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Medizin

Ozanimod: Weiterer S1P-Modulator bei Multipler Sklerose wirksam

Montag, 25. November 2019

/New Africa, stock.adobe.com

Mailand/Cleveland – Der Wirkstoff Ozanimod, der wie Fingolimod und Siponimod zu den S1P-Rezeptor-Modulatoren gehört, hat in 2 randomisierten Studien bei Patienten mit rezidivierend-remittierender Multipler Sklerose (RRMS) die Zahl der jährlichen Krankheits­schübe deutlicher gesenkt als Interferon-beta. Die in Lancet Neurology (2019; 18: 1009-20 und 1021-33) publizierten Studienergebnisse könnten zur Zulassung des dritten Medika­ments der Wirkstoffklasse führen.

S1P-Rezeptor-Modulatoren verhindern, dass Lymphozyten die Lymphknoten verlassen und nach dem Eintritt in das zentrale Nervensystem die Myelinscheiden angreifen, deren Zerstörung die Grundlage der Multiplen Sklerose ist. Der erste Vertreter Fingolimod wurde 2011 zur Behandlung der RRMS eingeführt. Es war das erste oral verfügbare Basisthera­peutikum und zudem besser verträglich als das vorherige Standardmedikament Interferon beta. Dies hat die Konkurrenz motiviert, ebenfalls S1P-Rezeptor-Modulatoren zu entwickeln.

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Der zweite Vertreter der Wirkstoffgruppe, Siponimod, der nach einem positiven Votum der europäischen Arzneimittel-Agentur EMA vor der Zulassung steht, hat sich in einer klinischen Studie auch bei der schwer zu therapierenden sekundär progredienten Form (SPMS) als effektiv erwiesen.

Die Zulassung von Ozanimod gestaltete sich dagegen schwieriger. Die US-Arzneimittel­behörde FDA erteilte dem Hersteller im Februar letzten Jahres eine Absage. Die Gründe wurden für Außenstehende nicht ganz klar. Laut einer Pressemitteilung des Herstellers waren die Angaben zu den vorklinischen und klinischen Daten nicht ausreichend. Inzwischen scheinen die fehlenden Daten vorzuliegen. Dieser Tage wurden dann die Ergebnisse der beiden Zulassungsstudien SUNBEAM und RADIANCE publiziert, nachdem sie bereits vor 2 Jahren auf Kongressen vorgestellt worden waren.

An der RADIANCE-Studie hatten in 21 Ländern 1.320 Patienten teilgenommen, bei denen nach den revidierten McDonald-Kriterien von 2010 eine RRMS diagnostiziert worden war. Sie wurden in 3 Gruppen über 24 Monate mit Ozanimod in der Tagesdosis von 0,5 oder 1 mg oder mit Interferon beta 1a behandelt. Primärer Endpunkt war die jährliche Schub­frequenz („annualized relapse rate“, ARR) während der 24-monatigen Studiendauer.

Wie Jeffrey Cohen vom Mellen Center for Multiple Sclerosis an der Cleveland Clinic und Mitarbeiter berichten, kam es in allen 3 Gruppen zu einem Rückgang der ARR. Er betrug unter der höheren Dosis von Ozanimod 83 %, unter der niedrigeren Dosis von Ozanimod 78 % und unter der Behandlung mit Interferon beta 1a 72 %.

Der Vorteil von Ozanimod gegenüber Interferon beta 1a war in beiden Dosierungen signifikant. Die Rate Ratios betrugen 0,62 (95-%-Konfidenzintervall 0,51 bis 0,77) für den Vergleich mit der höheren Dosierung von Ozanimod und 0,79 (0,65 bis 0,96) für den Vergleich mit der niedrigeren Dosierung.

Die Ergebnisse der SUNBEAM-Studie waren ähnlich. An 152 Zentren in 20 Ländern waren 1.346 Patienten auf die gleichen 3 Gruppen wie in der RADIANCE-Studie verteilt worden. Nach den von Giancarlo Comi, San Raffaele Universität Mailand, und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnissen, ging die ARR unter der höheren Ozanimod-Dosis um 82 %, unter der niedrigen Dosis um 76 % und unter der Behandlung mit Interferon beta 1a um 65 % zurück.

Im Vergleich zu Interferon beta 1a war Ozanimod ebenfalls signifikant besser wirksam. Die Rate Ratios betrugen 0,52 (95-%-Konfidenzintervall 0,41 bis 0,66) für den Vergleich mit der höheren Dosierung von Ozanimod und 0,69 (0,55 bis 0,86) für den Vergleich mit der niedrigeren Dosierung.

Damit war die Ozanimod-Wirkung in der SUNBEAM-Studie sogar noch etwas besser als in der RADIANCE-Studie. In beiden Studien erwies sich der S1P-Modulator als gut verträglich. Die Abbrecherrate war auch unter der hohen Dosierung niedriger als unter Interferon beta 1a.

Zu den wichtigsten Sicherheitsrisikos von S1P-Modulatoren gehören Reizleitungsstörungen, weshalb in den beiden Studien nach der ersten Gabe eine sechsstündige EKG-Überwachung vorgesehen war. Ein klinisch relevanter Abfall der Herzfrequenz oder ein atrioventrikulärer Block zweiten oder dritten Grades ist in den beiden Studien nicht aufgetreten. Auch schwere opportunistische Infektionen sind während der zweijährigen Behandlung nicht registriert worden. Aus den Ergebnissen der Studie wird deshalb nicht klar, welche Bedenken die FDA zunächst zu einer Ablehnung veranlasst hat.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie beurteilt die Ergebnisse der beiden Studien positiv und rechnet mit einer baldigen Zulassung. Mit der Neuentwicklung stünde künftig eine weitere neue Therapieoption mit starker Wirkung gegen die RRMS zur Verfügung, heißt es in einer Pressemitteilung. Natürlich müssten alle Patienten unter Ozanimod wie mit allen anderen MS-Therapien immer hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen individuell über­wacht werden. © rme/aerzteblatt.de

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