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Medizin

Bluttest misst traumatische Stresserlebnisse in Kindheit und Jugend

Dienstag, 5. November 2019

/mario beauregard, stock.adobe.com

Durham – Misshandlungen und Gewalt an Kindern und Jugendlichen führen zu einer chronischen Entzündungsreaktion im Körper, die laut einer Studie in JAMA Pediatrics (2019; doi: 10.1001/jamapediatrics.2019.3875) am Übergang zum Erwachsenenalter durch einen Bluttest gemessen werden kann.

Die zunehmenden sozioökonomischen Unterschiede in vielen Ländern, Flüchtlingskrisen und der Klimawandel haben zur Folge, dass Kindheit und Jugend für immer mehr Men­schen mit körperlicher und seelischer Gewalt verbunden sind. Die traumatischen Erleb­nisse können mentale und körperliche Krankheiten im Erwachsenenalter zur Folge haben, deren gemeinsamer Nenner eine erhöhte Entzündungsreaktion im Körper ist. Die bisheri­gen Biomarker CRP (C-reaktives Protein) und IL 6 (Interleukin 6) sind nicht in der Lage, die betroffenen Personen zu identifizieren.

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Ein Team um Hartmann Rasmussen von der Duke University in Durham hat deshalb nach einem besseren Biomarker für die gesundheitlichen Folgen traumatischer Erlebnisse in Kindheit und Jugend gesucht. Die Forscher haben dazu die Daten der Environmental Risk Longitudinal Twin Study ausgewertet, die seit 1994/95 eine Gruppe von Zwillingen aus verschiedenen Gruppen der britischen Bevölkerung begleitet.

Die Heranwachsenden wurden im Alter von 5, 7, 10, 12 und zuletzt 18 Jahren nach 20 ver­schiedenen traumatischen Erlebnissen befragt. Dazu gehörten körperlicher, sexueller und emotionaler Missbrauch und verschiedene Formen der Vernachlässigung im Kindes­alter sowie negative Erfahrungen als Teenager.

Im Alter von 18 Jahren wurden bei den Teilnehmern Blutproben entnommen. Dort wurde neben CRP und IL 6 auch der lösliche Urokinase-Plasminogen-Aktivator-Rezeptor (suPAR) bestimmt. Es handelt sich um ein Membranprotein von Abwehrzellen, das bei einer er­höhten entzündlichen Aktivität ans Plasma abgegeben wird.

Gewalterlebnisse waren keineswegs selten: 213 Kinder (15,3 %) waren der Gewalt durch Intimpartner der Mutter oder des Vaters ausgesetzt, 354 Kinder (25,4 %) wurden von Gleichaltrigen gemobbt oder waren in Kindheit und Jugend Straßenkriminalität ausge­setzt. 129 Kinder hatten gleich mehrere Arten von Gewalt erlebt.

Diese Erfahrungen hinterließen Spuren in den 3 Entzündungsparametern, von denen su­PAR sich als der zuverlässigste Biomarker erwies. Jede negative Kindheitserfahrung er­höhte die suPAR-Konzentration um 0,03 ng/ml, bei schwerwiegenden kindlichen Miss­handlungen stieg der Serumwert um 0,09 ng/ml pro Trauma. Negative Erfahrungen im Jugendalter erzeugten einen Anstieg um jeweils 0,04 ng/ml. Die 95-%-Konfidenzin­ter­valle waren weit und im Fall der Jugenderlebnisse nicht signifikant.

Dennoch könnte der Biomarker für die Beurteilung der gesundheitlichen Folgen von traumatischen Erlebnissen herangezogen werden, meint Rasmussen. Die Kombination mit CRP und IL 6 könne die Beurteilung weiter erleichtern. Es fehlt allerdings noch die Bestätigung aus anderen Kohortenstudien, wobei der Bluttest sicherlich nicht die psychi­atrische Anamnese ersetzen kann. Schließlich müsste noch untersucht werden, ob der Bio­marker tatsächlich mit einer erhöhten körperlichen und mentalen Morbidität im Er­wachsenenalter verbunden ist. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #723317
mlMwiGw8
am Mittwoch, 6. November 2019, 20:23

Bluttest misst traumatische Stresserlebnisse

Frage:
Sind in der Studie auch praenatale Stresssiutuationen berücksichtigt? Gibt es hierzu Studien?
LNS

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