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Ärzteschaft

Schwangere und ihr Baby können von COVID-19-Impfung profitieren

Freitag, 29. Januar 2021

/sosiukin, stock.adobe.com

Berlin – Angesichts der in den sozialen Medien kursierenden Fake News zur Impfung gegen COVID-19 und der speziellen Befürchtungen von Schwangeren um die Gesundheit des Ungeborenen, haben sich aktuell mehrere Fachgesellschaften aus Gynäkologie, Perinatologie, Endokrinologie und Reproduktions­me­dizin einschließlich der niedergelassenen Frauenärzte unter Federführung der Deutschen Gesell­schaft für Perinatale Medizin (DGPM) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) in einer gemeinsamen Stellungnahme zur Impfung von Schwangeren geäußert.

Zwar empfehlen sie nicht unterschiedslos und generell, alle Schwangeren gegen COVID-19 zu impfen. Dies hieße jedoch nicht im Umkehrschluss, dass Schwangere prinzipiell von einer solchen Impfung ausge­schlos­sen werden müssten.

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Sie möchten damit vielmehr den die Schwangeren betreuenden Ärzten Kriterien an die Hand geben, um zu einer bestmöglichen individuellen Entscheidung für oder gegen eine solche Impfung in der Schwan­ger­schaft zu gelangen. Die Datenlage sei zwar spärlich, sie erlaube dennoch eine Abwägung.

So wollen die Experten auch die Verlautbarung der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) interpretiert sehen, die sich keineswegs kategorisch gegen eine Impfung von Schwangeren gegen das SARS-CoV2-Virus ausgesprochen habe. Denn wenn eine schwangere Frau zu einer Hochrisikogruppe für einen kom­plizierten Verlauf zählt, würden die Vorteile eines Impfschutzes gegenüber den potenziellen Impfrisiken überwiegen.

Zu solchen Risikogruppen gehören Schwangere zum Beispiel dann, wenn Komorbiditäten vorliegen oder sie aus beruflichen Gründen vermehrt gegenüber Infizierten exponiert sind. Die WHO hält es auch nicht für notwendig, vor einer Impfung einen Schwangerschaftstest zu machen oder deswegen zu verhüten und einer gewünschte Schwangerschaft hinauszuzögern – was ein wichtiges Signal für alle Frauen mit Kinder­wunsch ist.

Dem schließen sich die deutschen Fachgesellschaften an und betonen, dass insbesondere eine „akziden­tel­le Impfung“ bei noch unbekannter Schwangerschaft keine Indikation zum Schwangerschaftsabbruch darstelle. Die Stellungnahme benennt konkret mehrere Studien, in denen Vorerkrankungen wie Hyperto­nie, Diabetes Mellitus und Adipositas sowie ein Alter von über 35 Jahren als Risikofaktoren für einen schweren COVID-19-Verlauf nachgewiesen werden konnten.

Für solche Frauen könnte eine Impfung sinnvoll sein. Bekannt ist ebenfalls, dass Neugeborene von Müttern mit COVID-19 öfter als diejenigen nichtinfizierter Mütter auf einer neonatologischen Intensiv­sta­tion betreut werden müssen, unter anderem, weil es unter einer Infektion in der Schwangerschaft öfter zu einer Frühgeburt kommt.

Eine infizierte Mutter kann ihr Ungeborenes passiv immunisieren

Dass davor und vor späteren COVID-19-Schäden des Neugeborenen eine Impfung möglicherweise schüt­zen könnte, lässt sich aus einer aktuellen Studie (DOI: 10.1016/j.ajog.2021.01.016) zumindest indirekt ab­leiten. Ein Forscherteam aus meh­reren Kliniken und Zentren in New York konnte zeigen, dass eine infizierte Mutter ihr Ungeborenes passiv immunisieren kann.

In 78 Prozent der Fälle ließ sich eine Übertragung plazentagängiger IgG-Antikörper der Mutter auf das Ungeborene nachweisen. Es ist daher nicht unplausibel zu vermuten, dass ähnlich wie bei der Keuchhus­ten­impfung eine passive Immunisierung im Mutterleib auch durch eine COVID-19-Impfung erfolgen kön­ne. Auch wenn gesicherte Daten ausstünden, so könne doch die auf diese Weise übertragene Nestim­mu­nität eine passive Präventionsstrategie zum Schutz des Säuglings darstellen, heißt es in der Stellung­nahme.

Die interdisziplinären Arbeitsgruppen äußern sich ebenfalls zu den potenziellen Nebenwirkungen. Die im Moment zugelassenen RNA-Impfstoffe enthalten keine replikationsfähigen Viren. Daher ist eine In­fektion mit SARS-CoV2 infolge der Impfung weder bei der Schwangeren noch beim Feten zu befürchten. Die in den Impfstoffen verwendete mRNA ist hauptsächlich in der Injektionsstelle und in den unmittel­bar umlie­genden Lymphknoten für etwa 3 Tage nachweisbar. Ein Einbau in das Genom von Mutter oder Föten sei nicht plausibel, da mRNA nicht in den Zellkern gelange.

Gleichwohl gilt festzuhalten, dass noch keine Beobachtungen zum Schwangerschaftsoutcome nach einer COVID-19-Impfung beim Menschen vorliegen. Tierexperimentelle Untersuchungen des Impfstoffher­stell­ers Moderna berichten keine nachteiligen Signale in Bezug auf die embryonale, fetale oder postnatale Ent­wick­lung.

Die Studien von Pfizer-BioNTech sind noch nicht abgeschlossen. Die Daten der Safety Boards der De­velop­­mental and Reproductive Toxicity (DART)-Studien waren bislang ebenfalls unauffällig. Beobach­tungs­studien von akzidentiell geimpften Schwangeren in den bisher durchgeführten Studien laufen aktuell bei beiden Herstellern.

Als Fazit formuliert die Stellungnahme: „In informierter partizipativer Entscheidungsfindung und nach Ausschluss allgemeiner Kontraindikationen ist die Impfung schwangerer Frauen gegen SARS-CoV-2 mög­lich. Um Schwangere indirekt zu schützen, sollen zudem enge Kontaktpersonen von Schwangeren, insbe­son­dere deren PartnerInnen, sowie Hebammen und Ärzte priorisiert geimpft werden.“ © mls/aerzteblatt.de

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Avatar #710751
DocAge
am Samstag, 30. Januar 2021, 11:00

Ziemlich wischieaschi

Ganz ehrlich, v.a. der letzte Abssatz sollte selbst Nicht-Mediziner aufhorchen lassen: Wie sollen denn Schwangere durch Impfung des Umfelds geschützt werden, wo noch nicht mal die Impfstoffherrsteller sagen, dass ein Geimpfter kein Überträger mehr sei. Fragt sich, was hier wirklich Fake News sind.
Wie war das gleich noch mit Contergan?
LNS

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