chance vertan zu sehen, welche Auswirkungen verschiedene Risiken auf das Immunsystem und seine Fähigkeit, mit diesem Virus fertigzu werden, haben.
LNS

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