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Politik

Zuspruch für Spahns Verbotspläne von „Konversions­therapien“

Mittwoch, 12. Juni 2019

/diego cervo, stockadobecom

Berlin – Für seinen Vorstoß, sogenannte Konversionstherapien zur „Umpolung“ von Homosexuellen zu verbieten, bekommt Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) breite Unterstützung. „Es ist gut, dass die Vorbereitung eines Verbots der menschen­verachtenden Umpolungstherapien nun endlich Fahrt aufnimmt“, sagte der für Lesben- und Schwulenpolitik zuständige FDP-Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg gestern. 

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) lobte das Vorhaben als überfälligen Schritt. In der Augsburger Allgemeinen sagte LSVD-Sprecher Markus Ulrich: „Wir fordern eine umfassende Ächtung dieser Angebote – insbesondere junge Lesben, Schwule, bisexuelle und transgeschlechtliche Menschen brauchen diesen Schutz“.

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Man hoffe, dass der Ge­sund­heits­mi­nis­ter jetzt Wort halte und die Koalition schnell ei­nen Gesetzentwurf vorlege, sagte Ulle Schauws von der Grünen-Bundestagsfrak­tion. „Es ist ein Skandal, dass im Jahr 2019 Pseudotherapien, die darauf abzielen, die ho­mo­sexuelle Orientierung zu ändern, nach wie vor in Deutschland stattfinden“.

Die SPD-Abgeordnete Hilde Mattheis rechnet im Bundestag mit einer breiten Zu­stim­mung für die Verbotspläne. „Die meisten Abgeordneten sind sich im Ziel einig: Wir wollen, dass kein Mensch mehr hierzulande unter Konversionsmaßnahmen zu leiden hat“, erklärte sie gestern.

Auch im Bundesrat droht kein Widerstand, denn die Länderkammer selbst hatte schon im Mai die Bundesregierung aufgefordert, ein Verbot solcher Therapien zu prüfen. Spahn kündigte nun an, eine solche Regelung noch in diesem Jahr auf den Weg brin­gen zu wollen. Darüber werde er jetzt Gespräche mit dem Bundesjustiz­ministerium aufnehmen.

Es geht seinen Angaben nach dabei um strafrechtliche Aspekte, um berufsrechtliche Aspekte für Therapeuten oder Ärzte, die solche Behandlungen anbieten und um so­zialrechtliche Aspekte, damit verhindert wird, dass die Behandlungen über die Kran­kenkassen abgerechnet werden.

Zahlen liegen nicht vor, aber die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld geht von Tausen­den Fällen pro Jahr in Deutschland aus, in denen versucht wird, Homosexuelle mit frag­würdigen Therapien zu „heilen“. Das reiche vom familiären Umfeld, Coaches und Therapeuten über Gebete bis hin zu Exorzismus, sagte der geschäftsführende Vor­stand Jörg Litwinschuh-Barthel.

Die Stiftung hatte im Auftrag von Spahn zwei Gutachten und die Arbeit eines Exper­ten­gremiums zum Thema fachlich begleitet. Die Gutachter kommen in ihren gestern vorgelegten Stellungnahmen zu dem Schluss, dass ein Verbot solcher „Umpolungs­versuche“ sowohl medizinisch geboten als auch rechtlich möglich sei. © dpa/aerzteblatt.de

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Avatar #760232
penangexpag
am Mittwoch, 12. Juni 2019, 20:23

Konversionstherapie - Verbot

Grundsätzlich muß man vom mündigen Patienten ausgehen, der also selbst entscheiden kann, was er machen will. Dem wird entgegengehalten, daß das Verbot eher Minderjährige schützen soll, die von ihren Eltern einer Therapie zugeführt werden sollen. Ich gebe zu bedenken, daß das Erziehungsrecht der Eltern eine hohe Priorität hat - gerade in einem Staat, in dem jeder staatliche Zugriff in die Privatsphäre äußerst restriktiv gesehen wird. Auch wenn man die gutgemeinte Absicht der Gesetzesvorlage nicht in Abrede gestellt werden müßte : man bedenke die reale Möglichkeit der Umsetzung !
Avatar #97872
Hampel.Robert
am Mittwoch, 12. Juni 2019, 18:43

Was ist menschenverachtend

an diesen Konversionstherapien? Kann mir das jemand erklären? Wenn der Patient in einem inneren, leidverursachenden Spannungsverhältnis zu seiner homosexuellen Neigung steht, also unter ichdystoner Sexualorientierung (F66.1 nach ICD-10) leidet und dieses Leid dadurch beenden will, dass sein Ausgeliefertsein an homosexuelle Triebe abnimmt und sein heterosexuelles Potential entfaltet wird, und wenn jemand bereit ist, ihm dabei zu helfen, was ist daran prinzipiell Falsches? Wenn er über die Therapie aufgeklärt wird, über Chancen, Risiken, Nebenwirkungen, wenn er die Freiheit hat, sie abzubrechen, sobald er bemerkt, dass sie ihm nicht gut täte, was ist dann daran so verwerflich? Viele Menschen haben doch zeitweise homoerotische Phasen, wer weiß denn im Vorhinein, ob die unverrückbar sind? Und wenn die Patienten diese Phasen verkürzen wollen, warum sollen sie sich dann nicht Hilfe holen dürfen? Ist es nicht vielmehr menschenverachtend, solche Therapieversuche von vornherein unter Strafe zu stellen? Sacrosancte Homosexualität??? Ich wünsche mir sehr, dass weder die Politiker und schon gar nicht wir Ärzte uns von kämpferisch-neurotischen Homo-Aktivisten unter Druck setzen lassen. Und uns die Therapiefreiheit nicht rauben lassen. Die Freiheit, leidenden Menschen auf eine ihnen gemäße, individuelle, menschenwürdige Weise zu helfen und ihre Not zu lindern. Anders als bei der zumeist vom Staat bezahlten Abtreibung wird hier ja kein Mensch umgebracht. Lasst uns also die Dinge verbieten, die wirklich verbrecherisch sind und schränken wir nicht die Vertragsfreiheit in Dingen ein, die potentiell gut sind.
LNS