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Medizin

Studie: Benzodiazepine erhöhen Risiko auf Eileiter­schwangerschaft

Freitag, 19. Juni 2020

/Tom, stock.adobe.com

Stanford/Kalifornien – Frauen, denen in den 90 Tagen vor dem Beginn einer Schwanger­schaft Benzodiazepine verordnet wurden, hatten in einer Kohortenstudie ein erhöhtes Risiko auf eine Eileiterschwangerschaft, was die Forscher in Human Reproduction (2020; DOI: 10.1093/humrep/deaa082) mit der relaxierenden Wirkung der häufig verordneten Medikamente auf die Muskulatur im Eileiter zurückführen, was den Weitertransport der befruchteten Eizelle in den Uterus behindern könnte.

In den USA kommt es bei 1 bis 2 % aller Schwangerschaften zu einer Einnistung der Eizelle im Eileiter. Die Folge ist eine Eileiterschwangerschaft, die meist zu schweren Komplikationen führt, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird. Eileiterschwangerschaften sind für 6 bis 13 % aller schwangerschaftsbedingten Todesfälle verantwortlich.

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Es sind zwar verschiedene Risikofaktoren für eine Eileiterschwangerschaft bekannt. Dazu gehören Unterleibsentzündungen (PID, pelvic inflammatory disease), In-vitro-Fertilisation und andere Reproduktionstechnologien, Intrauterinpessare, Rauchen und ein erhöhtes Alter. Etwa die Hälfte aller Frauen mit einer Eileiterschwangerschaft weist jedoch keine dieser Risikofaktoren auf.

Benzodiazepine gelten als weiterer potenzieller Risikofaktor, da sie über ihre zentral­nervöse Wirkung oder über GABA-Rezeptoren in den Eileitern die Muskelkontraktionen vermindern, die für den Weitertransport einer befruchteten Eizelle in den Uterus benötigt werden.

Benzodiazepine werden in den USA häufig zur Behandlung von Angststörungen, Schlaflosigkeit, akutem Alkoholentzug und Krampfanfällen verschrieben. Unter den Empfängern sind häufig auch Frauen im gebärfähigen Alter. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2008 war nicht weniger als 3,6 % der Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren wenigstens einmal pro Jahr ein Benzodiazepin verschrieben worden.

Elizabeth Wall-Wieler von der kalifornischen Stanford Universität und Mitarbeiter haben hierzu die Daten von 1.691.366 Schwangeren ausgewertet, die über ihren Arbeitgeber krankenversichert waren. Immerhin 17.990 Frauen (1,78 %) hatten in den 90 Tagen vor der Empfängnis ein Benzodiazepin-Rezept erhalten. Der Vergleich mit den anderen 1.673.376 Frauen ergab, dass die Verordnung von Benzodiazepinen mit einer erhöhten Zahl von 80 Eileiterschwangerschaften auf 10.000 Schwangerschaften verbunden war.

Wall-Wieler ermittelt ein relatives Risiko von 1,47, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,32 bis 1,63 signifikant war. Bei der Analyse wurden durch eine „Inverse Probability Weighting“ mögliche Fehlerquellen ausgeschaltet.

In einer weiteren Analyse wurde untersucht, ob Angststörungen und Schlafstörungen, die beiden häufigsten Anlässe für die Verordnung von Benzodiazepinen, mit einem erhöhten Risiko auf eine Eileiterschwangerschaft assoziiert sind. Dies war nicht der Fall, so dass es unwahrscheinlich ist, dass die Krankheiten und nicht ihre Behandlung für den Anstieg der Eileiterschwangerschaften verantwortlich sind.

Da der Zusammenhang auch biologisch plausibel ist, rät Wall-Wieler allen Frauen mit Kinderwunsch, nach Möglichkeit auf die Einnahme von Benzodiazepinen zu verzichten. Bei einer ungeplanten Schwangerschaft sollten die Frauen auf mögliche Frühzeichen wie Blutungen oder Schmerzen im Unterleib achten.

Frühzeitige Ultraschall- und Hormonuntersuchungen könnten helfen, die Eileiter­schwang­erschaft zu erkennen, bevor es zu lebensgefährlichen Komplikationen kommt. © rme/aerzteblatt.de

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