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Säuglings­sterblichkeit bei Indigenen in Brasilien gestiegen

Dienstag, 3. März 2020

/dpa

Rio de Janeiro – Die Säuglingssterblichkeit in indigenen Gemeinschaften in Brasilien ist im vergangenen Jahr um 12 Prozent gestiegen. Mit 530 Fällen erreichte sie den höchsten Wert seit 2012, wie das Nachrichtenportal UOL gestern berichtete.

Nachdem ab 2013 Hunderte kubanische Ärzte mit der medizinischen Betreuung der Indi­genen begonnen hatten, war die Sterblichkeitsrate zuletzt kontinuierlich gesunken. Ende 2018 war das Ärzteprogramm nach Unstimmigkeiten zwischen Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro und der kubanischen Regierung jedoch eingestellt worden.

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Die Zahl von 530 Fällen bezieht sich auf den Zeitraum von Januar bis September 2019, dem letzten Monat, für den offizielle Zahlen vorliegen. Die Zahl für das gesamte Jahr 2019 könnte damit also noch höher liegen. 2012 waren 545 Fälle für den Zeitraum Januar bis September gemeldet worden. Nach­dem kubanische Ärzte ab 2013 in die Indigenen­dörfer entsandt wurden, sank der Durch­schnitt auf 470 Fälle pro Jahr.

Insgesamt haben 301 kubanische Ärzte im Rahmen des Ärzteprogramms „Mais Medicos“ (Mehr Ärzte) in den Indigenengebieten gearbeitet. Damit stellten sie rund 55 Prozent der dort tätigen Ärzte.

Nach deren Abzug Ende 2018 blieben zahlreiche Gesundheitsposten unbesetzt. Erst im Laufe des Jahres 2019 gelang es der Regierung, einen Teil der offenen Stellen mit brasili­a­nischen Ärzten zu besetzen. Laut Informationen von indigenen Organisationen sind immer noch zahlreiche Posten un- oder unterbesetzt.

In 18 von 35 „indigenen Gesundheitsdistrikten“ stieg 2019 die Zahl der toten Säuglinge an, in fünf der Distrikte auf mehr als das Doppelte gegenüber 2018. Die höchste Zahl toter Säuglingen wurde im Gebiet der Yanomami-Indigenen im Norden Brasiliens gezählt (97). Insgesamt liegt die Säuglingssterblichkeit bei Indigenen mehr als doppelt so hoch wie bei der restlichen Bevölkerung.

Brasiliens damalige Präsidentin Dilma Rousseff von der linken Arbeiterpartei PT (Partido dos Trabalhadores) hatte das Programm „Mais Medicos“ 2013 gestartet. Mit ihm sollte die Gesundheitsversorgung in unterversorgten Regionen gesichert werden. Allerdings führte die Präsenz der Kubaner zu Protesten brasilianischer Ärzte, die an deren Qualifikation zweifelten.

Im Wahlkampf 2018 hatte der damalige Kandidat Bolsonaro versprochen, die Kubaner im Fall seines Wahlsieges zurückzuschicken. Er kritisierte, dass 70 Prozent des Gehalts der Ärzte an die kubanische Regierung überwiesen wurden. Dies sei Sklaverei. Zudem be­zeichnete er die Kubaner als unqualifiziert. Die Regierung in Havanna hatte die Zu­sammen­arbeit nach Bolsonaros Wahlsieg im Oktober 2018 aufgekündigt.

Im Dezember 2019 nahm Bolsonaro Veränderungen an dem Programm vor. Es heißt nun „Medicos pelo Brasil“ (Ärzte für Brasilien). Es sieht vor, dass kubanische Ärzte, die nicht nach Kuba zurückgegangen sind, in Zukunft wieder in dem Programm arbeiten dürfen. Laut Medienberichten sind rund 2.000 der Ärzte nicht nach Kuba zurückgekehrt, sondern haben in Brasilien politisches Asyl beantragt. © kna/aerzteblatt.de

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