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Medizin

Trastu­zumab-Deruxtecan verlängert progressionsfreies Überleben bei HER2-positivem Mammakarzinom

Montag, 30. Dezember 2019

/dpa

Boston – Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Deruxtecan, das den HER2-Antikörper Trastuzumab mit einem starken Zytostatikum verbindet, hat in einer Phase 2-Studie ein fortgeschrittenes oder metastasiertes HER2-positives Mammakarzinom bei der Mehrzahl der austherapierten Patientinnen zurückgedrängt. Die Ergebnisse der Studie, die auf dem San Antonio Breast Cancer Symposium vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2019; DOI: 10.1056/NEJMoa1914510) publiziert wurden, haben die US-Arzneimittelbehörde FDA jetzt zur Zulassung des neuen Wirkstoffs bewogen.

Die Behandlung des HER2-positiven Mammakarzinoms hat sich seit der Zulassung von Trastuzumab im Jahr 1998 (in Europa seit 2000) deutlich verbessert. Die Erstbehandlung im fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium erfolgt heute mit Trastuzumab in Kombination mit Pertuzumab und Docetaxel (oder einem anderen Taxan), die den Tumor in der CLEOPATRA-Studie über 18,7 Monate zurückgedrängt hat. Die Second-Line-Therapie erfolgt mit dem Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Emtansin, die in Studien noch einmal ein progressionsfreies Überleben von 9,6 Monaten erreicht hat.

Die DESTINY-Breast01-Studie hat untersucht, ob das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Trastuzumab-Deruxtecan bei einer erneuten Tumorprogression wirksam ist. Trastuzumab-Deruxtecan unterscheidet sich von Trastuzumab-Emtansin durch den Einsatz eines anderen Zytostatikums. Emtansin ist ein Tubulin-Inhibitor (DM1), Deruxtecan ein Topoisomerase 1-Inhibitor. Der unterschiedliche Wirkungsmechanismus könnte erklären, warum Trastuzumab-Deruxtecan noch wirksam ist, wenn der Krebs eine Resistenz gegen Trastuzumab-Emtansin entwickelt hat, die Voraussetzung für die Teilnahme an der Studie war. Ein weiterer Vorteil könnte das höhere „Wirkstoff zu Antikörper“-Verhältnis von 8 zu 1 versus 3-4 zu 1 sein.

Wie das Team um Ian Krop vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston berichtet, sprachen 112 von 184 Patientinnen (61 Prozent) auf die Behandlung mit Trastuzumab-Deruxtecan an. Darunter waren elf Patienten (6,0 Prozent), bei denen sich der Tumor komplett zurückbildete (was in diesem Stadium allerdings keine Heilung bedeutet). Bei den anderen 101 Patienten (54,9 Prozent) kam es zu einer Verringerung der Tumorlast.

Die mediane Ansprechdauer betrug 14,8 Monate (95-Prozent-Konfidenzintervall 13,8 bis 16,9 Monate), das mittlere progressionsfreie Überleben betrug 16,4 Monate (12,7 Monate bis nicht erreicht). Bei den 24 Patienten mit Hirnmetastasen betrug das mittlere progressionsfreie Überleben 18,1 Monate (6,7 bis 18,1 Monate).

Die Aussicht auf eine erneute Rückbildung des Tumors ist allerdings mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Bei 57,1 Prozent der Patientinnen kam es zu Nebenwirkungen von Grad 3 oder höher. Hinzu kam eine deutliche Knochenmarktoxizität mit einem Abfall von Neutrophilen, Erythrozyten und Lymphozyten.

Bei einem Drittel der Patientinnen musste die Behandlung unterbrochen, bei jeder vierten die Dosis reduziert werden. Insgesamt 28 Patientinnen (15,2 Prozent) brachen die Behandlung aufgrund eines unerwünschten Ereignisses ab. Darunter waren 11 Patientinnen mit Pneumonitis und 5 Patientinnen mit interstitieller Lungenerkrankung. Diese lebensgefährlichen Komplikationen haben die FDA zu einem umrahmten Warnhinweis veranlasst.

Letztlich bleibt es die Entscheidung der Patienten, ob sie sich auf die Risiken der Behandlung einlassen. Wegen der günstigen Wirkung auf den Tumor hat die FDA Trastuzumab-Deruxtecan jetzt zur Drittlinientherapie nach Versagen von Trastuzumab und Trastuzumab-Emtansin vorläufig zugelassen. Eine endgültige Entscheidung wird von den Ergebnissen der beiden Phase 3-Studien DESTINY-Breast02 und 03 abhängen. Eine Zulassung in Europa ist derzeit nicht zu erwarten. Auf der Internetseite der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA findet sich derzeit kein Hinweis auf den Wirkstoff. © rme/aerzteblatt.de

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