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Schwangerschaft und Geburt

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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Familienplanung nach einer Fehlgeburt: Schnell eintretende Folgeschwangerschaft ist nicht mit erhöhtem Risiko assoziiert

Dtsch Arztebl 2019; 116(23-24): A-1185 / B-981 / C-969

Leinmüller, Renate

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Foto: noipornpan/iStockphoto
Foto: noipornpan/iStockphoto

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) empfiehlt Frauen im Anschluss an eine Totgeburt, erst nach Ablauf von 2 Jahren eine erneute Schwangerschaft anzustreben. Ob dieses lange Intervall medizinisch sinnvoll ist oder auch ein kürzerer Zeitabstand ohne negative Folgen für die nachfolgend geborenen Kinder bleibt, beantwortet eine retrospektive Kohortenstudie.

Die WHO (1) stützt sich bei der Empfehlung auf die Hypothese, bei einem zu kurzen Intervall könnte der Körper der Mutter in spe noch „ausgelaugt“ sein – und eine Unterversorgung des Feten in der nachfolgenden Gravidität drohen. Die Autoren werteten deshalb gezielt die relative Wahrscheinlichkeit (Odds Ratio [OR]) aus für eine erneute Totgeburt, für Frühgeburtlichkeit und für „small for gestational age“-(SGA-)Neugeborene (2).

Basis der Auswertung waren Daten aus Geburtenregistern von Finnland, Norwegen und Westaustralien über jeweils mehr als 30 Jahre. Es gingen nur Einlingsgeburten von Frauen ein, bei denen zuvor ein intrauteriner Fruchttod nach der 22. Schwangerschaftswoche (SSW) diagnostiziert worden war.

Insgesamt wurden 14 452 Fälle ermittelt. Der mediane Abstand zur vorausgegangenen Totgeburt lag bei 9 Monaten, fast 2 Drittel der Frauen (63 %) konzipierten innerhalb von 12 Monaten. 98 % der Einlinge wurden lebend geboren, 18 % davon als Frühgeburten, 9 % als SGA-Kinder. Der Anteil von Totgeburten lag bei 2 %.

Die Zeitintervalle zwischen den Schwangerschaften wurden in 5 Kategorien analysiert (< 6, 6–11, 12–23, 24–59, > 59 Monate). Verglichen mit einem Zeitfenster von 2 Jahren und mehr ergab sich bei den Zielparametern kein Unterschied für die Einlinge, die bereits nach weniger als 12 Monaten konzipiert wurden. An diesem Ergebnis änderte sich auch nach Adjustierung auf das müttlerliche Alter, die Anzahl vorausgegangener Graviditäten und den unterschiedlichen Jahrzehnten nichts.

Fazit: Frauen mit einer Totgeburt in der unmittelbaren Anamnese müssen keine negativen Auswirkungen auf eine weitere Gravidität befürchten, wenn diese schon 6 Monate später eintritt.

„Für die betroffenen Paare ist ein intrauteriner Fruchttod beziehungsweise eine Totgeburt ein extrem traumatisches Erleben und bleibt wie ein Damoklesschwert über einer nächsten Schwangerschaft hängen“, kommentiert Prof. Dr. med. Wolfgang Würfel aus München. „Umso wichtiger ist es, den Paaren für weitere Schwangerschaften Sicherheit geben und weitverbreitete Ängste nehmen zu können. Aus dieser Studie ergibt sich die beruhigende Erkenntnis, dass eine schnell eintretende Folgegravidität nicht mit einem erhöhten Risiko für eine erneute Totgeburt assoziiert ist.“

Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

  1. Report of a WHO technical consultation birth spacing: Geneva, Switzerland 13–15 June 2005. World Health Organization, 2007. http://apps.who.int/iris/handle/10665/69855.
  2. Regan AK, Gissler M, Magnus MC, et al.: Association between interpregnancy interval and adverse birth outcomes in women with a previous stillbirth: an international cohort study. Lancet 2019; 393: 1527–35.

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