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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Primär- und Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen: Keine Evidenz für den Nutzen einer Nahrungsergänzung mit Fischölkapseln

Dtsch Arztebl 2019; 116(5): A-212 / B-180 / C-180

Heinzl, Susanne

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Foto: abcmedia/stock.adobe.com
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Die American Heart Association empfiehlt derzeit regelmäßigen Fischkonsum zur Primärprävention und eine Ergänzung mit Omega-3-Fettsäuren in der Sekundärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen. Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Daher verglich die ASCEND-Studiengruppe Wirksamkeit und Verträglichkeit von täglicher Fischöl-Einnahme und Placebo bei Diabetikern ohne kardiovaskuläre Erkrankung (1).

In diese große britische Studie wurden 15 480 Patienten (63 % Männer) im Durchschnittsalter von mindestens 63 Jahren aufgenommen, die seit 7 Jahren an einem Diabetes mellitus Typ 2 litten.

62 % hatten erhöhten Blutdruck und 75 % nahmen Statine. Der Body-Mass-Index lag bei 31 kg/m² und der HbA1c-Wert bei 7,2 %. Randomisiert nahmen sie über 7,4 Jahre täglich eine 1-g-Kapsel mit 840 mg Omega-3-Fettsäuren (460 mg Eicosapentaensäure, 380 mg Docosahexaensäure) oder Placebo (Olivenöl). Die Adhärenz lag bei 77 % in der Fischöl- und bei 76 % in der Placebogruppe.

Der primäre Endpunkt umfasste schwere vaskuläre Ereignisse, nämlich nicht-tödlichen Herzinfarkt, nicht-hämorrhagischen Schlaganfall, transiente ischämische Attacken (TIA) oder kardiovaskulär bedingte Todesfälle (außer intrakranialen Blutungen). Der Endpunkt trat bei 689 Patienten (8,9 %) der Substitutionsgruppe und bei 712 Patienten (9,2 %) der Placebogruppe auf (Rate Ratio: 0,97; p = 0,55), wobei sich auch bei einer längeren Nachbeobachtungszeit kein Hinweis auf einen signifikanten Unterschied ergab. Die Häufigkeit von Revaskularisierungen, nicht-tödlicher Herzinfarkte, Schlaganfälle und TIA war in beiden Gruppen ähnlich. Bei Fischöl-Supplementierung gab es einen Trend zu weniger vaskulär bedingten Todesfällen (2,4 % vs. 2,9 %; Rate Ratio: 0,82). Auf die Häufigkeit von Krebserkrankungen hatte Fischöl ebenfalls keinen Einfluss. Und auch in keiner Subgruppe beeinflusste die Fischöl-Substitution das Risiko positiv.

Fazit: Diese Ergebnisse und Befunde von früheren randomisierten Studien mit Patienten ohne und mit Diabetes unterstützen die derzeitigen Empfehlungen nicht, routinemäßig Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse einzunehmen, so die Autoren.

Prof. emer. Dr. med. Hans-Ulrich Klör, Medizinische Klinik 3 der UKGM Gießen, weist jedoch darauf hin, dass viele Studien mit Omega-3-Fettsäuren grundlegende Schwächen aufwiesen. In den meisten Studien würden die Präparate falsch appliziert, nämlich nicht zusammen mit einer fetthaltigen Mahlzeit. Deshalb könne die geringe Menge von 1 g nicht resorbiert werden. Es sei nicht verwunderlich, dass kein Effekt beobachtet werde, wenn keine ausreichenden Mengen in den Organismus gelangten.

Die Einschätzung Klörs wird durch die aktuell publizierte REDUCE-IT-Studie gestützt (2). Mit hochdosierter Ethyl-Eicosapentaensäure konnte bei Hochrisikopatienten unter Statintherapie das Risiko für den kombinierten kardiovaskulären Endpunkt um 25 % gesenkt werden. In der ASCEND-Studie seien außerdem meist keine Blutspiegel gemessen worden, so Klör. „Ohne Spiegelmessung haben die Daten keine Bedeutung.“ Nur mit einer Spiegel-bezogenen Auswertung seien Aussagen zur präventiven und therapeutischen Wirkung möglich. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

  1. The ASCEND Study Collaborative Group. Effects of n-3-fatty acid supplements in diabetes mellitus. N Engl J Med. 2018; 379: 1540–50.
  2. Bhatt DL, Steg PG, Miller M, et al.: Cardiovascular risk reduction with icosapent ethyl for hypertriglyceridemia. N Engl J Med 2019; 380: 11–22.

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Ingrid Mühlhauser
am Sonntag, 3. Februar 2019, 09:01

Titel ist nicht korrekt

Die berichtete randomisiert-kontrollierte Studie zeigt, dass für die Intervention Wirksamkeit nicht nachweisbar ist.
Es muss daher korrekterweise heißen: Evidenz für keinen Nutzen einer Nahrungsergänzung mit Fischölkapseln.
Auch gute randomisiert-kontrollierte Studien, die keinen statistisch signifikanten Effekt nachweisen können, liefern Evidenz!
"Keine Evidenz" bedeutet etwas anders als "Evidenz für keinen Nutzen"
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