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COVID-19: Todesfälle bei Kindern sind selten

Freitag, 26. Juni 2020

/Nutthavee, stock.adobe.com

London – Kinder erkranken bei einer Infektion mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2, wenn überhaupt, in der Regel nur leicht. In seltenen Fällen sind jedoch schwere Krankheits­verläufe bis hin zu einem letalen Ausgang möglich, wie eine europaweite Studie in Lancet Child & Adolescent Health (2020; DOI: 10.1016/S2352-4642(20)30177-2) zeigt.

Die „Paediatric Tuberculosis Network European Trials Group“, die normalerweise die Tuberkulose bei Kindern und Jugendlichen erforscht, hat ihr Netzwerk in den ersten Aprilwochen für eine Umfrage an 128 Kinderkliniken in 31 europäischen Ländern genutzt. Von insgesamt 77 Zentren wurden Fälle gemeldet, was zeigt, dass die COVID-19-Pandemie Anfang April weite Teile des Kontinents erfasst hat und überall auch Kinder erkrankt sind.

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Bei den teilnehmenden Zentren handelt es sich überwiegend um Unikliniken und Krankenhäuser der Schwerpunktversorgung, so dass das Team um Marc Tebruegge vom Institute of Child Health in London davon ausging, dass überwiegend schwere Erkran­kungen gemeldet würden. Unter den 582 Fällen waren jedoch relativ wenige schwere Fälle.

Nur 143 Kinder (25 %) litten unter unteren Atemwegsinfektionen (davon 93 mit radiologisch bestätigter Pneumonie) und nur 25 Kinder (4 %) mussten mechanisch beatmet werden. Wenn eine Beatmung notwendig wurde, musste sie oft über eine längere Zeit (bis 34 Tage) durchgeführt werden. 19 Kinder (3 %) benötigten positiv inotrope Medikamente zur Stabilisierung der Herzfunktion. Bei einem Kind wurde eine extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) notwendig.

Insgesamt 4 Kinder, alle älter als 10 Jahre, starben an COVID-19. Von diesen hatten 2 keine bekannten Vorerkrankungen: Eines der Kinder starb vor der Ankunft im Kranken­haus an einem Herz- und Atemstillstand. Das andere war zuvor auf der Intensivstation mechanisch beatmet worden. Der dritte Patient hatte sich 15 Monate zuvor einer Stammzelltrans­plantation unterzogen. Bei dem vierten Patienten war aufgrund der Schwere seiner bereits bestehenden Erkrankungen auf eine Intubation verzichtet worden.

Unter den überlebenden Kindern waren auffällig viele, die aus heiterem Himmel erkrankt waren. Vorerkrankungen waren nur bei 145 Kindern (25 %) bekannt. Dies steht im Gegen­satz zu den Erfahrungen bei Erwachsenen, bei denen in aller Regel langjährige kardio­meta­bolische Vorerkrankungen wie arterielle Hypertonie, Typ-2-Diabetes oder eine koronare Herzkrankheit bestehen. Diese Erkrankungen sind jedoch im Kindes- und Jugendalter sehr ungewöhnlich.

Das häufigste Symptom war Fieber, das bei 379 Kindern (65 %) vorlag. Insgesamt 313 Kinder (54 %) hatten Anzeichen einer oberen Atemwegsinfektion, 128 Kinder (22 %) litten unter gastrointestinalen Symptomen. Von diesen hatten 40 keine respiratorischen Symptome. 92 Kinder (16 %) hatten überhaupt keine Beschwerden. Sie waren bei einer Kontaktuntersuchung aufgefallen und vorsichtshalber in die Klinik aufgenommen worden.

Ein Kawasaki-Syndrom, das inzwischen als PIMS-TS („pediatric inflammatory multisystem syndrome temporally associated with SARS-CoV-2“) bezeichnet wird, wurde bei keinem einzigen Kind diagnostiziert. Es könnte deshalb eine sehr seltene Verlaufsform sein.

Die am häufigsten eingesetzten Medikamente mit (möglicher) intraviraler Wirkung waren Hydroxychloroquin (40 Patienten), Remdesivir (17 Patienten), Lopinavir-Ritonavir (6 Patienten) und Oseltamivir (3 Patienten). Zu den verwendeten immunmodulatorischen Medikamenten gehörten Kortikosteroide (22 Patienten), intravenöses Immunglobulin (7 Patienten), Tocilizumab (4 Patienten), Anakinra (3 Patienten) und Siltuximab (1 Patient). © rme/aerzteblatt.de

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