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MEDIZINREPORT

ACE-Hemmer und Lungenkrebs: Fachgesellschaft sieht keine Notwendigkeit zum Absetzen der Therapie

Dtsch Arztebl 2018; 115(50): A-2364 / B-1932 / C-1903

Hillienhof, Arne

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Foto: Science Photo Library/ PHANIE VOISIN
Foto: Science Photo Library/ PHANIE VOISIN

Eine Ende Oktober im British Medical Journal erschienene Studie berichtet über einen möglichen Zusammenhang von ACE-Hemmern und Lungenkrebs. Experten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) sehen viele Schwächen in der Studie und raten dazu, die Daten zurückhaltend zu bewerten. „Etwa 45 % der Bluthochdruckpatienten werden mit ACE-Hemmern behandelt. Alle Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz und alle Patienten nach Herzinfarkt erhalten entweder ACE-Hemmer oder AT1-Rezeptor-Blocker, um ihre Prognose zu verbessern. Dass diese Therapie lebensverlängernd wirkt und die Beschwerden verbessert, ist durch zahlreiche Studien gesichert“, erläutert der DGK-Experte Prof. Dr. med. Ulrich Laufs, Universitätsklinikum Leipzig.

Wissenschaftler aus Großbritannien hatten allerdings bei mit ACE-Hemmern behandelten Patienten ein höheres Lungenkrebsrisiko beobachtet als bei Patienten, die AT1-Rezeptor-Blocker oder andere blutdrucksenkende Wirkstoffe einnehmen (14 % respektive 6 % höhere Wahrscheinlichkeit). Die DGK weist daraufhin, dass dies Ergebnisse einer Beobachtungsstudie sind, die naturgemäß zunächst einmal mögliche Zusammenhänge aufzeigen, nicht aber Aussagen zu Ursache und Wirkung treffen.

Eine „wesentliche Schwäche der Studie ist, dass diverse beeinflussende Faktoren nicht berücksichtigt werden konnten, weil keine Informationen dazu vorlagen“, so Prof. Dr. med. Ulrich Kintscher, Charité – Universitätsmedizin Berlin. Der Pharmakologe verweist auf den sozioökonomischen Status, Ernährungsgewohnheiten, familiäre Vorbelastungen sowie Dauer und Intensität des Tabakkonsums. Lungenkrebserkrankungen seien multifaktoriell bedingt. Die DGK weist außerdem auf einen „Detection-Bias“ hin: Bekanntlich ist Reizhusten eine häufige Nebenwirkung der ACE-Hemmer. Dies führt dazu, dass diese Patienten vermehrt mit bildgebenden Maßnahmen auf Erkrankungen der Lunge untersucht werden, sodass Karzinome eher entdeckt werden können als bei anderen Teilen der Bevölkerung.

Fazit: „Aufgrund der erschienenen Daten besteht zunächst kein Anlass, die Medikation von mit ACE-Hemmern behandelten Patienten, die das Medikament gut vertragen, umzustellen“, so das Fazit der DGK. „Als Signal“ sei die Studie aber ernst zu nehmen. Arne Hilienhof

Hicks BM, Filion KB, Yin H, et al.: Angiotensin converting enzyme inhibitors and risk of lung cancer: population based cohort study. BMJ 2018;363:k4209.

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