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Medizin

Chlamydien in Hoden nachgewiesen – Mögliche Ursache einer Infertilität

Donnerstag, 10. Oktober 2019

/dpa

Brisbane – Australische Forscher haben erstmals Chlamydien im Hoden von Menschen gefunden. Der Nachweis gelang laut dem Bericht in Human Reproduction (2019; doi: 10.1093/humrep/dez169) bei Männern, die zur Diagnose einer Infertilität oder im Rahmen einer Fruchtbarkeitsbehandlung biopsiert wurden. Aufgrund einer hohen Prä­va­lenz vermuten die Forscher, dass die Chlamydien Ursache der Infertilität sein könnten.

Etwa 40 % aller nicht erfüllten Kinderwünsche sind auf eine Unfruchtbarkeit des Mannes zurückzuführen. Eine Ursache wird, außer in den Fällen, in denen die Samenstränge ver­legt sind, selten gefunden. Zu den aktuellen Verdächtigen zählt Chlamydia trachomatis.

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Das intrazellulär lebende Bakterium ist ein bekannter Auslöser für die Unfruchtbarkeit von Frauen. Bei Männern wird ein Zusammenhang diskutiert, weil mit C. trachomatis bei männlichen Mäusen eine Unfruchtbarkeit ausgelöst werden kann. Bei den Tieren infiziert C. trachomatis die Hoden, was eine verminderte Produktion und Motilität der Spermien zur Folge hat.

Ein Team um Kenneth Beagley von der Queensland University of Technology in Brisbane hat die Bakterien jetzt erstmals im menschlichen Hoden nachgewiesen. Die Forscher un­ter­suchten 95 archivierte Biopsien, die bei Männern zur Abklärung einer Infertilität durch­ge­führt worden waren. Mit immunhistochemischen Methoden konnten sie zunächst in 43 Präparaten das Oberflächenprotein MOMP anfärben.

Dies bedeutet, dass fast die Hälfte der Patienten (45,3 %) mit C. trachomatis infiziert wa­ren. In allen Proben wurde auch der Repli­kationsmarker TC0500 gefunden. Dies deutet darauf hin, dass zum Zeitpunkt der Biopsie eine aktive Infektion vorlag.

Die Forscher untersuchten daraufhin 18 frische Gewebeproben, die für eine intrazytoplas­matische Spermieninjektion (ICSI) entnommen worden waren. In 3 Proben wurde die DNA von C. trachomatis nachwiesen. Die Rate von 16,7 % war möglicher­weise deshalb gerin­ger als in den diagnostischen Biopsien, weil bei mehreren Patienten bekannte Ursachen für die Infertilität vorlagen.

Bei 12 der 18 ICSI-Patienten (66,7 %) wurden Chlamydia trachomatis-spezifische Antikör­per im Serum gefunden. Dies zeigt, dass die Männer dem Bakterium ausgesetzt waren. Alle waren asymptomatisch und gaben an, dass bei ihnen keine sexuell übertragbarere Erkran­kung diagnostiziert worden war.

Der Nachweis von C. trachomatis allein belegt noch nicht, dass die Infektion für die Infer­tilität verantwortlich war. Der Studie fehlte eine Kontrollgruppe von gesunden Männern ohne Fertilitätsprobleme. Diese dürften allerdings nicht ohne weiteres bereit sein, sich zu Forschungszwecken einer Biopsie zu unterziehen. © rme/aerzteblatt.de

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