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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische Nierenerkrankung: Frühe Revaskularisierung reduziert Tod und Herzinfarkt nicht

Eckert, Nadine

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Foto: Christoph Burgstedt/iStock
Foto: Christoph Burgstedt/iStock

Klinische Studien, die den Effekt einer Revaskularisierung bei Patienten mit stabiler Angina pectoris untersuchen, schließen Patienten mit fortgeschrittener chronischer Nierenerkrankung (CKD) häufig aus. Ein Begleitstudie der ISCHEMIA-Studie analysierte gezielt diese Patienten, zeigt aber keinen Vorteil einer frühen Revaskularisierung hinsichtlich Tod oder Herzinfarkt.

In der ISCHEMIA-CKD-Studie wurde bei 777 Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion (eGFR < 30 ml/min/1,73m2) und moderater bis schwerer Ischämie im Stresstest eine invasive Strategie (Koronarangiografie mit anschließender Revaskularisierung) mit einer medikamentösen Behandlung verglichen. In der Gruppe mit invasiver Strategie kam es nach median 2,2 Jahren bei 123 Patienten und in der Gruppe mit konservativer Strategie bei 129 Patienten zu Tod oder Herzinfarkt. Die geschätzten 3-Jahres-Ereignisraten dieses primären Endpunkts betrugen 36,4 % und 36,7 %. Die adjustierte Hazard Ratio (HR) von 1,01 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall (95-%-KI) von 0,79 bis 1,29 nicht signifikant.

Vergleichbare Resultate wurden für den wichtigsten sekundären Endpunkt (Tod, Myokardinfarkt und Kranken­haus­auf­enthalt wegen instabiler Angina pectoris, Herzinsuffizienz oder wiederbelebtem Herzstillstand) beobachtet. Die Ereignisrate betrug 38,5 % unter invasiver und 39,7 % unter konservativer Strategie (HR 1,01; 95-%-KI 0,79–1,29). Im Nachteil war die invasive Strategie hinsichtlich einer höheren Schlaganfallinzidenz (HR 3,76; 95-%-KI 1,52–9,32) und einer höheren Inzidenz des Endpunktes Tod oder Beginn der Dialyse (HR 1,48; 95-%-KI 1,04 bis 2,11). Dies schlug sich allerdings nicht in einer höheren Rate von Todesfällen nieder (94 vs. 98; HR 1,02; 95-%-KI 0,76–1,35).

Fazit: Die Autoren um Dr. Sripal Bangalore von der New York University Grossman School of Medicine schlussfolgern, dass eine invasive Strategie im Vergleich zu einer konservativen Strategie bei den untersuchten Patienten das Risiko für Tod oder Herzinfarkt nicht reduziert. Allerdings sei nur bei 50 % der Patienten in der invasiven Gruppe tatsächlich eine Revaskularisierung durchgeführt. Die im Vergleich zu ISCHEMIA hohe Inzidenz nicht obstruktiver Koronarerkrankungen könnte der höheren Prävalenz von Mikroangiopathien geschuldet sein. Nadine Eckert

Bangalore S, Maron DJ, O’Brien SM, et al.: Management of Coronary Disease in Patients with Advanced Kidney Disease. N Engl J Med 2020 Mar 30; doi: 10.1056/NEJMoa1915925.

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