ThemenNephrologieChronische Niereninsuffizienz: Die retinale Gefäßanalyse ist bei Dialysepatienten relevant für die kardiale Prognose
Nephrologie

Nephrologie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische Niereninsuffizienz: Die retinale Gefäßanalyse ist bei Dialysepatienten relevant für die kardiale Prognose

Gerste, Ronald D.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: picture alliance/Phanie
Foto: picture alliance/Phanie

In jüngster Zeit haben mehrere Arbeiten belegt, dass das Gefäßverhalten der kleinen Arterien und Venen in der Netzhaut des Auges – der einzigen Stelle im menschlichen Körper, an der Blutgefäße nichtinvasiv und ohne aufwendige Bildgebung in Aktion beobachtet werden können – Rückschlüsse auf die allgemeine Gefäßsituation des Patienten erlaubt und speziell seines kardiovaskulären Risikoprofils.

Bei der dynamischen Version der sogenannten retinalen Gefäßanalyse (Dynamic Vessel Analysis, DVA) werden die Veränderungen des Durchmessers bestimmter kleiner retinaler Arterien und Venen nach Stimulation mit einem optoelektrischen Flickerlicht quantifiziert.

Die mit der Methode nachweisbare mikrovaskuläre Dysfunktion ist nicht nur bei schwerkranken kardiologischen, sondern auch bei nephrologischen Patienten offenbar ein mit erhöhter Mortalität assoziierter Faktor: Die meisten Todesfälle bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz sind kardiovaskuläre Ereignisse.

In der deutsch-österreichischen ISAR-Studie (Risk Stratification in End-Stage Renal Disease) wurden 214 Dialysepatienten eines Durchschnittsalters von 62 Jahren mit der DVA untersucht. In der Beobachtungszeit von durchschnittlich 44 Monaten starben 55 Patienten, darunter 25 an letalen kardiovaskulären Ereignissen.

Die maximale venöse Dilatation (vMax) der kleinen Netzhautgefäße nach Lichtstimulation erwies sich als signifikanter unabhängiger Prädiktor für eine Mortalität jeglicher Ursache. Wer mit diesem Wert in der unteren Tertile lag, also in der Gruppe mit der geringsten Erweiterung der kleinen Netzhautvenen auf Lichtsimulus, hatte gegenüber jenen in der oberen Tertile deutlich geringere Chance eines 3-Jahre-Überlebens: 66,9 % gegenüber 92,4 % bei Patienten mit einer ausgeprägten Venenreaktion.

vMax und der entsprechende arterielle Parameter aMax waren in der Studie deutlich mit kardialer und nichtkardialer Mortalität assoziiert. Erstmals sei nachgewiesen worden, dass die DVA ein diagnostisches Tool zur Optimierung der Risikostratifizierung bei schwer nierenkranken Patienten und anderen Hochrisikogruppen ist, resümieren die Autoren.

Fazit: „Die Studie ist bemerkenswert und sie ist praxisrelevant“, erläutert Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Flammer, Leiter des Fachbereichs Herzinsuffizienz/Herztransplantation am Universitären Herzzentrum Zürich. „Die Studie zeigt einmal mehr, dass die retinalen Gefäße Auskunft über die Gefäße im ganzen Körper geben können – in diesem Falle sogar prognostische Information bei Dialysepatienten. Das Auge ist also nicht nur ein Fenster zum Herzen, sondern auch zur Niere.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Günthner R, Hanssen H, Heuser C, et al.: Impaired retinal vessel dilation predicts mortality in end-stage renal disease. Circ Res 2019; 124: 1796–807.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Zum Artikel

Coronakrise: Newsletter

Handlungsempfehlungen COVID-19

Handlungsempfehlungen COVID-19
Handlungs­empfeh­lungen für verschie­dene Fach­gebiete

Coronavirus

Ausgabe 22-23
01.06.2020

Ausgabe 21
22.05.2020

Ausgabe 20
15.05.2020

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...