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Medizin

Brustkrebs: Vorteile der Mammografie im hohen Alter fraglich

Montag, 9. September 2019

/dpa

Washington, D.C. – Eine erhöhte Morbidität und die verminderte Lebenserwartung schrän­ken den Nutzen der Mammografie zur Brustkrebsfrüherkennung mit steigendem Lebensalter zunehmend ein. In einer Kohortenstudie im Journal of the National Cancer Institute (JNCI 2019; doi: 10.1093/jnci/djz172) starben die meisten Frauen über 75 Jahre an anderen Ursachen.

Ein Team um Karla Kerlikowske vom Lombardi Comprehensive Cancer Center in Washing­ton, D.C. hat die Daten von 222.088 Frauen ausgewertet, die im Alter zwischen 66 und 94 Jahren mindestens einmal an einem von der US-Krankenkasse für Senioren Medicare angebotenem Mammografie-Screening teilgenommen hatten.

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Bei 7.583 Frauen wurde dabei ein inva­siver Brustkrebs und bei 1.742 ein duktales Karzi­nom in situ diagnostiziert. In den 10 Jahren nach der Diagnose starben 471 Frauen an Brustkrebs, aber 42.229 an anderen Ursachen.

Die Diskrepanz erklärt sich aus der mit zunehmendem Alter steigenden Mortalität. So starben von den Frauen im Alter von 66 bis 74 Jahren, die sich guter Gesundheit erfreu­ten (Charlson-Komorbiditätsindex, CCI 0), 10,4 % innerhalb der nächsten 10 Jahre an anderen Erkrankungen außer an Brustkrebs. Bei bereits bestehenden Erkrankungen (CCI ab 2) stieg die 10-Jahres-Sterberate auf 43,4 %.

Im Alter von 75 bis 84 Jahren starben von den gesunden Frauen (CCI 0) 29,8 % innerhalb von 10 Jahren außer an Brustkrebs. Bei einem CCI ab 2 stieg die Sterberate auf 61,7 %. Und gesunde Frauen (CCI 0) im Alter von 85 bis 94 Jahren starben zu 60,3 % in den nächsten 10 Jahren. Bei einer erhöhten Morbidität (CCI ab 2) stieg die Sterberate auf 84,8 %.

Vor diesen Zahlen tritt das Sterberisiko an einem Mammakarzinom immer mehr in den Hinter­grund. Dieses um so mehr, als die Inzidenz des invasiven Mammakarzinoms im hohen Alter nicht weiter zunahm. Sie ging sogar leicht zurück. In der Altersgruppe von 66 bis 74 Jahren kam es bei 4 % innerhalb der nächsten 10 Jahre zu Brustkrebs. Insgesamt nur 0,2 % der Frauen starben in dieser Altersgruppe  an einem Mammakarzinom.

Frauen im Alter von 85 bis 94 Jahren erkrankten in den folgenden 10 Jahren zu 2,7 % an Brustkrebs. Nur bei 0,3 % war der Brustkrebs die Todesursache. Hinzu kommt, dass die erhöhte Komorbidität das Risiko auf einen Tod  an einem Mammakarzinom nicht erhöhte, wohl aber das Risiko auf einen Tod aus anderen Gründen. Deshalb nahm die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mammografie-Screening Frauen vor einem Tod an Brustkrebs schützt, mit steigendem Alter immer weiter ab.

In Deutschland wird Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr die Teilnahme am Nationalen Mammogrphie Screening Programm angeboten. Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie rät auch älteren Frauen zur Teilnahme an Früherkennungs­maßnahmen, wenn sie ein erhöhtes Risiko haben und ihr Gesundheitsstatus eine mehr als 10-jährige Lebenserwartung vermuten lässt. © rme/aerzteblatt.de

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