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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Checkpoint-Inhibition: Infektionsrisiko von Lungenkrebspatienten unter Immuntherapie mit Nivolumab

Dtsch Arztebl 2019; 116(12): A-584 / B-479 / C-471

Lenzen-Schulte, Martina

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Foto: peterschreiber.media/stock.adobe.com
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Unter einer Therapie des nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) mit dem PD1-Antikörper Nivolumab kann es bei fast jedem 5. Patienten zu einer therapiebedürftigen Infektion kommen. Darauf machen jetzt Pneumologen der Universitätsklinik in Kyoto/Japan in der Fachzeitschrift „Respiratory Medicine“ aufmerksam (1).

Checkpoint-Inhibitoren wie Nivolumab, die durch Blockade eines Rezeptors auf T-Zellen die Abwehr gegen den Krebs stärken, haben die Therapie von Lungenkrebspatienten erheblich verbessert. Allerdings kommt es im Zusammenhang mit diesen Therapien häufig zu sogenannten Immune-related adverse Events (irAEs). Sie sind Folge einer unspezifischen Aktivierung des Immunsystems und manifestieren sich typischerweise als Hautausschlag, gastrointestinal als Colitis oder endokrin als Schilddrüsenfunktionsstörung (hyper- oder hypothyreot). Machen diese irAES nun eine immunsuppressive Therapie notwendig, entsteht sekundär ein erhöhtes Infektionsrisiko. Aber nicht nur dadurch, auch unabhängig von irAES wird über vermehrt auftretende Infektionen unter Checkpoint-Inhibition berichtet.

Die japanischen Forscher haben nun ermittelt, wie häufig Infektionen in einem Patientenkollektiv von 167 Patienten mit einem NSCLC unter Nivolumab-Therapie auftraten, die eine antimikrobielle Therapie – etwa mit Antibiotika oder Antimykotika – notwendig machten.

Dies betraf 19,2 % der Patienten. Die Mehrzahl war bakteriell bedingt (78,1 %), bei 6,3 % handelte es sich um Mykosen, in 18,8 % um virale Infektionen. Als signifikanter Risikofaktor erwies sich lediglich das Vorliegen eines Diabetes mellitus. Dass eine immunsuppressive Therapie mit systemischen Kortikosteroiden etwa wegen eines irAEs das Risiko erhöhte, lässt sich aus den Daten nicht ableiten. Denn ein Teil der Patienten erhielt Kortikosteroide, ein anderer nicht und die Differenz war nicht signifikant.

Fazit: Die japanischen Forscher fordern aufgrund ihrer Beobachtungen dazu auf, das Infektionsrisiko bei diesen Patienten im Blick zu behalten. Dies vor allem deshalb, weil theoretisch keine Infektionsgefahr zu erwarten wäre, da Checkpoint-Inhibitoren nicht immunsuppressiv wirken. Ob die mitunter mit Nivolumab verbundene Leukopenie eine Rolle spielte, lasse sich aus ihren Daten nicht bestätigen. Eine weitere Hypothese besagt, dass es aufgrund der PD-1-Inhibition vermittelten Aktivierung von T-Zellen zu einer überschießenden Abwehrreaktion kommen könne, ähnlich den entzündlichen Immunrekonstitutionssyndromen (IRIS) bei HIV.

Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

Fujita K, et al.: Emerging concerns of infectious disease in lung cancer patients receiving immune checkpoint inhibitor therapy. Respiratory Medicine 2019; 146: 66-70.

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