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Medizin

RNAi-Therapeutikum könnte Präeklampsie kurieren

Mittwoch, 21. November 2018

/Swapan, stockadobecom

Boston – Die einmalige Injektion eines RNAi-Therapeutikums, das in der Plazenta die Bildung des Proteins sFlt1 stoppt, hat bei Pavianen die Symptome einer Präeklampsie gelindert. Es kam allerdings laut dem Bericht in Nature Biotechnology (2018; doi: 10.1038/nbt.4297) zu einer Abnahme des Geburtsgewichts, weshalb die neuartige Therapie noch nicht für klinische Studien infrage kommt.

Zwischen 2 und 8 % aller Schwangeren entwickeln ab etwa der 20. Gestationswoche eine Kombination aus Hypertonie und Proteinurie und eventuell auch Ödemen, die Gesundheit und Leben von Mutter und Kind gefährden. Da es derzeit keine überzeugende Therapie für diese EPH-Gestose oder Präeklampsie gibt, bleibt in schweren Fällen nur eine vorzeitige Einleitung der Geburt. Die Präeklampsie ist in den USA jedes Jahr für 100.000 Frühgeburten und mehr als 10.000 Todesfällen bei Säuglingen verantwortlich.

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Auslöser der Präeklampsie ist nach heutigem Kenntnisstand die Freisetzung vom sFlt-1 (für „soluble Fms-like thyrosinkinase-1“) aus der Plazenta. Dafür spricht, dass sich die Frauen nach der Geburt rasch erholen – zeitgleich zum Abfall der sFlt-1-Konzentration in ihrem Blut. Vor der Geburt können die Symptome auch durch die Entfernung von sFlt-1 aus dem Blut gelindert werden. Dies ist mit einer Apherese möglich, die allerdings aufwändig ist und deshalb in der Regelversorgung nicht angeboten wird.

Die Forschung sucht seit einiger Zeit nach Alternativen zur Apherese. Experimente mit kleinen Molekülen oder Antikörpern, die sFlt-1 im Blut binden, verliefen jedoch erfolglos. Diese Mittel können sFlt-1 nicht von Flt-1 unterscheiden. Dies kann zu Komplikationen führen, weil Flt-1 als „Vascular endothelial growth factor receptor 1“ wichtige Funktionen im Körper hat, die nicht blockiert werden dürfen.

Diese Gefahr besteht nicht bei einem RNAi-Therapeutikum. Es handelt sich um kleine RNA-Moleküle (siRNA), die auf der Ebene der Messenger-RNA die Bildung von Proteinen verhindern. Damit lässt sich die Expression von sFlt-1 stoppen, während Flt-1 weiter produziert wird.

Das Problem besteht nur darin, die siRNA in die Zellen der Plazenta zu transportieren. Einem Team um Anastasia Khvorova von der UMass Medical School in Worcester und Ananath Karumanchi von der Harvard Medical School in Boston ist dies durch Verbindung der  siRNA mit einem Cholesterin-Molekül gelungen, das von den Zellen der Plazenta aufgenommen wird.

Die Forscherinnen haben die Behandlung an Pavianen erprobt, bei denen durch Abbinden der Uterusarterie eine Präeklampsie ausgelöst werden kann. Dies führt zur vermehrten Freisetzung von sFlt-1, was vermutlich ein Versuch der Plazenta ist, ihre Blutversorgung Durchblutung durch eine Steigerung des mütterlichen Blutdrucks zu verbessern.

Eine einzige Behandlung der Paviane mit dem siRNA führte zu einem raschen Abfall der sFlt-1-Konzentrationen im Blut. Der Blutdruck der Tiere normalisierte sich und die Proteinurie ging zurück. Die Kinder der Paviane waren bei der Geburt gesund, das Geburtsgewicht war allerdings etwas niedriger als normalerweise bei Pavianen.

Khvorova und Karumanchi führen dies auf einen zu starken Abfall des Blutdrucks zurück. Sie hoffen, den Nachteil durch eine Senkung der Dosis vermeiden zu können. Ob dies gelingt und ob es zu klinischen Studien kommt, bleibt abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

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