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Medizin

Neuer Ansatz für Immuntherapie bei chronisch lymphatischer Leukämie

Dienstag, 3. Juli 2018

/psdesign1, stockadobecom

Heidelberg – Ein neues Verfahren zur Immuntherapie bei chronisch lymphatischer Leukämie (CLL) haben Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg entwickelt. Die Arbeit ist im Fachmagazin Leukemia erschienen (doi 10.1038/s41375-018-0160-7). CLL ist bei Erwachsenen die häufigste Form von Blutkrebs. Mit Chemotherapie und Medikamenten lässt sich die Krebserkrankung nicht vollständig heilen. Das Immunsystem des Menschen kann die Krebszellen zwar bekämpfen, entdeckt sie aber oft zu spät. 

Die Arbeitsgruppe um Henri-Jacques Delecluse und Peter Dreger erprobte in ihrer Studie einen neuartigen Ansatz der Immuntherapie: Bislang werden die Abwehrzellen meist dazu angeregt, Krebszellen effektiver zu eliminieren. Doch dazu müssen sich die entarteten Zellen dem Immunsystem von selbst zu erkennen geben, etwa durch krebsspezifische Antigene auf ihrer Oberfläche. „Wir bringen dagegen ein sehr starkes Antigen in die Krebszellen ein. Das heißt, wir müssen nicht darauf warten, dass die Krebszellen selbst Antigene produzieren, die vom Immunsystem erkannt werden“, beschreibt Delecluse den Ansatz ihres Verfahrens.

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Für die Markierung der CLL-Zellen verwendeten die Wissenschaftler ein Antigen aus dem Epstein-Barr-Virus. Dabei handelt es sich um ein Herpesvirus, mit dem sich die meisten Menschen schon im Kindesalter infizieren und gegen das sie Abwehrzellen bilden. Spätestens ab dem 40. Lebensjahr findet sich kaum mehr jemand, der noch keinen Kontakt mit dem Virus hatte. „Wir zweckentfremden die virusspezifischen T-Zellen dann für die Krebstherapie“, erläuterte der Forscher.

Delecluse und Kollegen nutzten spezifische Antikörper gegen CLL-Oberflächenproteine, die mit Epstein-Barr-Virus-Proteinen gekoppelt waren. Leukämiezellen nehmen den Antikörper ins Zellinnere auf, während sie das Antigen auf der Oberfläche vorzeigen. Das sollte menschliche Immunzellen in die Lage versetzen, die Krebszellen schneller zu identifizieren und zu vernichten, so das Kalkül der Forscher. 

Die DKFZ-Wissenschaftler testeten ihr Verfahren an Krebszellen aus dem Blut von zwölf CLL-Patienten. Bei der großen Mehrheit der Untersuchungen konnten Abwehrzellen in der Kulturschale die mit Epstein-Barr-Virus-Antigen bestückten Krebszellen erfolgreich abtöten. Was mit den aus dem Blut von CLL-Patienten gewonnenen Krebszellen gut geklappt hat, wollen die Wissenschaftler nun auch bei Patienten erproben, die an diesem Blutkrebs leiden. „Der nächste Schritt ist eine klinische Studie, in der CLL-Patienten mit dem Verfahren behandelt werden“, sagt Delecluse., © hil/aerzteblatt.de

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