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Medizin

Studie: Multiomicsanalyse will Zeitpunkt der Geburt vorhersagen

Montag, 12. Juli 2021

/fotoduets, stock.adobe.com

Palo Alto – US-Forscher haben bei 63 werdenden Müttern in den letzten 100 Tagen ihrer Schwanger­schaft mehr als 7.000 Blutwerte bestimmt, um eines der großen Rätsel der Geburtshilfe zu lösen. Wer gibt das Startsignal für die Wehen und wie lässt sich die bevorstehenden Geburt vorhersagen?

Das Ziel der in Science Translational Medicine (2021; DOI: 10.1126/scitranslmed.abd9898) vorgestellten Ergebnisse ist die Entwicklung eines Bluttests, mit dem sich der Geburtstermin um Tage bis Wochen vorhersehen ließe.

Die Geburtshilfe hat in den letzten Jahrzehnten viele Fortschritte gemacht. Gynäkologen können den Verlauf der Schwangerschaft live im Ultraschall verfolgen, die Gene des Kindes können sie im Blut der Mutter untersuchen und wenn nötig auch Fehlbildungen im Uterus beheben.

Eine der einfachsten Fragen der Geburtshilfe können sie jedoch noch immer nicht beantworten: Wann die spontane Geburt einsetzt, ist häufig noch am Tag vor den Wehen nicht vorhersehbar. Auch über die Veränderungen im Stoffwechsel von Mutter und Kind, die den Übergang zu den Wehen markieren, ist wenig bekannt.

Ein Team um Brice Gaudillière von der Stanford Universität in Palo Alto will dies jetzt mit einer sogenan­nten Multiomicsanalyse ändern. Bei 63 Frauen mit unkomplizierten Schwangerschaften wurden in den letzten 100 Tagen vor dem errechneten Termin 3 Blutproben entnommen. Mittels einer ungezielten Massenspektrometrie wurde nach Änderungen in den Stoffwechselprodukten gesucht.

Mit einer apta­mer­basierten Methode wurden die einzelnen Proteine isoliert, und mittels einer Massen­zytometrie wurden die verschiedenen Immunzellen voneinander getrennt. Metabolom, Proteom und Immunom wurden dann in ihrem Verlauf (Tajektorien) durchsucht, um die entscheidenden Startsignale für die bevorstehende Geburt zu identifizieren.

Die wichtigste Veränderung im Metabolom war – wenig überraschend – ein Anstieg des Hormons 17-hydroxy-Progesteron (17-OHP) und seiner Vorstufe 17-hydroxy-Pregnenolon. Sie sind seit längerem als die wichtigsten Schwangerschaftshormone bekannt, ohne dass es bisher möglich ist, aus ihrer Konzen­tration auf die bevorstehende Geburt zu schließen.

Die wichtigste Veränderung im Proteom war ein Anstieg von IL-1R4. Es handelt sich um den Rezeptor für Interleukin-33. Dieses Zytokin fördert eigentlich Entzündungsreaktionen im Körper. In der Schwanger­schaft könnte es jedoch an der feto-maternalen Toleranz beteiligt sein. Sie verhindert, dass das Immun­system den für sie fremden Fetus angreift. Der Anstieg von IL-1R4 könnte die „Schonzeit“ des Immun­systems beenden und die Geburt einleiten. Dies allein scheint jedoch nicht auszureichen, um die Wehen auszulösen.

Gaudillière geht davon aus, dass neben Hormonen und Immunsystem noch weitere Faktoren die Über­gangszeit zur Geburt beeinflussen. Dazu könnten Veränderungen in der Blutgerinnung, Signale aus der Plazenta (Activin-A und Siglec-6), Alterungsvorgänge in den fetalen Membranen (PLXB2 and DDR1) und eine Abnahme von angiogenetischen Faktoren gehören, die vorher das Wachstum der Plazenta gefördert haben. Die Liste der Proteine, deren Konzentration sich vor der Geburt ändert, ist lang.

Offenbar kommt es vor der Geburt zu einem „Crosstalk“ verschiedener Systeme. Das Signal, das am Ende den „Startschuss“ für die Geburt gibt, haben die Forscher nicht entdeckt. Ein einfacher Bluttest, mit dem sich der Geburtstermin exakt vorhersagen und eine drohende Frühgeburt erkennen lässt, ist damit nicht in Sicht. © rme/aerzteblatt.de

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