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Medizin

Größerer Abstand zwischen Geburten senkt Kindersterblichkeit in armen Ländern

Donnerstag, 4. Juli 2019

 Mädchen schmiegt sich an den Bauch der schwangeren Mutter. /Sian, AdobeStock.com
In einigen Entwicklungsländern ließe sich die Hälfte aller Todesfälle bei Säuglingen vermeiden, würde die Zeitspanne zwischen den Geburten zweier Geschwisterkinder von 12 auf 24 Monate erhöht. /Sian, AdobeStock.com

Rostock – In den ärmsten Ländern dieser Welt hängen die Überlebenschancen eines Kindes maßgeblich davon ab, wie viel Zeit zwischen seiner Geburt und der Geburt des nächsten Kindes liegt. Teilweise kann bereits eine Pause von zwei Jahren die Säuglingssterblichkeit halbieren, wie das Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock in einer Studie in Demography mitteilte (2019; doi: 10.1007/s13524-019-00798-y). In reichen Ländern mit geringer Säuglingssterblichkeit hat die Geburtsintervalle dagegen keinen Einfluss auf die Überlebenschancen der Kinder.

In einer internationalen Vergleichsstudie analysierten Forscher um Kieron Barclay gemeinsam mit schwedischen Kollegen Daten aus insgesamt 77 Ländern. Ihr Datensatz umfasste circa 1,15 Millionen Frauen, die 4,56 Millionen Kinder auf die Welt gebracht hatten. Von diesen 4,56 Millionen Kinder sind etwa 370.000 im ersten Lebensjahr gestorben.

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Im Durchschnitt der Länder nimmt bis zu einem Geburtsintervall von 3 Jahren die Wahrscheinlichkeit stark ab, dass ein Kind im ersten Lebensjahr stirbt. Bei längeren Intervallen setzte sich dieser Trend zwar fort, allerdings viel langsamer.

Dies steht Barclay zufolge ein stückweit im Widerspruch zu der Empfehlung der WHO, die eine Pause von 3 bis 5 Jahren zwischen 2 Geburten empfiehlt. „Unseren Erkenntnissen zufolge reichen 3 Jahre vollkommen aus, um die Sterblichkeit massiv zu senken“, so Barclay. „Nach dieser Zeitspanne sind die Vorteile eines längeren Abstandes nicht mehr so groß, aber das Risiko der Kindersterblichkeit nimmt bis zu Intervallen von 5 Jahren und länger weiter ab.“

Stärkster Effekt bei hoher Säuglingssterblichkeit

Am stärksten macht sich der Effekt in den ärmsten Ländern bemerkbar, in denen die Säuglingssterblichkeit sehr hoch ist. In manchen Regionen erreichen 10 % der lebend geborenen Kinder den 1. Geburtstag nicht. Dort halbiert eine Verlängerung des Geburtsintervalls von einem auf 2 Jahre die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind in seinem 1. Lebensjahr stirbt, wie die Forscher herausfanden.

So kann das Stillen dazu beitragen, dass die Geburtsintervalle verlängert werden, was die Kindersterblichkeit ebenfalls senkt. Kieron Barclay, Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass es in den ärmsten Ländern der Welt ein großes Potenzial gibt, die Kindersterblichkeit zu senken“, sagt Joseph Molitoris, Mitautor der Studie von der Universität Lund. „Weltweit werden mehr als 30 % der Kinder innerhalb von 2 Jahren nach ihrem älteren Geschwister geboren.“ Und Barclay ergänzt: „Unsere Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig das Geburtsintervall für die Überlebenschancen der älteren Geschwister ist. Wir hoffen, dass wir mit diesen Ergebnissen lokale Gesundheitsbehörden und Hilfsorganisationen darin unterstützen können, Maßnahmen gegen die Kindersterblichkeit zu erarbeiten.“

Eine solche Maßnahme könnte laut Barclay die Empfehlung sein, lange zu stillen: „Wenn man Mütter zum Stillen ermutigt, kann das durch eine optimale Ernährung der Säuglinge die Kindersterblichkeit direkt senken. Und wenn eine Frau 6 Monate lang ausschließlich stillt, reduziert sich zudem die Wahrscheinlichkeit, dass sie schwanger wird. So kann das Stillen dazu beitragen, dass die Geburtsintervalle verlängert werden, was die Kindersterblichkeit ebenfalls senkt.“ © nec/afp/aerzteblatt.de

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