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Multiple Sklerose

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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Multiple Sklerose: Minocyclin könnte positiv immunmodulierend wirken

Dtsch Arztebl 2017; 114(51-52): A-2477 / B-2046 / C-2000

Heinzl, Susanne

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Nach einem ersten klinischen demyelinisierenden Ereignis (klinisch isoliertem Syndrom, CIS) ist das Risiko der Konversion in eine manifeste Multiple Sklerose (MS) hoch. In einer prospektiven placebokontrollierten Studie an kanadischen MS-Kliniken wurde untersucht, ob das Tetracyclinantibiotikum Minocyclin, von dem immunmodulierende Effekte bekannt sind, bei Patienten mit CIS das Risiko der Konversion zur MS verringert.

142 Patienten (Durchschnittsalter: 38,5 Jahre) mit einem ersten CIS in den letzten 180 Tagen erhielten 2-mal täglich 100 mg Minocyclin oder Placebo für maximal 24 Monate oder bis eine MS diagnostiziert wurde. Primärer Endpunkt war die Diagnose MS anhand der McDonald-Kriterien 2005 bis zu 6 Monate nach Randomisierung.

Unter Minocyclin hatte sich bei 23 Patienten, unter Placebo bei 41 nach 6 Monaten eine MS entwickelt. Dies bedeutete eine nichtadjustierte Senkung des absoluten Risikos um 27,6 Prozentpunkte (p = 0,001). Wurden die Gadolinium-anreichernden Läsionen zu Studienbeginn berücksichtigt, sank das adjustierte Risiko nach 6 Monaten um 18,5 Prozentpunkte (43 % Minocyclin vs. 61,5 % Placebo, p = 0,01).

Alle MRT-Parameter waren zu Monat 6 unter Verum besser als bei Placebo. In Monat 24 waren die nichtadjustierten MRT-Befunde, nicht aber die adjustierten mit Minocyclin signifikant besser. Nebenwirkungen traten beim Antibiotikum häufiger auf als bei Placebo (86,1 % vs. 61,4 %, p = 0,001), vor allem Hautausschlag, Zahnverfärbungen und Benommenheit.

Fazit: „Die Fragestellung ist interessant, die Zahl der Patienten lässt allerdings keine weitreichenden Rückschlüsse aus der Studie zu“, kommentiert Prof. Dr. Dr. Sven Meuth, Direktor des Instituts für Translationale Neurologie, Universität Münster. „Sowohl die Effektstärken als auch die zwischen 6 und 24 Monaten divergenten Ergebnisse machen eine Interpretation schwierig. Es werden größere Studien notwendig sein, um ein abschließendes Ergebnis zu liefern. Eine Option wäre, das Studiensetting weg vom CIS hin zur schubförmigen MS zu orientieren.“ Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Metz LM, et al.: Trial of minocycline in a clinically isolated syndrome of multiple sclerosis. N Engl J Med. 2017; 376: 2122–33.

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