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Medizin

Schwere Schwangerschafts­komplikationen nach künstlicher Befruchtung häufiger

Mittwoch, 6. Februar 2019

/Dmytro Sukharevskyi, stockadobecom

Montreal – Frauen, die mithilfe einer In-vitro-Fertilisation (IFV) schwanger werden, haben einer Kohortenstudie im Canadian Medical Association Journal (2019; 191: E118-E127) zufolge ein erhöhtes Risiko auf schwere Schwangerschaftskomplikationen, die in einer Propensity-Score-Analyse nicht auf bekannte Ursachen zurückgeführt werden konnten.

Schwere maternale Komplikationen, von starken postpartalen Blutungen, die Infusionen oder eine Hysterektomie erforderlich machen, über ein Kindbettfieber bis hin zum Tod der Mutter, sind in entwickelten Ländern sehr selten geworden. In Ontario liegt die Rate bei 14,9 auf 1.000 Entbindungen, die auf einer natürlichen Zeugung beruhen. Bei Frauen, die nach künstlicher Befruchtung schwanger werden, beträgt die Rate 32,3 auf 1.000 Entbindungen, also mehr als das Doppelte (relatives Risiko 2,17; 1,96-2,40), wie Natalie Dayan vom McGill University Health Centre in Montreal und Mitarbeiter in einer Analyse von Daten der staatlichen Kran­ken­ver­siche­rung des kanadischen Teilstaats herausgefunden haben. Auch die Zahl der Frauen, die in den ersten 42 Tagen nach der Geburt starben, war mit 0,3 auf 1.000 gegenüber 0,2 auf 1.000 Frauen tendenziell höher (relatives Risiko 1,54; 0,57-4,20).

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Für diese höhere Rate von Schwangerschaftskomplikationen gibt es eine Reihe von Gründen, die nichts mit der assistierten Reproduktion zu tun haben. Frauen, die sich den Kinderwunsch mittels IVF erfüllen, sind im Durchschnitt älter und sie sind (deshalb) häufiger fettleibig, haben häufiger eine Hypertonie und einen Typ-2-Diabetes. Sie haben häufiger Fehlgeburten hinter sich und es kommt – infolge der Implantation mehrerer Embryonen – häufiger zu Mehrlingsschwangerschaften. Alle diese Faktoren erklären, warum Schwangerschaften nach einer IVF häufiger zu Komplikationen führen. 

Diese bekannten Risiken lassen sich – sofern in den Versichertendaten erfasst – in einer Propensityanalyse berücksichtigen. Diese Analyse vergleicht streng genommen nur Frauen mit gleichen Ausgangsrisiken, was Dayan recht gut gelungen ist. Sie berücksichtigte dabei auch einige Faktoren, die nach einer IVF für einen günstigeren Verlauf der Schwangerschaft sprechen: Die Frauen, die sich an eine IVF-Klinik gewandt hatten, waren deutlich seltener Raucherinnen und sie lebten in besseren Wohn­gegenden (mit einer vermutlich besseren medizinischen Infrastruktur).

Doch auch nach der Propensityanalyse blieb es bei einer erhöhten Rate von schweren Schwangerschaftskomplikationen von 30,8 pro 1.000 Entbindungen gegenüber 22,2 pro 1.000 Entbindungen in der Kontrollgruppe der Entbindungen nach natürlicher Befruchtung. Dayan ermittelt ein relatives Risiko von 1,39 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,23 bis 1,56). Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau 3 oder mehr Indikatoren für eine schwere maternale Morbidität aufwies, war nach den Berechnungen mehr als doppelt so hoch (Odds Ratio 2,28; 1,56-3,33).

Auch dies ist kein Beweis dafür, dass die IVF für die schweren Schwangerschafts­komplikationen verantwortlich ist. Es könnte sein, dass die in der Regel nicht bekannten Gründe für eine Infertilität der Mutter auch für den schweren Verlauf der Schwangerschaft verantwortlich ist (die „Natur“ könnte gegen eine Schwangerschaft sein). Diese Interpretation wird jedoch durch eine weitere Beobachtung relativiert. Frauen, die mittels nichtinvasiver Methoden, etwa durch intrauterine Insemination, schwanger wurden, hatten laut Dayan kein erhöhtes Risiko auf schwere Schwangerschaftskomplikationen (Odds Ratio 0,99; 0,57-1,72).

Damit stellt sich die Frage, ob bestimmte Bestandteile der IVF, etwa die ovarielle Überstimulation oder die Übertragung von älteren Embryonen (aufgetaut nach Kryokonservierung), für die Komplikationen mitverantwortlich sind. Dies sollte nach Ansicht von Dayan in weiteren Studien geklärt werden.

Aufgrund der geringen Inzidenz von schweren Komplikationen stellt die Studie die Sicherheit der assistierten Reproduktion insgesamt nicht infrage. Sie liefert aber Argumente für eine gezielte Vorbereitung auf die Behandlung. Frauen sollten sich vor der Behandlung medizinisch untersuchen und bekannte Risikofaktoren wie Hypertonie oder Typ-2-Diabetes behandeln lassen. Auch eine gesunde Lebensweise mit Bewegung und ausgewogener Ernährung könnte helfen, auch wenn dies in Studien bisher offenbar kaum untersucht wurde. Es soll aber schon vorgekommen sein, dass die Frauen dann plötzlich keine IVF mehr benötigten. © rme/aerzteblatt.de

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