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Internetsucht: Mehr als jeder siebte Schüler gefährdet

Mittwoch, 23. November 2016

Mainz – Mehr als jeder siebte Schüler in Rheinland-Pfalz ist einer Untersuchung zufolge in Gefahr, internetsüchtig zu werden. Zu den suchtartig genutzten Angeboten gehören nicht nur Online-Computerspiele, sondern auch soziale Medien, wie Leonard Reinecke erklärte. Der Juniorprofessor für Online-Kommunikation an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz ist einer der Leiter einer repräsentativen Studie, für die 1.800 Kinder und Jugendliche befragt wurden. Erste Ergebnisse werden am morgigen Donnerstag vorgestellt.

Zur Sucht gehöre, dass man an nichts anderes mehr denken könne und bei einge­schränk­tem Zugang nervös sei und Angst bekomme, sagte Reinecke. Außerdem blieben Abstinenzversuche erfolglos. „Wichtige Teile des Lebens werden vernachlässigt, so etwa der Kontakt zur Familie, die Schule und der Freundeskreis.“ Die Ergebnisse der Studie legten nahe, dass 2,5 Prozent der Schüler eine Internetsucht hätten.

Reinecke weist auf eine weitere Gefahr hin: Menschen präsentieren sich auf Internet­platt­formen oft nur von ihrer Schokoladenseite. „Wenn man als Betrachter vergisst, dass das ein nur positiver Ausschnitt ist, dann erscheint das eigene Leben weniger farben­froh“, sagte Reinecke. Daraus könnten Frustration und Unzufriedenheit entstehen. Be­sonders häufig verglichen Kinder und Jugendliche ihren Körper mit den Körpern von an­deren.

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Reinecke und seine Kollegen befragten die Schüler im Alter von elf bis 17 Jahren zu ihren Mediennutzungsgewohnheiten. „Die Pubertät ist der Zeitraum, in dem sich viele zentrale Fragen stellen und geklärt werden: Wer bin ich, wer will ich sein?“, sagte Rei­necke. In diesem Abschnitt sei es besonders spannend zu sehen, wie Medien wirkten.
„Sind sie positive Begleiter oder überwiegen die Gefahren und Risiken?“, fragte er. Da gebe es noch kaum Untersuchungen.

Die Forscher des Mainzer Instituts für Publizistik stellten durchaus Nutzen durch Inter­net­nutzung fest. Bei der Definition der eigenen Identität und der Abgrenzung von den Eltern könnten soziale Medien eine wichtige Orientierungsfunktion bieten, sagte Reinecke. „Die Schüler sehen, wie Gleichaltrige mit ähnlichen Fragen umgehen; wie diese sich verhal­ten.“

Außerdem werde der Alltag ganz stark mithilfe sozialer Medien organisiert. Die Netz­wer­ke seien „die Nabelschnur zu den Freunden“, sagte Reinecke. Dazu gehöre auch, dass Jugendliche zum Beispiel im Laden einen Rock oder eine Hose sehen, und Gleichaltrige um Rat fragen, ob sie das Kleidungsstück kaufen sollen. „Alles, was sie bewegt, können sie zeitnah und barrierefrei an die Peergroup weitermelden und bekommen eine Antwort.“

Das Team der Mainzer Universität hat sich nicht gesondert mit den Jugendlichen be­schäftigt, die nicht online sind – denn dafür wäre die Datenbasis zu klein gewesen. „Die Gruppe der Abstinenzler ist fast nicht existent“, sagte Reinecke. 80 Prozent der befrag­ten Kinder und Jugendlichen seien täglich oder mehrmals täglich im Internet, im Schnitt 3,4 Stunden am Tag. © dpa/aerzteblatt.de

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