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Ausland

Bessere Entwicklung bei sinkenden Kinderzahlen in Afrika

Mittwoch, 12. Juni 2019

/Riccardo Niels Mayer, stock.adobe.com

Berlin – „Überall dort, wo Wohlstand herrscht, sinkt die Kinderzahl.“ Auf diese einfache Formel bringt es der Direktor des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, Reiner Klingholz. Er stellte zusammen mit Mitautorin Alisa Kaps eine vom Auswärtigen Amt unterstützte Studie vor, die zeigt, wie es einige afrikanische Länder in den ver­gan­genen Jahren geschafft haben, das enorme Bevölkerungswachstum zu bremsen – ohne staatliche Geburtenkontrolle. Sie haben auf gezielte Investitionen gesetzt, vor allem in Gesundheit, Bildung und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.

Während Frauen in Tunesien in den 1960er-Jahren noch etwa sieben Kinder zu Welt brachten, sind es danach heute nur noch 2,2. In Äthiopien liegt die Geburtenziffer mit vier Kindern zwar deutlich höher als in dem nordafrikanischen Land. Das zweitbevöl­ke­rungsreichste Land Afrikas schaffte aber in den Zeit zwischen 1995 und 2015 den schnellsten Fertilitätsrückgang auf dem Kontinent.

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Damit dürfte es, so die Autoren, 2035 den „demografischen Bonus“ erreichen, von dem Tunesien schon profitiert. Das bedeutet, dass der Wirtschaft mit den letzten ge­burtenstarken Jahrgänge überproportional viele potenzielle Arbeitskräfte zur Verfü­gung stehen, die nur wenige Kinder zu versorgen haben.

Ähnliche Entwicklungen gibt es danach in den Ländern Kenia, Botsuana, Ghana, Se­negal und Marokko. Sie alle haben einen raschen Rückgang der Kinderzahlen erlebt, was sich den Autoren zufolge positiv auf ihre Entwicklungschancen auswirkt. Unter den richtigen Rahmenbedingungen lasse sich der „demografische Bonus“ in einen Entwicklungsschub übersetzen, in eine „demografische Dividende“, so Klingholz.

Neben einer besseren Gesundheitsversorgung, Schulbesuch und Schaffung von Arbeitsplätzen gehört dazu laut Studie auch der Zugang zu Methoden der Familienpla­nung sowie mehr Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Es zeige sich dabei, wie wichtig gerade der Schulbesuch für Mädchen sei. „Gebildete Frauen bekommen weniger Kinder“, sagte Klingholz.

Er appellierte an die Verantwortlichen, die steigenden Geburtenzahlen nicht auszu­blen­­den, sondern die Herausforderungen anzusprechen, um dann nach Möglichkeiten zu suchen, das Bevölkerungswachstum „demokratisch und menschenwürdig“ zu redu­zieren. „Wie viele Kinder sich die Menschen wünschen und bekommen, ist ein sensib­les und sehr privates Thema“, sagte Klingholz. Es werde aber zu einem gesamtgesell­schaftlichen und politischen Thema, wenn dadurch die Entwicklung ganzer Staaten beeinflusst werde. Nicht zuletzt bedeuteten steigende Bevölkerungszahlen in den Ländern auch steigende Migrationszahlen.

In den asiatischen Tigerstaaten habe sich dadurch eine Dynamik entfaltet, die breiten Teilen der Bevölkerung zu einem höheren Lebensstandard verholfen habe. Sie hätten eine „demografische Dividende“ eingefahren. Einer staatlich verordneten Geburten­kontrolle erteilte Klingholz indes eine Absage.

Unstrittig ist: Bleibt es in Afrika bei dem hohen Bevölkerungswachstum, stellt das enorme Herausforderungen für den Kontinent dar. Eine solche Entwicklung würde es laut Klingholz zunehmend schwerer machen, die nachwachsenden Generationen mit dem Nötigsten zu versorgen.

Derzeit könnten bereits mehr als 37 Millionen Grundschulkinder in Afrika nicht zur Schule gehen, und mit jedem Jahr erreichten weitere fünf Millionen Kinder das Alter, in dem sie eingeschult werden sollten. Selbst wenn sie die Schule abschlössen, warte schon die nächste Hürde: Jährlich wachse die Gruppe der jungen Erwerbsfähigen zwischen 15 und 35 Jahren um 10 bis 12 Millionen, während im gleichen Zeitraum für den gesamten Kontinent nur etwa drei Millionen formale Arbeitsplätze neu entstehen. © kna/aerzteblatt.de

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