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MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Herzklappenfehler bei Schwangeren: Mutter und Kind sind vor allem bei schweren Mitralklappenstenosen gefährdet

Gerste, Ronald D.

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Foto: shironosov/iStock.
Foto: shironosov/iStock.

Auch Frauen mit Herzklappenfehler können dank des medizinischen Fortschrittes Kinder bekommen. Die hämodynamischen Veränderungen in der Schwangerschaft können jedoch sowohl die mütterliche wie auch die fetale Gesundheit negativ beeinflussen. In einer Metaanalyse sind 12 Studien auf die Frage einer genaueren Risikoabschätzung ausgewertet worden. In 8 von ihnen hatten Patientinnen eine Mitralstenose, in 7 Studien eine Aortenstenose und in 4 Studien einen der beiden Herzfehler. Insgesamt nahmen 646 Schwangere teil.

Für Frauen mit schwerer Mitral- stenose betrug die Mortalität 3 % (95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [0; 6]), die Inzidenz eines Lungenödems lag bei 37 % [23; 51] und der neuen oder rezidivierenden Arryhthmien bei 16 % [1; 25]. Die Häufigkeiten einer Totgeburt, eines neonatalen Tod des Kindes oder einer Frühgeburt wurden mit 4 %, 2 % und 18 % ermittelt. Bei moderater Mitralstenose lag die Mortalität bei 1%, Lungenödem traten bei 18 % auf, Arryhthmien bei 5 % und Totgeburt bei 2 %.

Bei schwerer Aortenstenose war das Risikoprofil etwas anders. Hier betrug die Mortalität 2 %, die Inzidenz des Lungenödems 9 % und der Arrhythmien 4 %. Die Häufigkeiten von Totgeburt, neonatalem Tod und Frühgeburt lagen bei 2 %, 3 % und 14 %. Von den Frauen mit moderater Aortenstenose starb keine und auch ein neonataler Kindstod trat nicht auf. Allerdings kam es bei 13 % zu einer vorzeitigen Geburt.

Fazit: „Frauen mit bekannten Stenosen der Aorten- und/oder Mitralklappe sollten sich bei bestehendem Kinderwunsch unbedingt beraten lassen, ob die Korrektur des Herzfehlers vor einer Schwangerschaft angezeigt ist“, erläutert Prof. Dr. med. Jan Gummert, Direktor der Klinik für Thorax- und Kardiovaskularchirurgie am Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen. „Dadurch könnten die Risiken sowohl für die Mutter wie auch den Fetus und das Neugeborene reduziert werden. Die sehr komplexe Risikoabwägung beinhaltet auch die Wahl der Intervention, der Klappenprothese und der Antikoagulation und sollte in einem multidisziplinären Team erfolgen.“

Dr. med. Ronald D. Gerste

Ducas RA, Javier DA, D’Souza R et al.: Pregnancy outcomes in women with significant valve disease: a systematic review and meta-analysis Heart 2020; 106: 512–9.

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