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Medizin

Studie findet (noch) keine Hinweise auf teratogene Wirkung neuerer Antiepileptika

Donnerstag, 22. Juli 2021

/Arkom, stock.adobe.com

Palo Alto/Kalifornien – Im Gegensatz zur Valproinsäure, die wegen ihres hohen teratogenen Potenzials in der Schwangerschaft gemieden wird, hat die intrauterine Exposition mit neueren Antiepileptika wie Lamotrigin oder Levetiracetam offenbar keine negativen Einflüsse auf die neuropsychologische Entwicklung von Kindern. Darauf deuten erste Zwischenergebnisse einer US-Studie in JAMA Neurology (2021; DOI: 10.1001/jamaneurol.2021.1583) hin, die allerdings Hinweise auf eine dosisabhängige Beeinträchtigung der motorischen Entwicklung fand.

Die teratogene Wirkung von älteren Antiepileptika wie Valproinsäure ist seit mehr als 50 Jahren bekannt. Die Bedenken betrafen dabei lange Zeit anatomische Fehlbildungen. Erst im letzten Jahrzehnt wurde in der NEAD-Studie „Neurodevelopmental Effects of Antiepileptic Drugs“ erkannt, dass die intrauterine Exposition mit Valproinsäure auch die neuropsychologische Entwicklung der Kinder stört und im Grundschulalter mit einem niedrigeren IQ einhergeht.

In der Nachfolgestudie MONEAD („Maternal Outcomes and Neurodevelopmental Effects of Antiepileptic Drugs“) lassen die US-National Institutes of Health derzeit prüfen, ob auch eine intrauterine Exposition mit neueren Antiepileptika die Entwicklung der Kinder stören könnte. An 20 US-Behandlungszentren wurden 292 Mütter mit einer Epilepsie und 90 gesunde Schwangere rekrutiert.

Von den 292 Müttern in der Epilepsie-Kohorte waren 21 unbehandelt, 213 nahmen während er Schwangerschaft einen Wirkstoff ein (93 Lamotrigin, 73 Levetiracetam, 13 Oxcarbazepin, 12 Carbamazepin, 11 Zonisamid, 5 Topiramat und 6 andere Wirkstoffe). Die übrigen 58 Schwangeren wurden mit mehreren Antiepiletika behandelt. Trotz der Medikamente kam es bei fast allen Frauen während der Schwangerschaft zu weiteren Anfällen, bei 13 kam es sogar zu 5 oder mehr Episoden.

Die Entwicklung der Kinder wurde im Alter von 2 Jahren mit den „Bayley Scales of Infant and Toddler Development, Third Edition“ (BSID-III) untersucht. Wie das Team um Kimford Meador von der Stanford University School of Medicine in Palo Alto berichtet, gab es in den 5 Domänen des BSID-III (Sprache, Motorik, Kognition, sozial-emotionale und allgemeine adaptive Entwicklung) keine Unterschiede zu den Kindern der Mütter ohne Epilepsie, was zunächst ein beruhigendes Ergebnis ist.

Dies zeigt, dass die Erkrankung und/oder ihre Behandlung in der Schwangerschaft keine gravierenden Auswirkungen auf die spätere kindliche Entwicklung hat. Die NEAD-Studie hatte für Valproinsäure im Alter von 3 Jahren eine deutliche Einschränkung der kognitiven Entwicklung gefunden.

In einer 2. Analyse haben die Forscher untersucht, ob die im 3. Trimenon im Blut der Mütter gemessenen Wirkstoffspiegel einen Einfluss auf den Entwicklungsstand haben. Hier wurde in der für die kognitive Entwicklung wichtigen Domäne der Sprachentwicklung kein Unterschied gefunden. In der motorischen Domäne und in der allgemeinen adaptiven Domäne (Fähigkeiten zum selbständigen Verhalten, etwa beim Essen) wiesen die Kinder, die intrauterin den höchsten Konzentrationen der Antiepileptika ausgesetzt waren, jedoch schwächere Ergebnisse auf.

Meador zeigt sich über diese Ergebnisse nicht besonders besorgt. Die Studie wird jedoch wie die NEAD-Studie bis zum Grundschulalter fortgesetzt. Erst dann wird sich zeigen, welche Spuren die Behandlung der Mütter in der neuropsychiatrischen Entwicklung der Kinder hinterlassen hat. © rme/aerzteblatt.de

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