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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Epilepsie und Schwangerschaft: Bei ungeplanter Schwangerschaft doppelt so viele Fehlgeburten wie bei geplanter

Dtsch Arztebl 2018; 115(46): A-2127 / B-1761 / C-1739

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: kjekol/iStock
Foto: kjekol/iStock

Die Prävalenz für eine Epilepsie wird auf 0,5–1 % geschätzt. Bei vielen Patienten beginnt die Erkrankung in der Kindheit oder Jugend. Fragestellung einer Auswertung des Epilepsy Birth Control Registry im US-Bundesstaat Massachusetts war, wie hoch das Risiko für eine spontane Fehlgeburt bei ungeplanten vs. geplanten Schwangerschaften von Frauen mit Epilepsie ist.

Zwischen 2010 und 2014 machten 1 144 Frauen mit Epilepsie (18–47 Jahre) Angaben zu 951 Schwangerschaften. Komplette Daten lagen von 794 Schwangerschaften vor, davon waren 530 ungeplant (66,8 %) und 264 geplant (33,2 %).

653 Schwangerschaften wurden nicht abgebrochen. Das Risiko für eine Fehlgeburt, der primäre Endpunkt der Studie, war mit 137 Fehlgeburten von 391 ungeplanten Schwangerschaften deutlich höher als bei geplanten Schwangerschaften (43 von 262; 35 % Fehlgeburten bei ungeplanten Schwangerschaften vs. 16,4 % bei geplanten; Risk Ratio [RR]: 2,14; p < 0,001). Das Risiko für einen spontanen Verlust des Kindes war in der Altersgruppe der jüngeren Schwangeren (18–27 Jahre) im Vergleich zu älteren (38–47 Jahre) um 43 % niedriger (RR: 0,57; p < 0,004). Bei den 28–37-Jährigen lag das Risiko für eine Fehlgeburt um 60 % unter dem der Frauen von 38–47 Jahren (RR: 0,40; p < 0,001). Risikoreduzierend wirkte auch ein Abstand von mindestens 1 Jahr zu früheren Schwangerschaften (22,8 % Fehlgeburten vs. 45,9 % bei kürzerem Intervall).

Fazit: Bei ungeplanten Schwangerschaften von Frauen mit Epilepsie ist das Risiko für eine Fehlgeburt circa doppelt so hoch wie bei geplanten Schwangerschaften. Als mögliche Gründe dafür nennen die Autoren, dass bei einer geplanten Schwangerschaft die Dosierungen der Antiepileptika optimal an die Empfehlungen für schwangere Frauen angepasst werden können und eine Supplementierung mit Folsäure schon vor Konzeption erfolgen kann. Auf der anderen Seite sollte bei Frauen, die hormonell verhüten, berücksichtigt werden, dass bestimmte Antiepileptika enzyminduzierende Effekte haben und die Wirkung hormoneller Verhütung vermindern.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Herzog AG, Mandle HB, et al.: Association of unintended pregnancy with spontaneous fetal loss in women with epilepsy findings of the epilepsy birth control registry. JAMA Neurology 2018; doi: 10.1001/jamaneurol.2018.3089.

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